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G7-Länder sagen Millionen-Soforthilfe gegen Amazonas-Brände zu

Im Kampf gegen die schweren Waldbrände in der Amazonasregion haben die G7-Staaten rund 20 Millionen Dollar an Soforthilfen zugesagt. Damit sollten vor allem Löschflugzeuge finanziert werden.

Agentur
sda
Montag, 26. August 2019, 20:57 Uhr Biarritz
Eines der tausenden Feuer in der Amazonas-Region. Die Weltgemeinschaft ist bestürzt und reagiert etwa mit Finanzhilfen.
Eines der tausenden Feuer in der Amazonas-Region. Die Weltgemeinschaft ist bestürzt und reagiert etwa mit Finanzhilfen.
KEYSTONE/AP/LEO CORREA

Das sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Montag beim Gipfeltreffen der wichtigen Industrieländer im Seebad Biarritz. Zudem einigten sich die Länder auf einen Wiederaufforstungsplan.

Mehr als die Hälfte der Mittel kommt von Grossbritannien - das Land hatte zuvor eine Finanzspritze von umgerechnet 11 Millionen Euro angekündigt. Macron sagte bei dem gemeinsamen Auftritt mit dem chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera, über die Wiederaufforstung des Regenwaldes solle bei der Uno-Vollversammlung Ende September weiter beraten werden. Dafür sei aber die Zustimmung aus Rio nötig.

Gegen Einmischung von aussen

Brasilien ist von den Bränden im Amazonasbecken am stärksten betroffen. Dessen ultrarechter Staatschef Jair Bolsonaro hatte Macron wegen seines Vorgehens Einmischung in innere Angelegenheiten und eine «kolonialistische Mentalität» vorgeworfen. Macron drohte ihm daraufhin mit einer Blockade des EU-Freihandelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten.

Unter dem internationalen Druck verlegte Brasilien am Sonntag zwei Transportflugzeuge vom Typ Hercules C-130, die je 12«000 Liter Wasser transportieren und ablassen können. Die beiden Maschinen sind von Porto Velho im besonders schwer betroffenen Bundesstaat Rondonia aus im Einsatz und überfliegen die Brandgebiete in geringer Höhe. Rund 43»000 Soldaten unterstützen die Löscharbeiten.

Im ökologisch für die ganze Welt wichtigen Amazonasgebiet lodern derzeit tausende Waldbrände, vor allem Brasilien ist betroffen. Nach Angaben des brasilianischen Weltraumforschungsinstituts Inpe belief sich die Zahl der Brände seit Jahresbeginn am Samstag auf 79'513.

Knapp 80'000 Brände

Die Feuer haben international für besorgte Reaktionen sowie Kritik an der Regierung von Präsident Bolsonaro gesorgt. In Rio de Janeiro protestierten rund 2000 Menschen gegen den Staatschef. Kritiker werfen dem ultrarechten Staatschef vor, die Brandrodung durch Landwirte tatenlos hinzunehmen oder diese gar zu billigen.

Kolumbien kündigte an, den Vereinten Nationen einen regionalen Pakt für den Schutz des Regenwaldes vorzuschlagen. Präsident Iván Duque sagte am Sonntag, er wolle den Pakt im September vor der Uno-Vollversammlung präsentieren. Zwar gebe es in seinem Land derzeit keine Waldbrände vom gleichen Ausmass wie in Brasilien; die Amazonas-Länder müssten sich aber vorbereiten.

Bereits am Sonntag hatten die G7-Chefs in Biarritz finanzielle und technische Hilfe in Aussicht gestellt. Den G7-Staaten gehören neben Deutschland und Frankreich auch Grossbritannien, Italien, die USA, Kanada und Japan an. Macron hatte den chilenischen Präsidenten neben anderen Vertretern von Schwellenländern wie Indien und Ägypten zu dem Gipfel dazugeladen.

«Tag des Feuers»

Angesichts der verheerenden Brände ermittelt die brasilianische Bundespolizei derweil gegen die Organisatoren des sogenannten «Tag des Feuers» ermitteln. «Die Bundespolizei wird den Fall mit ihrer Expertise aufklären», schrieb Justizminister Sérgio Moro am Sonntag auf Twitter. «Kriminelle Brandstiftung im Amazonasgebiet wird hart bestraft.»

Zuvor hatte die Zeitschrift «Globo Rural» berichtet, dass sich im Bundesstaat Pará zuletzt über siebzig Personen in einer Whatsapp-Gruppe dazu verabredet hatten, grosse Flächen entlang der Landstrasse BR-163 in Brand zu stecken. Ziel der koordinierten Aktion sei gewesen, den rechten Präsidenten Jair Bolsonaro bei seinem Plan zu unterstützen, die Umweltkontrollen zu lockern, hiess es in dem Bericht.

Nach Einschätzung von Naturschützern werden die meisten Brände von Farmern gelegt, um neue Weideflächen für ihr Vieh zu schaffen. Da es momentan in der Region ungewöhnlich trocken ist, greifen die Brände immer wieder auch auf intakte Waldflächen über.

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