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Einklemmschutz bei SBB-Wagen durch «zuverlässiges Systems» ersetzen

Nach dem tödlichen Arbeitsunfall eines Zugchefs hat die Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust ein «Sicherheitsdefizit» beim Einklemmschutz der Türen der SBB-Einheitswagen IV festgestellt. Die Sust will, dass der Schutz durch ein «zuverlässiges System» ersetzt wird.

Agentur
sda
Mittwoch, 21. August 2019, 15:44 Uhr Bern
Beim Einklemmschutz der Türen des SBB-Einheitswagens IV besteht gemäss der Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust ein "Sicherheitsdefizit". (Archivbild)
Beim Einklemmschutz der Türen des SBB-Einheitswagens IV besteht gemäss der Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust ein "Sicherheitsdefizit". (Archivbild)
KEYSTONE/ENNIO LEANZA

In Türen eingeklemmte Personen oder Gegenstände müssten mit hoher Sicherheit festgestellt werden, heisst es im am Mittwoch veröffentlichten Zwischenbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust).

Das heutige System der Einheitswagen IV mit der Parallelschaltung von zwei Türendschaltern erfülle diese Anforderung nicht. «Die Tür kann dem Lokführer als geschlossen gemeldet werden, obwohl diese nicht ganz verschlossen ist», heisst es im Zwischenbericht. Dies führe zu Unsicherheit beim Lokpersonal und könne zu Unfällen führen.

Die Sust spricht von einem «Sicherheitsdefizit». Das pneumatische Einklemmschutzsystem müsse zwar systembedingt kurz vor dem Abschlussvorgang ausgeschaltet werden.

Der zuverlässige Schaltpunkt des Sensors «Türe zu 98 Prozent geschlossen», der das pneumatische Einklemmschutzsystem deaktiviere, sei jedoch nicht gewährleistet. Daher könne die Einklemmschutzfunktion entgegen seiner Vorgabe, vor 98 Prozent der Türschliessung nicht mehr garantiert werden.

«Falsche Information» für Lokführer

Das könne dazu führen, dass bei der Blockierung eines dieser beiden Schalter die Tür unabhängig von der effektiven Position des Türflügels permanent als geschlossen gemeldet werde, hält die Sust fest.

Der Zustand der Türen wird dem Lokführer mittels einer roten Kontrolllampe im Führerstand angezeigt. Bei leuchtender Lampe sei mindestens eine Türen offen, bei erloschener Lampe seien alle Türen verschlossen und verriegelt.

Das System könne dem Lokführer jedoch eine falsche Information über den Schliesszustand der Türen anzeigen. «Der Lokführer muss den via die rote Kontrolllampe übermittelten Informationen über die Türschliessung vertrauen können», heisst es im Zwischenbericht weiter. Das aktuell eingebaute System erfülle diese Anforderung nicht.

Die Sust untersuchte den tödlichen Arbeitsunfall vom 4. August, als ein 54-jähriger Zugchef bei der Abfahrt aus dem Bahnhof Baden AG von einer Tür eingeklemmt und mitgeschleift worden war.

Aufsichtsbehörde muss entscheiden

Die Sicherheitsuntersuchungsstelle empfiehlt im Zwischenbericht, dass das Bundesamt für Verkehr (BAV) die SBB auffordert, das heutige Systems für die Inaktivschaltung des Einklemmschutzes durch ein «zuverlässiges System zu ersetzen».

Das BAV als Aufsichtsbehörde solle auch das Türendschaltersystem der SBB so anpassen lassen, dass die rote Kontrolllampe dem Lokführer den korrekten Zustand der Türen anzeige. Die SBB haben rund 500 Wagen des Typs Einheitswagen IV mit je vier Türen in Betrieb.

Das BAV werde den Bericht mit Hochdruck analysieren und möglichst rasch entscheiden, in welcher Form die Empfehlungen der Sust umgesetzt werden sollten, sagte BAV-Sprecher Andreas Windlinger im Schweizer Radio SRF. Die Empfehlungen der Sust seien «sicher fundiert».

SBB setzen auf zusätzliche Kontrollen

Die SBB unterziehen derzeit alle Türen des betroffenen Wagentyps einer zusätzlich Kontrolle. Rund zwei Drittel aller Wagen seien kontrolliert, halten die SBB in einer Stellungnahme fest. Türen, bei denen ein Mangel festgestellt werde, würden entweder umgehend instandgesetzt, gesperrt oder als defekt gekennzeichnet.

Anschliessend werde der Wagen wieder in Betrieb gesetzt und zum nächstmöglichen Zeitpunkt repariert. Falls nötig, würden die Wagen in den SBB Servicestandorten zurückbehalten, bis sie instand gesetzt seien.

Die SBB haben als Reaktion auf den tödlichen Arbeitsunfall Anfang August auch den Abfertigungsprozess überprüft und mit den Sozialpartnern diskutiert. Der heute gültige Abfertigungsprozess sei für die Kunden und das Personal sicher, heisst es.

Gewerkschaft nimmt SBB in Pflicht

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) sieht sich durch den Sust-Bericht bestätigt. Der Bericht zeige, dass ein technischer Defekt die Ursache des Unfalls gewesen sei, und der Fehler nicht beim Zugbegleiter gelegen habe, sagte SEV-Vizepräsident Manuel Avallone auf Anfrage.

«Wir halten deshalb daran fest, dass der Prozess der Erteilung der Abfahrerlaubnis geändert werden muss und das Zugpersonal erst nach dem Einsteigen die Abfahrerlaubnis gibt.»

Bis Ende Woche sollten laut SBB alle Wagen kontrolliert sein. Wagen, bei denen der Klemmschutz nicht funktioniere, müssten dann aus dem Verkehr genommen werden. Die SBB müssten gewährleisten, dass Personal und Kunden sicher seien.

In einem zweiten Schritt solle, wie im Sust-Zwischenbericht beschrieben, das heutige System für die Inaktivschaltung des Einklemmschutzes durch ein zuverlässiges ersetzt werden. Und allgemein brauche es mehr qualifiziertes Personal im Unterhalt, hält Avallone fest.

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