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Italien: «Mani Pulite»-Chefankläger Borrelli gestorben

Der frühere Mailänder Oberstaatsanwalt Francesco Saverio Borrelli ist am Samstag im Alter von 89 Jahren in Mailand gestorben. Borrelli hatte sich Anfang der 90er-Jahre mit Anti-Korruptions-Ermittlungen («Mani Pulite» - Saubere Hände) einen Namen gemacht.

Agentur
sda
Samstag, 20. Juli 2019, 15:24 Uhr Mailand
Der frühere Mailänder Oberstaatsanwalt Borrelli galt als Symbolfigur im Kampf der Justiz gegen die Bestechlichkeit.
(Bild von 2002)
Der frühere Mailänder Oberstaatsanwalt Borrelli galt als Symbolfigur im Kampf der Justiz gegen die Bestechlichkeit. (Bild von 2002)
KEYSTONE/EPA ANSA/DANIEL DAL ZENNARO

Borrelli galt als Symbolfigur im Justizkampf gegen die Bestechlichkeit, der Italien in den 90er-Jahren gewaltig erschüttert hat. Er galt als angesehenster Vertreter einer Generation von Richtern und Staatsanwälten, die sich stark für eine Erneuerung der politischen Moral Italiens eingesetzt haben.

Dank des unermüdlichen Einsatzes Borrellis und seines Teams junger Staatsanwälte wurde nicht nur eine morsche politische und wirtschaftliche Führungselite weggefegt. Er führte unter anderem Ermittlungen gegen den früheren Sozialistenchef und Ex-Premier Bettino Craxi sowie gegen den viermaligen Premier Silvio Berlusconi.

Der Mailänder Staatsanwälte-Pool konnte einmalige Erfolge im Kampf gegen Bestechlichkeit verbuchen. Mehr als 3000 Lokalverwalter, Unternehmer und hochrangige Politiker gerieten in den 90er-Jahren wegen aktiver und passiver Korruption sowie wegen illegaler Parteienfinanzierung in das Netz der Justiz.

Während der Regierungsjahre Berlusconis wurde Borrelli immer wieder zur Zielscheibe heftiger politischer Attacken. Die von Borelli geführte Mailänder Staatsanwaltschaft, die mehrere Strafprozesse gegen Berlusconi eingeleitet hatte, wurde vom TV-Tycoon beschuldigt, ihn aus politischen Gründen verfolgen.

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