×

Die KV-Lehre könnte ganz schön anders werden

Die Grossbanken UBS und Credit Suisse lancieren im August ein Pilotprojekt. Im ersten Ausbildungsjahr sollen ihre Lehrlinge fünf, statt nur zwei Tage in der Woche die Schulbank drücken. Ein Konzept, das Vor-und Nachteile mit sich bringen könnte und auch in Grauibünden gespannt beobachtet wird.

Bettina
Cadotsch
Freitag, 12. Juli 2019, 04:30 Uhr Pilotprojekt
GKB
Änderungen in der kaufmännischen Lehre stehen an. Bei der GKB jedoch noch nicht.
ARCHIV

Die kaufmännische Ausbildung bei den zwei Grossbanken im Kanton Zürich wird umstrukturiert – zumindest so lange, wie das Pilotprojekt läuft. Insgesamt zwölf Lernende pro Grossbank sind mit von der Partie und absolvieren ihre Lehre im sogenannten «5-1-1 Modell», wie der Tagesanzeiger schreibt. Analog zum Namen bedeutet dies für die Lehrlinge, dass sie im ersten Jahr während fünf Tagen in der Schule sitzen, im zweiten und im dritten Lehrjahr nur noch einen Tag pro Woche büffeln. Gesamthaft wird bei der Anzahl Schultagen jedoch nicht gerüttelt. Auch der Schulstoff selbst – wie Mathematik, Sprachen und Informatik bleibt gleich, heisst es weiter.

Projekt stösst auf Interesse

Ein grösserer schulischer Rucksack und eine grössere Präsenz am Arbeitsplatz in den darauffolgenden Lehrjahren könnten für Lernende und Arbeitgeber von Vorteil sein. Zumindest dann, wenn die Lernenden dadurch anspruchsvollere Aufgaben übernehmen können. Für Mathias Schneider, welcher seit 16 Jahren Berater im Nachwuchs der Graubündner Kantonalbank ist, klingt das Projekt daher spannend, wie es auf Anfrage von «suedostschweiz.ch» heisst. «Der Qualitätsanspruch ist gestiegen und es ist nicht gerecht, die Lehrlinge einfach irgendwo einzusetzen, wo sie noch etwas ausrichten können.» Trotzdem blickt Schneider auch kritisch auf das Modell, welches den Fokus  im ersten Lehrjahr rein auf die Schule legt. Für ihn ist ein Praxisbezug immer noch wichtig und es werde wahrscheinlich schwierig abzuwägen, wie viel das nötig sei. «Es kann auch sein, dass es nicht leicht wird, den schulischen Teil des ersten Lehrjahrs im Betrieb nachhaltig zu integrieren. Ich kann es zurzeit nicht gut beurteilen und bin sehr gespannt auf die Ergebnisse.»

Auch GKB strukturiert um

Bei der Graubündner Kantonalbank gebe es ab diesem Sommer auch eine Antwort und kleine Anpassungen in der kaufmännischen Ausbildung. Die Lehrlinge würden im ersten Monat einen speziellen Einführungskurs erhalten und intensiv in den Betrieb eingeführt werden, so Schneider. «Damit wird der theoretische Rucksack grösser und die Auftrittskompetenz besser», erklärt er. Die Lehrlinge würden dann bereits anspruchsvollere Arbeiten erledigen können. Ob dieser Start erfolgreich ist, werde sich rasch zeigen.

Hintergrund des Pilotprojekts

Auch beim Pilotprojekt der Zürcher Banken, wird sich ein allfälliger Erfolg erst noch zeigen. «Kernstück ist, dass im ersten Lehrjahr der Fokus auf dem Berufsfachschulunterricht liegt», wie Sabine Balmer, verantwortlich für die Nachwuchsförderung bei der Credit Suisse gegenüber dem Tagesanzeiger sagt. Das «5-1-1 Modell» habe auch zur Folge, dass die angehenden Bankerinnen und Banker am Anfang ihrer Ausbildung kaum im Betrieb sind. Für Balmer ist aber klar: «Die Ansprüche im Betrieb sind gestiegen, es wird immer schwieriger, die Lernenden im ersten Jahr in der Bank sinnvoll einzusetzen». Und: Was im ersten Jahr ein Problem darstellt, könne sich im zweiten Jahr als Vorteil herausstellen. «Sie sind dann reifer, können mehr und sind häufiger im Betrieb präsent», so die Nachwuchsexpertin der Credit Suisse.

(can)

Kommentar schreiben

Kommentar senden