×

Bereitschaft zum Verzicht sinkt gemäss Umfrage trotz hoher Kosten

Die Krankenkassenprämien sind laut einer Umfrage noch vor den Steuern das grösste finanzielle Problem für einen Haushalt. Trotzdem wollen die Stimmberechtigten gemäss dem Gesundheitsmonitor 2019 auf keine Leistungen verzichten.

Agentur
sda
Montag, 24. Juni 2019, 10:00 Uhr Bern
Die Qualität des Gesundheitswesens ist gemäss dem Gesundheitsmonitor 2019 wichtiger als die Kosten, obwohl diese die Haushalte oft noch stärker belasten als die Steuern. (Archivbild)
Die Qualität des Gesundheitswesens ist gemäss dem Gesundheitsmonitor 2019 wichtiger als die Kosten, obwohl diese die Haushalte oft noch stärker belasten als die Steuern. (Archivbild)
KEYSTONE/GAETAN BALLY

86 Prozent haben einen sehr oder eher positiven Gesamteindruck vom Gesundheitswesen, wie die Interpharma in dem am Montag in Bern veröffentlichten Gesundheitsmonitor 2019 schreibt.

Die Phase der stabil hohen Gesamtzufriedenheit halte somit ein weiteres Jahr an. Seit 2013 hätten jeweils mindestens drei Viertel der Stimmberechtigten ein positives Gesamturteil gefällt.

Allerdings erachten nur noch 61 Prozent die Qualität des Gesundheitswesens als gut oder sehr gut. Das sind 20 Prozentpunkte weniger als in der Vorjahresbefragung.

Zwei im letzten Jahr festgehaltene Veränderungen sind 2019 von den Befragen praktisch wieder korrigiert worden. 2018 entwickelte sich die Meinung in Richtung einer Krankenversicherung, die alle Leistungen statt nur die finanziellen Risiken abdecken soll.

2019 neigten die Stimmberechtigten nur noch leicht in diese Richtung. Auf der anderen Seite möchten die Befragten mehrheitlich wieder stärker die Gemeinschafts- statt der Eigenverantwortung hochhalten, wie dies bereits 2015 bis 2017 der Fall gewesen sei.

Die Thesen

Aus den Umfrageergebnissen sind im Gesundheitsmonitor eine ganze Reihe von Thesen abgeleitet worden. Die befragten Stimmberechtigten beklagten wieder verstärkt die individuelle Belastung durch die Krankenkassenprämien und seien offener gegenüber einzelnen potenziell kostensenkenden Massnahmen wie günstigen Behandlungen im Ausland.

So wünschten sich 75 Prozent der Befragten, dass Krankenkassen gleichwertige, aber billigere Behandlungen im Ausland bezahlten. Gegenüber dem Vorjahr entspreche dies einer Zunahme um 22 Prozentpunkte.

Die befragten Stimmberechtigten wünschten die frei Arztwahl und gewichteten den freien Zugang zu Medikamenten, die Qualität und die Quantität höher als die Kostenüberlegungen.

Sie würden das Prinzip der Gemeinschafts- statt der Eigenverantwortung bevorzugen. Dies zeigt sich etwa darin, dass 57 Prozent die ärztlich verordnete Heroinabgabe durch die Kassen zahlen lassen würden, was einer Zunahme um 22 Prozentpunkten gegenüber der letzten Befragung entspreche.

Die Befragten gingen auch weiterhin von klar zunehmenden Gesundheitskosten und Krankenkassenprämien aus. Grundsätzlich sei man mit der Verteilung der Finanzen einverstanden. Am ehesten würde mehr Geld in die Medikamentenforschung gesteckt und bei der Verwaltung der Krankenkassen Mittel eingespart.

Zu hohe Medikamentenpreise

Nach wie vor halte die klare Mehrheit der Befragten die Medikamentenpreise für zu hoch. Aktuell verordnete Preissenkungen würden kaum noch wahrgenommen. Sobald es aber um mehr als Bagatellen gehe, stünden Wirkung und bestmögliche Behandlungen für Mehrheiten im Vordergrund.

75 Prozent oder 18 Prozentpunkte mehr als bei der letzten Befragung äusserten die Meinung, Ärztinnen und Ärzte seien an der Verschreibung möglichst teurer Medikamente interessiert, wenn sie daran verdienten. 41 Prozent der Befragten würden eher mehr Geld in die Medikamentenforschung stecken als bisher. Das entspricht einer Zunahme um 24 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Mit dem aktuellen Leistungskatalog seien die Befragten grundsätzlich zufrieden. Eher würde ein Aus- als ein Abbau gewünscht. Das heutige System mit Kopfprämien sei akzeptiert. Vermehrt könnte man sich mit automatischen Massnahmen zur Kostenbegrenzung, günstigeren Behandlungen im Ausland oder Boni auf nicht bezogene Leistungen anfreunden. Einkommensabhängige Prämien schienen dagegen derzeit nicht opportun.

Die Ergebnisse der Befragung zum Gesundheitsmonitor 2019 basieren auf einer repräsentativen Befragung von 1200 Stimmberechtigten aus der ganzen Schweiz, die gfs.bern im Auftrag des Pharmaverbands Interpharma durchgeführt hat. Die Befragung wurde zwischen dem 4. und dem 23. März mittels persönlicher Interviews realisiert.

Kommentar schreiben

Kommentar senden