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Gegenwind feiert den Sieg

Die Windparkgegner von «Linth Gegenwind» haben auf ihre erfolgreiche Kampagne gegen die Biltner Windräder angestossen. Ganz vorbei ist der Kampf aber womöglich noch nicht.

Ueli
Weber
Samstag, 18. Mai 2019, 04:30 Uhr Erfolgreicher Kampf
Prost! Der Vorstand von «Linth Gegenwind» begiesst das Ende des Windpark-Projekts in Bilten.
SASI SUBRAMANIAM

Daniel Lienhard pfeift, um sich die Aufmerksamkeit der Aperöler zu verschaffen. «Ich möchte euch herzlich begrüssen», sagt er, und ein Lächeln huscht über sein Gesicht, «zu einem lockeren und feierlichen Abend!»

Der Biltner Unternehmer ist Präsident von «Linth Gegenwind». Er blickt an diesem Donnerstagabend auf gut 70 Windparkgegner, die in den «Jakobsblick» nach Niederurnen gekommen sind, um auf ihren Erfolg anzustossen.

Der Verein hat in den letzten eineinhalb Jahren eine für das Glarnerland aussergewöhnliche Kampagne auf die Beine gestellt, um einen Windpark in Bilten zu verhindern. Ohne den Verein hätten der Glarner Regierungsrat und der Landrat den Windpark in Bilten wahrscheinlich nicht aus dem Richtplan gekippt. Die Diskussion wurde mit einer Wucht geführt, die man sonst aus Deutschland kennt. An der entscheidenden Landratssitzung rückte aus Angst vor Tumulten der Windparkgegner sogar die Polizei an.

«Wie an einer Oscarverleihung»

Doch dieser Abend ist kein Gelage nach einer siegreichen Schlacht. Den meisten der 70 anwesenden Windparkgegner ist einfach ein grosser Stein vom Herzen gefallen. Die Stimmung ist locker, draussen leg sich ein milder Frühlingsabend über die Niederurner Rebberge.

Vorstandsmitglied Katharina Imhof tritt mit einem breiten Lächeln vors Publikum. «Wir brauchten einen breiten Rücken», sagt sie. «Man dichtete uns an, wir seien vom rechten Rand, wir seien von der AfD, wir seien eine Sekte.» Die Leute lachen. «Dabei sind wir doch einfach Bürger, die sich Sorgen machen.»

Ganz vorbei sei die Sache noch nicht, mahnt Imhof. An der Gemeindeversammlung steht immer noch ein Antrag auf der Pendenzenliste, der den Windrädern den Garaus gemacht hätte: 700 Meter Mindestabstand von Windrädern zu Siedlungen. Der Verein selber kann den Antrag nicht zurückziehen. «Wenn es zur Abstimmung kommt, müssen wir alle gehen», sagt Imhof. «Das ist symbolisch sehr wichtig!» Dann kommt sie wieder zu Erfreulichem. Als sie sich bei allen Vorstandskollegen, Unterstützern und Leserbriefschreibern bedankt hat, sagt sie: «Ich komme mir vor wie an einer Oscarverleihung.»

«Unbeschreiblich glücklich»

Dann: Champagner! Prost! Klirr! Geplauder. Siegfried Hettegger, der den Verein einst ins Leben rief, mischt sich unter die Leute. «Ich bin unbeschreiblich glücklich», sagt er zu den «Glarner Nachrichten». «Zu Beginn habe ich nicht damit gerechnet, einmal hier zu stehen und zu feiern.» Als er sich erstmals gegen das Projekt engagieren wollte, habe er niemanden gefunden, der dagegen war.

Elias Meier, der Präsident von Freie Landschaft Schweiz, ist aus Grenchen angereist, um den Windparkgegnern zu gratulieren: «Zum ersten Mal in der Schweizer Geschichte hat ein Parlament den Unsinn von 200 Meter hohen Türmen erkannt», sagt er in einer kämpferischen Rede.

Der Jodelchor Niederurnen besingt die Schönheit der Heimat. Von Windrädern ist nicht die Rede. Das Publikum hört andächtig zu.

Eine dunkle Wolke am Horizont

Unter den Gästen sind die beiden Biltner Nicole Hefti und Stefan Volkart. «Wir sind froh und dankbar, dass der Kampf vorbei ist», sagt Hefti. Man könnte die beiden wohl zum Fussvolk des Vereins zählen: Sie besuchten alle Infoveranstaltungen und schrieben Leserbriefe. «Es ist schön, nochmals mit Gleichgesinnten anstossen zu können», sagen sie. «Jetzt hoffen wir, dass es nicht so bald wieder losgeht.»

Katharina Imhof hatte während ihrer Rede schon für ein Raunen im Raum gesorgt: Eine Studie im Auftrag des Kantons Schwyz hat kürzlich im benachbarten Teil der Linthebene «grosses Potenzial» für 14 Windräder geortet.

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