×

Ende des Hausärztemangels in Sicht? Mitnichten!

Eine Umfrage zeigt: Der Einsatz gegen den Hausärztemangel zeigt Wirkung. Von einer Entschärfung der Lage will der Verband «Junger Hausärzte Schweiz» dennoch nicht sprechen.

Bernhard
Aebersold
Montag, 29. April 2019, 04:30 Uhr Ein Lichtblick, aber ...
Praxisassistenzstellen als Schlüssel zum Erfolg? Viele Assistenten übernehmen später eine Arztpraxis.
ARCHIV

Hausärzte sind die Allrounder der Medizin. Knapp 95 Prozent aller Gesundheitsprobleme können von ihnen behandelt werden. In den letzten Jahren wurde der Ruf aus den Arztpraxen nach mehr Hausärzten immer lauter und die Suche nach einer geeigneten Nachfolgelösung gestaltete sich in manch einer Arztpraxis schwierig. Eine Beobachtung, die auch Franz Marty, Hausarzt in Chur, gemacht hat: «Es ist schwierig, geeignete Nachfolger zu finden, die auch hier bleiben wollen.» Ärzte, die auch im Alter von 70 Jahren noch Patienten behandeln, seien keine Seltenheit, ergänzt Marty gegenüber «suedostschweiz.ch».

Junger Hausärzteverband lässt aufhorchen

Ein Licht am Ende des Tunnels stellen die Zahlen des Verbandes «Junger Hausärzte Schweiz» (JHaS) dar. Der 2009 gegründete Verband bildet die Schnittstelle zwischen Studierenden, Ärzten in der Weiterbildung sowie Hausärzten.

Nach dem Studium durchlaufen Hausärzte auf ihrem Karriereweg eine mehrjährige Praxisassistenz. Diese Stellen werden in den meisten Kantonen vom Staat mitfinanziert, teilweise gar bis zu 100 Prozent. Die Umfrage des JHaS zeigt nun, dass gut 40 Prozent des hausärztlichen Nachwuchses später eine Praxis übernehmen, in der sie eine Praxisassistenzstelle angetreten sind. Für den Studienleiter Sven Streit ist das eine erfreuliche Entwicklung: «Diese meist kantonal finanzierten Programme wirken, denn sie sind für den Nachwuchs der Steigbügel in die Praxistätigkeit.» Wenig überraschend sieht er dort den Schlüssel zum Erfolg und fordert die Gesundheitsdepartemente in den Kantonsregierungen zur weiteren Schaffung solcher Praxisassistenzstellen auf.

Kein Stadt-Land-Graben

Die Stiftung zur Förderung der Weiterausbildung in Hausarztmedizin (WHM) weist für den Kanton Graubünden aktuell acht Assistenzstellen aus, die vom Kanton zu 100 Prozent finanziert werden. Ob das genug sind, ist für Studienleiter Sven Streit fraglich: «Andere Kantone verfügen über 21 Praxisassistenzstellen, wobei eigentlich 55 benötigt würden. Im angepassten Verhältnis dürfte dies womöglich auch auf den Kanton Graubünden zutreffen.»

Nichtsdestotrotz gibt die Nachricht der Studienautoren Hoffnung. Und auch ein weiterer Punkt lässt aufhorchen. Junge Hausärzte wollen gemäss Umfrage nicht nur in der Stadt oder in der Agglomeration arbeiten, wie das Klischee es oftmals besagt. Auch Stellen auf dem Land seien von Interesse. Der Nachwuchs verteile sich ausgewogen anhand der Wohnbevölkerung. Ein typischer Stadt-Land-Graben ist nicht auszumachen.

Mit dieser Entwicklung bleibt der Hausärztemangel aber nach wie vor akut. Wenn sich wie bisher rund 20 Prozent der Medizinstudenten für die Hausarztmedizin entscheiden, ist die Grundversorgung ab 2025 nur knapp zur Hälfte gesichert. Dass Ärzte wie Franz Marty in Chur rechtzeitig eine Nachfolge finden, bleibt deshalb unsicher.

Die den Zahlen zugrunde liegende Umfrage wurde Anfang 2019 vom Berner Institut für Hausarztmedizin im Auftrag des Vereins Junge Hausärztinnen und -ärzte Schweiz durchgeführt. Fast die Hälfte der mittlerweile über 1100 JHaS-Mitglieder hat sich nach eigenen Angaben daran beteiligt.

Kommentar schreiben

Kommentar senden