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Eine Benkner Bankerin zieht es nach Bundesbern

Sie setzt sich für die Gleichberechtigung von Frauen, sexuellen Minderheiten und für den öffentlichen Verkehr ein: Die 20-jährige Seraina Kamm will für die GLP einen Sitz im Nationalrat erobern und die Welt verändern – mit politischen Mitteln.

Dienstag, 23. April 2019, 08:38 Uhr Serie Nachwuchspolitiker
Auf dem Sprung: Sereina Kamm will Nationalrätin werden.
MANUELA MATT

Bereits als Mädchen träumte sie davon, Bundesrätin zu werden – oder wie viele andere Kinder Ärztin. Nun ist Seraina Kamm auf dem Sprung nach Bundesbern: Noch nicht als oberste Magistratin, aber immerhin als Nationalrätin. Denn die 20-jährige Bankerin aus Benken kandidiert auf der Nationalratsliste der Jungen GLP St. Gallen und will den Druck der Klimastreikenden und die Forderungen der Jugendlichen in Sachen Klimawandel in den Nationalrat tragen. «Politik ist megaspannend. Ich habe bereits in der Kindheit dank Gesprächen mit meinem Vater das Interesse für das Politische gefunden», erzählt Seraina Kamm.

Durch Sieg Trumps politisiert

Dass sie mit ihrer Art aus der oftmals «politisch desinteressierten» Jugend heraussticht, ist ihr nicht verborgen geblieben: «Dass die heutige Jugend eher unpolitisch ist, lässt sich nicht von der Hand weisen», konstatiert die Benknerin. Sie sei derweil einerseits durch das Elternhaus, andererseits durch den Wahlsieg von Barack Obama beziehungsweise von Donald Trump politisiert worden. Dementsprechend nennt sie auch Michelle Obama als ihr politisches Vorbild und ebenso Greta Thunberg.

«Keine Toleranz – in Benken ist es undenkbar, dass sich jemand outen würde.»

Sie erklärt sich das Desinteresse der Jugend an der Politik mit dem Umstand, dass viele junge Leute Angst hätten, sich zu exponieren und wegen ihrer Meinung angegriffen zu werden. «Jüngere haben auch oftmals für die Politik keine Zeit, da sie sich schon in Vereinen engagieren», stellt die 20-Jährige fest: «Trotzdem zählt jede Stimme, Selbstbestimmung ist wichtig. Schliesslich geht es um die Zukunft, in der wir alle einmal leben werden.» Es gelte, die Welt zu verändern, und dies funktioniere nun einmal nur mit politischen Mitteln.

Ein Rechtsrutsch am Obersee

Mit Sorge beobachtet Seraina Kamm die Tendenz zu einem überhandnehmenden Populismus in der Gesellschaft: «Vor allem auf dem Land ist ein Rechtsrutsch unübersehbar. Das ist im Linthgebiet nicht anders.» Jüngere, die progressiv seien, würden oftmals wegziehen: In Städte, wo eine liberalere, freiheitlich denkende Gesellschaft lebe.

Mit Politik in Benken hat Seraina Kamm noch keine Berührungspunkte: Sie sei dort, aufgrund ihrer Arbeitszeiten, auch noch nie an einer Bürgerversammlung gewesen. Für einen Sitz im Benkner Gemeinderat zu kandidieren, käme für sie nicht in Frage. «Ich interessiere mich eher für Politik auf der kantonalen und nationalen Ebene.» Was sie nicht davon abhält, auch in Benken mit offenen Augen durch das Dorf zu gehen: «Es gibt da zum Beispiel einen Bahnhof, an dem die Züge leider nur im Stundentakt halten.»

Seraina Kamm setzt sich denn auch für den öffentlichen Verkehr ein und fordert die Einführung eines Halbstundentakts bei der Bahn. Auf dass auch die Benkner weniger mit dem Auto und mehr mit dem Zug fahren – der Umwelt zuliebe.

In diesem Sinne engagiert sich die Benknerin auch für Velowege und für Zero-Waste-Läden, in denen die Produkte unverpackt eingekauft werden können und somit kein unnötiger Abfall entsteht. «Auch in der Schule sollte Ökologie zu einem Thema werden. Indem zum Beispiel Kochen mit biologischen, regionalen Zutaten auf den Lehrplan kommt und den Schülern beigebracht wird.

Schwule sind unerwünscht

Seraina Kamm setzt sich auch für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender ein. «In Benken ist es undenkbar, dass sich jemand outen würde», meint die Bankerin, die in Zürich arbeitet. Es habe einmal ein schwules Paar eine Beiz geführt in ihrem Heimatdorf. Doch dieses sei schnell wieder aus dem Linthgebiet verschwunden. «Es ist an der Zeit, dass auch auf dem Lande Toleranz herrscht im Umgang mit sexuellen Minderheiten.» Selbstredend findet es Seraina Kamm selbstverständlich, dass Frauen dieselben Rechte und denselben Lohn haben sollten wie die Männer.

Artikulieren ist eine Stärke von Seraina Kamm, und dies ist schon mal eine wesentliche Voraussetzung, um als Politikerin Karriere zu machen. Etwas Politisches posten auf Instagram oder Whatsapp, also eine Botschaft im Internet publizieren, das macht ihr Freude. Erst recht vor Leuten eine Rede zu halten, damit hat die junge Frau wenig Mühe. «Aber schliesslich geht es in der Politik und generell im Leben darum, dass man etwas macht und nicht nur davon redet.» Sprichts und macht sich auf den Zug in Richtung Benken.

Zur Person
Seraina Kamm ist am 2. August 1998 in Uznach geboren und in Benken aufgewachsen. Sie hat eine Banklehre absolviert und arbeitet als Assistentin Private Banking Ausland bei der St. Galler Kantonalbank in Zürich. Sie hat vor, Informatik zu studieren. Zu ihren Hobbies zählen Tanzen, ins Kino gehen und Lesen. Seraina Kamm lebt in Benken. 

Nachwuchs der Parteien auf dem Prüfstand
In einer losen Serie porträtiert die «Linth-Zeitung» Nachwuchspolitiker der sechs Parteien SVP, FDP, CVP, GLP, UGS und SP. Hintergrund ist die Frage, weshalb es den Ortsparteien oft schwer fällt, valable Nachwuchskandidaten für Exekutivämter zu finden. Im Zentrum der Gespräche stehen die Politik und die Zukunft der Stadt Rapperswil-Jona sowie des Linthgebiets. 

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