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Velobügel werden für einen guten Zweck versteigert

Ein paar der umstrittenen Velobügel in Glarus sollen wieder verschwinden. Sie werden heute versteigert, der Erlös kommt allen Velofahrern zugute. Der TCS kritisiert die Aktion.

Daniel
Fischli
Montag, 01. April 2019, 04:30 Uhr Nach heftigem Spott
Es wird alles gut: Die Velobügel sollen jetzt helfen, das Verhältnis zur Bevölkerung wieder zu kitten.
SASI SUBRAMANIAM

Vor einem halben Jahr sind in Glarus die ersten Velobügel aufgestellt worden, und seither sind die Metallröhren Gesprächsthema geblieben. Veränderungen im Strassenbild werden ganz offensichtlich nicht gerne gesehen, und so waren die Reaktionen meistens negativ: «So etwas Dummes habe ich noch nie gesehen», war dabei noch eine der freundlicheren.

Die Gemeinde will nun wieder etwas Goodwill in der Bevölkerung schaffen. Schon vor einem Monat ist bekannt gegeben worden, dass etliche der Velobügel wieder abmontiert werden. Nun ist auch klar, was mit ihnen geschehen soll: Sie werden heute den Meistbietenden versteigert. Der Erlös der Auktion geht an den Kanton, der das Geld für den Ausbau der Velowege nutzen kann.

Gemeinde zeigt sich sensibel

Gemeindepräsident Christian Marti erklärt, der Gemeinderat habe «den da und dort vielleicht spürbaren Unmut» der Bevölkerung über die Velobügel sehr deutlich wahrgenommen. «Die Rückmeldungen haben uns stark beschäftigt. Und zwar nicht nur auf politischer Stufe, sondern auch auf operativer», so Marti. Überrascht worden sei der Gemeinderat davon aber nicht. Wenn Veränderungen beim «so sensiblen Verkehrsthema» plötzlich so konkret würden, sei es voraussehbar gewesen, dass sich «ein Auge des Sturms» bilde, «und wir in diesem Auge des Sturms stehen werden». Aber: «Wir haben das ja schliesslich nicht getan, um irgendjemanden wütend zu machen.»

Der Gemeinderat hat sich deshalb gemeinsam mit dem Werber Frank Baumann Gedanken gemacht, wie das zerrüttete Verhältnis zur Bevölkerung wieder gekittet werden kann. Dabei ist die Idee mit der Auktion herausgekommen.

Mehr Sicherheit für Velofahrer

Durch das Abmontieren von einzelnen Velobügeln wird dem ruhenden Fahrradverkehr zwar etwas weggenommen. Dafür soll der rollende etwas bekommen. Da in der Kantonskasse ja bekanntlich seit Jahren tiefrote Ebbe herrscht, kommt der Ausbau des Velowegnetzes von hinten im Kanton in Linthal bis ganz vorne in Niederurnen, respektive Mühlehorn nicht voran. Mit dem Geld aus der Auktion soll dieses Loch gestopft werden.

Ein Bericht des Kompetenzzentrums Fuss- und Veloverkehr der Hochschule Rapperswil hat im Sommer 2017 eine ganze Reihe von Schwachstellen des Velowegnetzes aufgezeigt. An vielen Stellen sind die Velofahrer durch den Autoverkehr in ihrer Sicherheit beeinträchtigt. Der Bericht schlägt deshalb etwas das Aufmalen von separaten Abbiegestreifen für den Veloverkehr oder die Reduktion der Höchstgeschwindigkeit (für Autos) von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde vor.

Laut der Regierung können so teure Massnahmen nicht vom Kanton alleine finanziert werden. Baudirektor Kaspar Becker sagt: «Der Regierungsrat erachtet ein stärkeres Engagement bei der kantonalen Radroute für sinnvoll und zweckmässig. Er gibt jedoch zu bedenken, dass diesen Anstrengungen finanzielle und personelle Grenzen gesetzt sind.» Becker sagt, er sei deshalb sehr dankbar für den Zustupf aus der Auktion.

TCS sieht sich ausgebremst

Nicht zufrieden ist dagegen TCS-Präsident Hansjürg Rhyner. Die Versteigerung der Velobügel sei «jenseits von Gut und Böse», so Rhyner. Die Übung müsse abgebrochen werden. Dem TCS-Präsidenten stösst sauer auf, dass die Gemeinde damit seinen Plan zur Aufhebung des Verkehrsregimes durchkreuzt.

Rhyner und eine «IG Glarus vernünftig» sammeln bekanntlich Unterschriften für eine ausserordentliche Gemeindeversammlung (Ausgabe vom Samstag). Sie soll die verkehrsberuhigenden Massnahmen wieder rückgängig machen. Rhyner argwöhnt, dass ihm der Gemeinderat mit der Goodwill-Aktion den Wind aus den Segeln nehmen will.

Die Versteigerung findet heute um 13 Uhr, Ecke Gerichtshaus- und Zollhausstrasse (beim reformierten Pfarrhaus), in Glarus statt.

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