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Die Kesb Linth wird zum Zweckverband

Eine breitere Abstützung und mehr Mitsprachemöglichkeiten für die ­Gemeinden: Die Kesb Linth ändert die Organisationsform. Die zehn Gemeinden der Region Zürichsee-Linth wollen die Verantwortung neu gemeinsam tragen.

Magnus
Leibundgut
Donnerstag, 28. Februar 2019, 04:30 Uhr Rapperswil-Jona
Neue Lösung für die Kesb ab dem Jahr 2020: Im Linthgebiet sollen die zehn Gemeinden einen Zweckverband gründen.
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Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) erhält in der Region See-Gaster ab 2020 eine neue Trägerschaft. Die Kesb Linth soll künftig als Zweckverband organisiert sein. Damit könne sie ihre Aufgabe «breiter aufgestellt» erfüllen, schreibt die Region Zürichsee-Linth in einer Medienmitteilung.
Zu diesem Schluss kommt eine Arbeitsgruppe der Region, welche die Organisationsform der bisherigen Kesb Linth überprüft hat. «Mit der breiteren Abstützung kann auch eine gewisse Distanz zur Kesb geschaffen werden», sagt Marcel Benz, Mitglied dieser Arbeitsgruppe: Schliesslich hätten nicht zuletzt die Wirren rund um die Kesb-Geschichte in Rapperswil-Jona in den letzten Jahren den Ausschlag gegeben zur Gründung des Zweckverbands. Damit werde auch die Grundlage für eine positive Wahrnehmung geschaffen.

Drei Formen standen zur Auswahl

Heute ist die Kesb in den zehn politischen Gemeinden am Obersee noch im Sitzgemeindemodell organisiert und wird unter dem Namen «Kesb Linth» geführt. Die Aufgaben werden dabei an die Stadt Rapperswil-Jona übertragen. Eine 2016 durchgeführte Evaluation des Kindes- und Erwachsenenschutzes im Kanton St. Gallen hat ergeben, dass ein solches Sitzgemeindemodell im Grundsatz gut funktioniert, «aber auch Nachteile und Schwächen» aufweise.

«Mit der breiteren Abstützung kann eine gewisse Distanz zur Kesb geschaffen werden.»

Marcel Benz, Projektgruppe Kesb


So liege die organisatorische und politische Verantwortung alleine bei der Stadt Rapperswil-Jona, obwohl über die Hälfte der Fälle aus den angeschlossenen Gemeinden stamme, teilt der Verein mit: «Die Vertragsgemeinden tragen dieselben finanziellen Lasten, sind von der Mitsprache aber weitgehend ausgeschlossen.» Gerade bei Themen mit hoher öffentlicher Aufmerksamkeit sei dies nicht zweckmässig. «Ausserdem besteht das Risiko, dass wichtige Entscheide zu wenig breit abgestützt sind», schreibt der Verband.
Roland Manhart, Stadtrat in Rapperswil-Jona, begrüsst die neue Trägerschaft: «Das Sitzgemeindemodell war nicht die idealste Lösung.» Die Stadt Rapperswil-Jona sei zu stark im Fokus gestanden. Die neue Lösung werde zu einer «politisch besseren Verträglichkeit» führen, meint Manhart.
Im Vergleich zum heutigen Sitzgemeindemodell könne jede Mitgliedsgemeinde einen Delegierten bestellen, der über die Jahresrechnung und das Budget Beschluss fasst und auch die Behördenmitglieder inklusive Präsidium wählt. «Zudem kann jede Gemeinde Kandidaten für den Verwaltungsrat des neuen Zweckverbands vorschlagen», lässt sich der Verein verlauten.

Uznach wird Sitz des Verbands

Als Sitz des Zweckverbands ist Uznach vorgesehen – dies im Sinne des Regionalplans, der Uznach als Regionalzentrum für Einrichtungen für Gesundheit und Justiz vorsieht. Das derzeitige Zentrum der Kesb in Rapperswil-Jona soll vorläufig in den bisherigen Räumlichkeiten weitergeführt werden, bis sich in Uznach eine Lösung abzeichnet.

«Falls eine Gemeinde die neue Form ablehnt, müsste diese selber eine Kesb aufbauen.»

Peter Göldi, Region Zürichsee-Linth


Die Kompetenz für die Gründung des Zweckverbands liegt bei den Bürgerversammlungen der Trägergemeinden. Diese entscheiden zwischen April und Juni über diese Vorlage. «Falls alle Gemeinden den neuen Zweckverband ablehnen, bleibt es bei der bisherigen Trägerschaft mit dem Sitzgemeindemodell», sagt Peter Göldi, Geschäftsführer der Region Zürichsee-Linth: Falls eine einzelne Gemeinde die neue Organisationsform ablehnt, müsse diese Gemeinde letztlich selber eine Kesb aufbauen. Wegen der vom Bund geforderten Professionalität dürfte ein Alleingang hohe Kosten auslösen. «Wegen der recht hohen Schwelle für eine einzelne Gemeinde wollen die Behörden die Aufgabe gemeinsam lösen», sagt Göldi.

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