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Nach Gräberschändung besucht Macron jüdischen Friedhof im Elsass

Nach der Schändung von Gräbern auf einem jüdischen Friedhof im Elsass hat Staatschef Emmanuel Macron ein entschlossenes Vorgehen gegen den Antisemitismus zugesagt. In mehreren Städten Frankreichs nahmen am Abend Tausende an Kundgebungen gegen Antisemitismus teil.

Agentur
sda
Dienstag, 19. Februar 2019, 22:34 Uhr Strassburg

«Wir werden Massnahmen ergreifen, wir werden Gesetze entscheiden, und wir werden bestrafen», sagte Macron am Dienstag bei einem kurzfristig angesetzten Besuch in Quatzenheim, nordwestlich von Strassburg.

Nach Angaben der Präfektur wurden in dem Ort um die 80 Gräber geschändet. Die französische Nachrichtenagentur AFP sprach von sogar 96 Gräbern. Auf TV-Bildern waren farbige Hakenkreuze auf Grabmälern zu sehen. Die Hintergründe der Tat blieben zunächst offen. Präfekt Jean-Luc Marx sprach von einer «abscheulichen antisemitischen Tat».

«Wilde Antisemiten»

Auch aus Israel kam Protest. Regierungschef Benjamin Netanjahu nannte die Schändung der Gräber durch «wilde Antisemiten» schockierend. Er rief die Spitzenpolitiker Frankreichs und Europas in einer Mitteilung dazu auf, entschlossen gegen Antisemitismus vorzugehen.

Der israelische Einwanderungsminister Joav Gallant erklärte, die Schändung von Gräbern auf dem jüdischen Friedhof in Frankreich erinnere an dunkle Tage in der Geschichte des jüdischen Volkes. «Ich verurteilte aufs Schärfste den Antisemitismus in Frankreich und rufe die Juden auf: Kommt nach Hause, emigriert nach Israel.»

Am Abend demonstrierten in Paris und in anderen Landesregionen Tausende Menschen gegen Antisemitismus. In Paris versammelten sich die Demonstranten auf der Place de la République. «Nein zur Banalisierung des Hasses» oder «Es reicht» stand auf ihren Plakaten.

An der Kundgebung, zu der 18 Parteien gemeinsam aufgerufen hatten, nahmen auch Premierminister Edouard Philippe sowie mehr als die Hälfte der Kabinettsmitglieder teil.

Der ehemalige französische Präsident Francois Hollande sagte bei seiner Ankunft auf der Place de la République, der Antisemitismus sei eine Geissel, ein Angriff auf die Republik. Dabei handele es sich nicht um eine Angelegenheit der Juden, sondern um eine Angelegenheit des ganzen Landes.

Macron begab sich am Abend mit den Präsidenten der Nationalversammlung und des Senats, Richard Ferrand und Gérard Larcher, zur Schoah-Erinnerungsstätte in der Hauptstadt.

Debatte über Antisemitismus

In Frankreich läuft zur Zeit eine breite Debatte über Antisemitismus. Die Zahl der Vorfälle gegen Jüdinnen und Juden war im vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen. Erst am Wochenende war der Schriftsteller und Philosoph Alain Finkielkraut am Rande einer «Gelbwesten»-Demonstration in Paris beschimpft worden.

In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass es in Frankreich im vergangenen Jahr 541 antisemitische Vorfälle gab - fast drei Viertel (74 Prozent) mehr als noch im Jahr zuvor. Die Zahlen lösten Empörung aus. Innenminister Christophe Castaner sprach davon, dass sich der Antisemitismus «wie ein Gift» ausbreite.

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