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Fälle mit Legionärskrankheit haben rasant zugenommen

In der Schweiz hat die Zahl der Fälle der Legionärskrankheit 2018 erneut rasant zugenommen. Da die Ursachen sehr unterschiedlich sind und oft auch im Dunkeln bleiben, erweist sich die Bekämpfung als sehr schwierig.

Agentur
sda
Donnerstag, 10. Januar 2019, 09:00 Uhr Bern
Die Legionärskrankheit führt zu einer schweren Lungenentzündung, die meist eine Hospitalisierung erfordert. In fünf bis 15 Prozent der Fälle stirbt der Patient trotz einer Antibiotikabehandlung. (Symbolbild)
Die Legionärskrankheit führt zu einer schweren Lungenentzündung, die meist eine Hospitalisierung erfordert. In fünf bis 15 Prozent der Fälle stirbt der Patient trotz einer Antibiotikabehandlung. (Symbolbild)
KEYSTONE/GAETAN BALLY

Im vergangenen Jahr sind in der Schweiz 567 Legionellosefälle, wie die Legionärskrankheit auch bezeichnet wird, gemeldet worden, wie aus den aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) hervorgeht. Im Vorjahr waren es 490 Fälle gewesen, 2016 sogar erst 365 Fälle.

«Es handelt sich erneut um einen massiven Anstieg», sagt Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten im BAG, der Agentur Keystone-SDA. Bereits im vergangenen Sommer haben das BAG und das für Massnahmen zuständige Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) ihre Empfehlungen zur Legionärskrankheit aufgearbeitet.

Nach wie vor ist keine Hauptursache bekannt. «Wir wissen, wie die Krankheit entsteht, aber meist handelt es sich um Einzelfälle, deren Ursache im Nachgang schwierig zu eruieren ist», wie Koch weiter erklärt.

Zu den wichtigsten Infektionsquellen gehörten in der jüngeren Vergangenheit Duschen, Zerstäuber, Whirlpools, lüftungstechnische Anlagen und Kühltürme. In den letzten Jahren wurden auch in Komposterden Legionellen gefunden.

Ansteckung erfolgt beim Einatmen

Die Ansteckung erfolgt durch die Inhalation eines Aerosols von bakterienhaltigem Wasser, das heisst durch Einatmen einer Mischung von Luft und winzigen legionellenhaltigen Wasserpartikeln. Im Verdauungstrakt dagegen gelten Legionellen als harmlos.

Die Folgen nach einer Inkubationszeit von in der Regel zwei bis zehn Tagen können im Einzelfall verheerend sein. Die Krankheit äussert sich vor allem als Lungenentzündung unterschiedlichen Schweregrads und kann in fünf bis 15 Prozent trotz Antibiotikabehandlung zum Tod führen.

Zuerst treten Allgemeinsymptome wie Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und Appetitverlust auf. Auch Husten mit teilweise blutigem Auswurf sind möglich, manchmal begleitet von atemabhängigen Brustschmerzen und Atemnot. In einem Viertel bis zur Hälfte der Fälle kommt es zudem zu wässrigem Durchfall. Weniger Oft sind Verwirrtheit als Zeichen einer schweren Hirnentzündung oder eine Niereninsuffizienz, die eine Dialyse nötig machen.

Die Triade «Lungenentzündung, Durchfall, Verwirrtheit» sollte deshalb beim Arzt zur Suche nach Legionellen führen, vor allem wenn es sich um Risikopatientinnen und Patienten handelt. Dazu gehören ältere, immungeschwächte oder hospitalisierte Menschen.

Wasser als Infektionsquelle

Als Infektionsquellen kommen prinzipiell wasserführende Anlagen in Frage, bei welchen es zu einer Aerosolbildung kommt. Ein Grossteil der Verantwortung liegt deshalb bei Betreibern von Anlagen, bei welchen eine Übertragung von Legionellen via Tröpfchen möglich ist, wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) auf Anfrage mitteilte. Dabei handelt es sich etwa um Sprudelbäder, Duschanlagen, Wasserdampf abgebende Rückkühlwerke von Klimaanlagen, Wasseranlagen in Spitälern und anderes.

Sanitäre spielen auch eine wichtige Rolle, damit in Hausinstallationen eine Legionellen-Vermehrung vermieden werden kann. Beim Ausgang am Boiler sollte eine Warmwassertemperatur von 60 Grad vorherrschen, am Wasserhahn sollten es noch 50 Grad sein.

Da sich die Legionellen meist im Wasser befinden, wird auch dort mit den Massnahmen und Empfehlungen angesetzt. Im Bereich des Trinkwassers gibt es die Verordnung über Trinkwasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen (TBDV), die im Mai 2017 in Kraft getreten ist.

Die Vollzugsbehörden, also die kantonalen Laboratorien, können demnach laut BLV Anlagen, die mehr als 1000 Legionellen pro Liter nachweisen, beanstanden. Für Sanierungsmassnahmen gibt es eine Übergangsfrist von zehn Jahren. In Sprudel- und Dampfbädern ist die Zahl der Legionellen pro Liter sogar auf 100 beschränkt.

Werden Entnahmestellen wie Duschen oder andere aerosolbildende Armaturen länger als eine Woche lang nicht benutzt, sollten sie vor einem erneuten Einsatz gespült werden, wie aus den Empfehlungen weiter hervorgeht.

Ein aktueller Fall zeigt das Problem: Seit Mitte November war in Riehen BS eine Schwimmhalle wegen Legionellenbefall geschlossen worden. Grund für den Befall war der unregelmässige Gebrauch der einzelnen Duschen im Gebäude. Inzwischen sind bei den Duschköpfen zusätzliche Filter eingebaut worden.

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