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Verlegerpräsident Supino fordert 120 Millionen Franken indirekte Presseförderung

Verlegerpräsident Pietro Supino fordert eine Vervierfachung der bisherigen indirekten Presseförderung. An der Dreikönigstagung des Verlegerverbands rechtfertigte er 120 Millionen Franken pro Jahr mit den steigenden Vertriebskosten pro gedruckte Zeitungsausgabe.

Agentur
sda
Mittwoch, 09. Januar 2019, 13:19 Uhr Zürich
Auch grössere Zeitungstitel sollen seiner Vorstellung nach von der indirekten Presseförderung profitieren: Verlegerpräsident Pietro Supino. Heute liegt die Obergrenze bei einer Auflage von 40'000 Exemplaren.
Auch grössere Zeitungstitel sollen seiner Vorstellung nach von der indirekten Presseförderung profitieren: Verlegerpräsident Pietro Supino. Heute liegt die Obergrenze bei einer Auflage von 40'000 Exemplaren.
KEYSTONE/GAETAN BALLY

Trotz aller Dynamik und Faszination für die Digitalisierung blieben gedruckte Medien «die wichtigste Informationsquelle für die demokratische Meinungsbildung», sagte der Tamedia-Verwaltungsratspräsident an der Tagung vom Mittwoch in Zürich.

Aufgrund der rückläufigen Volumen stiegen jedoch die Vertriebskosten pro Exemplar überproportional, was die Wirtschaftlichkeit des wichtigsten Medienangebots gefährde. Es sei deshalb «wichtig, dass die indirekte Presseförderung für Zeitungen von heute jährlich 30 auf 120 Millionen Franken ausgebaut wird».

Der Post wirft Supino vor, sie habe aufgrund ihrer Monopolstellung und «intransparenter Preisgestaltung» bereits in der Ausgangslage zu hohe Kosten verrechnet. «Sie überwälzt damit die Finanzierung ihres Grundversorgungsauftrags auf die Verleger und letztlich die Zeitungsabonnenten.»

Weil alle Zeitungen unter den steigenden Vertriebskosten litten und der Druck im Werbemarkt die grossen besonders stark treffe, sollte die indirekte Presseförderung gemäss Supinos Vorstellung künftig alle Zeitungen und die Frühzustellung umfassen.

Heute entscheidet das Bundesamt für Kommunikation darüber, welche Titel förderungswürdig sind. Hauptkriterium ist die Auflage: mindestens 1000 und maximal 40'000 Exemplare. Zudem muss der redaktionelle Anteil mindestens 50 Prozent betragen.

Blütezeit für Investigatives

Mit dem Verschwinden einzelner Titel, mit Stellenabbau, Fusionen und Joint Ventures war 2018 ein bewegtes Jahr in der Medienbranche. Als Präsident des Verbands Schweizer Medien (VSM) attestiert Pietro Supino der Branche jedoch eine gute Reaktion auf den zunehmenden Druck.

Zum einen sei konsequent in die Weiterentwicklung und Digitalisierung investiert worden. So hätten etwa zahlreiche Berufsleute das Programmieren und den Umgang mit Datenbanken erlernt. Noch stehe man aber «am Anfang einer spannenden Lernkurve». Der Verband wolle insbesondere in dieser Transformationsphase eine hilfreiche Plattform für seine Mitglieder sein - vom Austausch unter Kollegen und mit Fachleuten bis zu Anlässen wie der Dreikönigstagung.

Zum anderen würden die bewährten Kompetenzen der Medienbranche trotz aller Herausforderungen und entgegen aller Befürchtungen gepflegt. Der investigative Journalismus erlebe eine Blütezeit, und das «Longform Storytelling» profitiere von neuen multimedialen Möglichkeiten.

Fällt der Begriff «Storytelling», darf 2019 der Verweis auf Spiegel-Reporter Claas Relotius nicht fehlen. Relotius, sagte Supino, habe «uns anschaulich in Erinnerung gerufen, dass Storytelling ein ambivalenter Begriff ist».

Die grundlegenden Qualitätsmerkmale des professionellen journalistischen Handwerks seien Fehlerfreiheit, Wahrheit im Sinne der Vollständigkeit, Transparenz insbesondere in Bezug auf die eigenen Interessen sowie Fairness gegenüber Personen und Institutionen, über welche berichtet wird

Hoffnungen auf Login-Allianz

Wie etliche andere Redner auch, sprach Supino die Login-Allianz an, die im vergangenen September am Swiss Media Forum vorgestellt worden war und die für Supino an einem «existenziellen Punkt» ansetzt.

Vorgesehen ist, dass die Verlage und die SRG ein gemeinsames Login auf den Web-Portalen einrichten. Wer eine Plattform besucht, soll sich mit Vor- und Nachname, Wohnort und weiteren Angaben anmelden.

Eine Registrierung sei bei den marktmächtigen globalen Plattformen üblich, sagte Supino. Nun gehe es darum, «diesen Standard auch für die Schweizer Medienbranche zu etablieren, um konkurrenzfähig zu bleiben».

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Bin dagegen, dass man hier vom Bund Geld spendet. Wenn ich sehe, wie z.B. die "Südostschweiz" Leserbriefe veröffentlicht, die weitab von Anstand sind, ja sogar von bösartigen Verleumdungen geprägt, dann soll das nicht noch durch den Steuerzahler berappt werden. Wir haben eine freie Marktwirtschaft. Die Verlagshäuser sollen sich danach ausrichten.