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Handyantenne in der Stadt löst «seelisches Unbehagen» aus

In Rapperswil-Jona geht der Kampf gegen Mobilfunkanlagen weiter. Gegen den Bau einer Handyantenne sind zwei Einsprachen eingegangen. Sie verstosse gegen den Ortsbildschutz und löse «seelisches Unbehagen» aus.

Freitag, 28. Dezember 2018, 04:30 Uhr Rapperswil-Jona
Bereits stehen die Visiere. Auf dem Dach des Gebäudes an der Belsitostrasse 4 in Kempraten will Salt eine Handyantenne bauen.
BILD MARKUS TIMO RÜEGG

Gegen den Neubau einer Mobilfunk-Antennenanlage von Salt Mobile SA an der Belsitostrasse 4 sind zwei Einsprachen eingegangen, sagte Thomas Furrer, Bauchef in Rapperswil-Jona. Die Einsprecher führen «ideelle Immissionen» ins Feld: Diese beziehen sich auf ein «seelisches Unbehagen» bei betroffenen Bewohnern, wenn in der Nachbarschaft plötzlich eine Handyantenne betrieben wird.
«Geltend gemacht wird von den Einsprechern aber vor allem auch der Ortsbildschutz rund um die Villa Belsito, der durch die Mobilfunkanlage tangiert werde», sagte Furrer. Damit einher gehe auch eine befürchtete Wertminderung der Gebäude rund um die Handyantenne.

Strahlengefahr in Kindergärten

Eine untergeordnete Rolle in den Argumenten der Einsprecher habe demgegenüber der Strahlenschutz gespielt: Einsprachen mit diesem Argument hat die Bau- und Umweltkommission der Stadt Rapperswil-Jona in den letzten Jahren einhellig abgewiesen.
Just dieses Faktum, dass die Baukommission den Strahlenschutz nicht als ausreichenden Grund einschätzt, Einsprachen gegen Handyantennen gutzuheissen, stösst bei der Ortsgruppe Summ (Sinnvoller Umgang mit Mobilfunk Rapperswil-Jona) auf Unverständnis. «Gerade bei diesem neuen Projekt zeigt sich, wie problematisch der Bau einer Handyantenne sein kann», sagt Patrizia Landgraf von Summ. Schliesslich liege das Haus, auf dem die Antenne erstellt werden soll, in unmittelbarer Nähe zum Kindergarten Täli

«Messungen sind Roulette-Spiel»

«Kinder haben dünnere Knochen und eine empfindsamere Haut als Erwachsene und sind deswegen einem grösseren Gesundheitsrisiko ausgesetzt, wenn Antennen strahlen», ist Landgraf überzeugt. Die Ortsgruppe Summ setzt sich denn auch für den Schutz vor hochfrequenter Strahlung in Kinderkrippen und Kindergärten ein. «In anderen Ländern ist sogar WLAN im Umkreis von Kindergärten verboten», stellt Landgraf fest.  
Zudem seien auch Bewohnerinnen und Bewohner von umliegenden Häusern im Umkreis des Gebäudes an der Belsitostrasse von der Strahlengefahr betroffen. «Kontrollmessungen bei der Handyantenne an der Aubrigstrasse haben ergeben, dass über fünfzig Prozent der Werte den Grenzwert überschritten haben», sagt Landgraf. Dies sei dem Umstand geschuldet, dass neuerdings der Grenzwert aus einem 24-Stunden-Durchschnitt berechnet werde statt dem gemessenen Spitzenwert entsprechend. «Strahlenmessungen sind ein Roulette-Spiel, weil es sich oftmals um Zufallswerte handelt», konstatiert Patrizia Landgraf.

«Explodierender Datenkonsum»

«Unseres Erachtens verstösst das Bauprojekt nicht gegen den Ortsbildschutz», schreibt Viola Lebel von Salt.  Die Entscheidung zu diesem Thema liege nun bei der Stadt. Durch den exponentiell wachsenden Datenkonsum via Mobilfunk, vor allem auch durch den TV- und Videokonsum, sei der Bedarf an Antennenanlagen für eine gute Abdeckung gestiegen und werde weiter steigen.
«Das Smartphone hat den Anspruch an den Handyempfang grundlegend verändert», teilt Salt mit. «Während für Anrufe eine etwas weiter entfernte Antenne auch heute oft noch ausreichend ist, verlangt der aktuell explodierende Datenkonsum via Mobilfunk nach ortsnahen Sendeanlagen.» Demgemäss sei die Antenne an der Belsitostrasse für Salt wichtig, um das Netz in dieser Gegend für ihre Kunden zu verbessern.

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