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Die Stadt will eine halbe Million mehr in die Sonderpädagogik investieren

Im Rahmen einer Budgeterhöhung will der Stadtrat Schüler mit besonderen Bedürfnissen vermehrt in die Regelklasse integrieren. Die Unterstützungsmassnahmen sollen maximal 500 000 Franken mehr als bisher kosten.

Eva
Pfirter
Mittwoch, 05. Dezember 2018, 06:23 Uhr Rapperswil-Jona
In der Primarschule Dorf in Jona könnten schon bald mehr Heilpädagogen den Unterricht begleiten.
EVA PFIRTER

Wie weit können Kinder mit besonderen Bedürfnissen in den schulischen Regelbetrieb integriert werden? Diese Frage ist landesweit aktuell und treibt derzeit auch den Stadtrat von Rapperswil-Jona um. Auf das kommende Jahr möchte der Stadtrat deutlich mehr Geld in die Sonderpädagogik investieren. Konkret soll der Betrag um eine halbe Million auf 1,1 Millionen Franken erhöht werden. Die Aufstockung ist Teil der allgemeinen Erhöhung des Personalbudgets der Stadt für das kommende Jahr. Dieses soll insgesamt um 2,6 Millionen steigen. Über das Budget wird am Mittwoch an der Bürgerversammlung abgestimmt.

Mit der Aufstockung führt die Schule Rapperswil-Jona einen Paradigmenwechsel weiter, den vor fünf Jahren eingeleitet hat. Wo früher deutlich mehr Schüler die Sonderschule besuchten, werden sie heute wenn immer möglich in die Regelklasse integriert. 2008 besuchten noch 86 Schüler die Sonderschule, 2018 waren es nur noch 40. Auf der anderen Seite nahmen die in die Regelklasse integrierten Schüler zu, und zwar von 16 im Jahr 2014 auf 46 im Jahr 2018. Diese Verschiebung entspricht der Strategie des Kantons, welche Schulpräsident Thomas Rüegg wie folgt umschreibt: «Soviel Separation wie nötig, so viel Integration wie möglich.»


Integration mit Unterstützung


Rapperswil-Jona hat für in die Regelklasse integrierte Schüler einen eigenen Begriff kreiert: Setting im Einzelfall (SIE). Das bedeutet konkret: Die Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen werden von einer zusätzlichen Person innerhalb der Regelklasse betreut – und zwar entweder von einer sogenannten Assistenzperson oder einem schulischen Heilpädagogen. Bei manchen Kindern kommt auch eine zweite Lehrperson zum Einsatz. «Team-Teaching» nennt sich diese Form des Unterrichts, in der sich zwei Lehrer die Aufgabe teilen.

Mit der Aufstockung des Budgets  sollen mehr Pensen für solche Lösungen möglich werden, erklärt Rüegg. «Zum heutigen Zeitpunkt wissen wir nicht ganz genau, wie viele Kinder die Unterstützung in Anspruch nehmen werden.» Deshalb ist auch noch unklar, auf welcher Stufe wie viel Geld eingesetzt werden soll. «Wir schauen erst einmal, welche Klassen welche Art von Unterstützung benötigen.» Es sei auch denkbar, dass weniger Mittel gebraucht werden als die einkalkulierten 500 000 Franken.


Schulleiterin begrüsst den Schritt


Judith Stocker, Schulleiterin der Primarschule Weiden und Mitglied der Schulleitungskonferenz, begrüsst die vorgesehene Ressourcenerhöhung der Stadt. «Es ist wichtig, dass wir genug früh erkennen, wenn eine zusätzliche Unterstützung nötig ist.» Das Setting im Einzelfall fördere diese Früherkennung. Zudem ermögliche dieses System, dass die Schule verstärkt auf die Einzelbedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen könne. «Manch einem Kind reicht es, wenn eine Assistenzperson neben ihm sitzt und ihm etwas beispielsweise ein zweites Mal erklärt.» Insgesamt würde die Schule sehr gute Erfahrungen mit der Integration in die Regelklasse machen.

Fest steht lediglich, dass der grösste Teil der Mittel der Primarschule zugutekommen soll. Kindergarten und Oberstufe werden mit einem kleineren Budget bedacht werden. Ersterem komme aufgrund der Vorbereitung auf die Einschulung eine grosse Wichtigkeit zu, erklärt Rüegg. «Es ist wichtig, bereits auf dieser Stufe einen allfälligen Förderbedarf zu erkennen.»

Dass die Stadt mehr Geld in die Integration von Schülern in die Regelklasse investieren will, bedeutet nicht, dass diese effektiv teurer wird. Während bei der Sonderbeschulung der Kanton für die Defizit-Deckung zuständig ist, trägt bei der Integration in die Regelklasse die Stadt die Kosten. Insofern handelt es sich lediglich um eine Verlagerung der Kosten. «Unser Ziel ist es, mehr Schüler in die Regelklasse integrieren können», resümiert Rüegg. 

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