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«Skandalöser Abbruch» eines Baudenkmals

Oberhalb von Vals steht das historische «Hansjörisch Hus». Es ist eines der vermutlich letzten authentisch erhaltenen barocken Doppelhäuser. Nun hat die Gemeinde Vals den Abriss des historischen Objekts bewilligt – noch bevor die Frist des Kantons abgelaufen ist. Skandalös, findet Ludmila Seifert vom Bündner Heimatschutz.

Südostschweiz
Freitag, 30. November 2018, 19:57 Uhr Bündner Heimatschutz verlangt Baustopp

Am oberen Rand des Weilers Leis ob Vals steht ein historisches Gebäude, das bei der Valser Bevölkerung als «Oberhus» oder «Hansjörisch Hus» bekannt ist, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Es handle sich um ein Bauernhaus, das vermutlich im frühen 18. Jahrhundert zum damals üblichen Doppelhaus erweitert worden sei und ausserordentlich viel seiner barocken Substanz ins 21. Jahrhundert habe retten können.

In Sorge um den Verlust eines überregional bedeutenden Baudenkmals sei der Bündner Heimatschutz im September 2018 an die Regierung des Kantons mit der Bitte gelangt, Massnahmen für eine Unterschutzstellung des Gebäudes einzuleiten. Der Kanton habe in der Folge das Verfahren für eine allfällige vorsorgliche Unterschutzstellung des «Jörihus» aufgenommen. Gemeinde und Eigentümer hätten vom Kanton die Möglichkeit zur Einreichung einer schriftlichen Stellungnahme bekommen. Ihrem Gesuch um Erstreckung der Vernehmlassungsfrist bis 30.November sei der Kanton entgegengekommen.

Zum Abriss freigegeben

Gemäss Mitteilung hat der Gemeinderat von Vals anlässlich seiner Sitzung am vergangenen Montag (26. November) das Baugesuch, das einen Abbruch des «Hansjörisch Hus» impliziert, bewilligt. So habe der Gemeinderat die gegen das Projekt eingegangenen Einsprachen abgelehnt. Der Entscheid sei dem Eigentümer am Dienstag zugestellt worden. Bereits am Mittwoch habe dieser in Leis die Bagger auffahren und das historische Gebäude demolieren lassen.  «Dass die Gemeinde die Abbruchbewilligung erteilt hat, noch bevor die Frist des Kantons abgelaufen ist, ist Skandalös», so Ludmila Seifert vom Bündner Heimatschutz.

Die Gemeinde Vals wollte zu diesem Thema keine Stellung nehmen.

Kanton wurde übergangen

Mit diesem Vorgehen sei das Unterschutzstellungverfahren des Kantons kalt unterlaufen worden, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Zudem sei den zur Beschwerde legitimierten Einsprechern die Möglichkeit genommen worden, eine aufschiebende Wirkung für die erteilte Baubewilligung zu erwirken. Mutwillig und während eines laufenden Verfahrens habe man hier ein Baudenkmal zerstört, heisst es weiter. Gemäss Mitteilung erwägt der Bündner Heimatschutz, gegen dieses skandalöse Vorgehen strafrechtliche Schritte einzuleiten.

Im Hinblick auf eine allfällige Anordnung zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands dürfe der Baugrund nicht verändert und auch das Baumaterial nicht abtransportiert werden. In diesem Sinne habe der Bündner Heimatschutz den Kanton ersucht, in Leis einen unverzüglichen Baustopp zu erwirken.

«Wir überlegen uns jetzt rechtliche Schritte. Ob es zu einer Strafanzeige kommen wird, wird zurzeit sorgfältig abgeklärt», so Ludmila Seifert vom Bündner Heimatschutz weiter.

Abbruchgesuch bereits 2017 eingereicht

Bereits im Januar 2017 habe der Eigentümer des leerstehenden Hauses bei der Gemeinde Vals ein Gesuch um Abbruch des wertvollen Bauwerks eingereicht, um an dessen Stelle einen Neubau errichten zu können. Im April 2018 sei das Baugesuch zurückgezogen worden – nur um im Juni 2018 in leicht modifizierter Form neu aufgelegt zu werden. Wie auf das erste, habe der Bündner Heimatschutz auch auf das zweite Baugesuch mit einer kritischen Stellungnahme reagiert.

Moniert worden sei einerseits die ortsuntypische Gestalt des Ersatzneubaus als steinernes Gebäude inmitten eines von Holzbauten geprägten wertvollen Ensembles, vor allem aber der drohende Verlust des historischen Gebäudes selbst, bei dem es sich zweifellos um das eindrücklichste historische Haus auf Leis handle, heisst es in der Mitteilung. Geradezu beispielhaft zeige dieses Gebäude auf, wie man früher mit sehr beschränkten Mitteln mit einer äusserst schwierigen Topographie umzugehen verstand.

Gemäss Mitteilung stecken im Kern der Anlage ältere Teile, die möglicherweise in die Zeit des Übergangs vom Spätmittelalter in die Neuzeit zurückreichen. Das Haus habe einen hohen Seltenheitswert: Es gebe im ganzen Lugnez kaum mehr unberührte Häuser dieser Art. Da es 1450 m ü.M. liege sei es ein wichtiger Zeuge der frühen dauerhaften Besiedelung des Tales auf dieser Höhe. Der Hof Leis sei 1537 erstmals erwähnt worden. Möglicherweise stammen die ältesten Teile des «Oberhus» aus dieser Zeit, wie es weiter heisst.

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Klare Ansagen von Zweien, die den Zeitgeist mitverantworten, dass man Alles, was der Nonkonformität, nämlich aus Allem schnell ein Gewinn zu machen ohne auf gewachsene Strukturen, wie z.B. historische Bauten, schützenswerte Landschaften ignorieren und sich noch brüsten "Giachen und Gian" Mentalität zu zeigen....sind einfache Ignoranten.

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