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Die Uni St. Gallen bekommt einen zweiten Standort

Der Kantonsrat stimmt einem zweiten Uni-Campus mitten im Zentrum von St. Gallen zu. Damit soll die Platznot entschärft werden – ein weiteres Wachstum der Universität ist nicht geplant.

Linth-Zeitung
27.11.18 - 11:00 Uhr
Politik
Kantonsratspräsidentin Imelda Stadler (FDP, Lütisburg) führt durch die Debatte über den zweiten Uni-Campus – im Vordergrund hört ihr Kommissionspräsident Peter Boppart (CVP, Andwil) zu.
Kantonsratspräsidentin Imelda Stadler (FDP, Lütisburg) führt durch die Debatte über den zweiten Uni-Campus – im Vordergrund hört ihr Kommissionspräsident Peter Boppart (CVP, Andwil) zu.
REGINA KÜHNE

von Sina Bühler

Die Universität St. Gallen (HSG) braucht mehr Platz: Die heutigen Räumlichkeiten am Rosenberg fassen gerade mal 5000 Studierende. An der Uni immatrikuliert sind aber rund 8500 Studenten. Bisher überbrückte die Universität diesen Mangel «mit Provisorien und einer stetigen Übernutzung», wie die Regierung es zusammenfasst.

Die Lösung heisst «Campus Platztor» und wird ab 2027 mitten in der Stadt Platz für rund 3000 Studierende bieten. Das Areal am Unteren Graben ist eine der letzten grossen bebaubaren Flächen in St. Gallen und soll künftig neben der Lehre und auch Forschung beherbergen. Gleichzeitig soll die Bibliothek am Rosenberg durch den Kanton erneuert werden. Und die HSG-Stiftung wird daneben ein Learning Center bauen, mit 3500 Quadratmetern Lern- und Arbeitsplätzen.

«Selbst im Ausland kennt man St. Gallen – neben der Stiftsbibliothek auch wegen der HSG.»
Arno Noger, Kantonsrat FDP, St. Gallen

Laut Kommissionspräsident Peter Boppart (CVP, Andwil) kostet der neue Campus 207 Millionen Franken. Das Projekt sieht vor, dass 160 Millionen Franken vom Kanton beigesteuert werden, 25 Millionen vom Bund und 20 Millionen von der Universität selber. Die Stadt St. Gallen beteiligt sich mit dem Grundstück, das einen Wert von zwei Millionen Franken hat.

Ausnahmslos überzeugt

Die Fraktionen zeigten sich vom Projekt ausnahmslos überzeugt. «Das Raumangebot der Universität soll auf wenige Liegenschaften konzentriert sein», meinte beispielsweise Kurt Alter (SVP, St. Gallen). Das vorliegende Projekt erfülle nicht nur diese Anforderung, es stärke auch die Universität, den Kanton und die ganze Ostschweiz. Ruedi Blumer (SP, Gossau) freute sich, dass die zentrale Lage die Bindung der Stadt an die Universität verbessern werde. «Uns ist jetzt wichtig, dass sich die HSG aus den verschiedenen Räumlichkeiten in Rotmonten zurückzieht», meinte er allerdings.

Die FDP lobte den guten Ruf und das gute Ranking der St. Galler Universität. Selbst im Ausland kenne man St. Gallen – neben der Stiftungsbibliothek sei dies wegen der HSG, erklärte Arno Noger (FDP, St. Gallen). Es sei darum klar, dass den Bedürfnissen der Universität Sorge zu tragen sei. Auch Christoph Bärlocher (CVP, Eggersriet) nannte die Universität «ein Aushängeschild von Kanton und Stadt».

Zu Beginn habe sich die Regierung vor allem zwei Fragen stellen müssen, erklärte Baudirektor Marc Mächler den Hintergrund des vorliegenden Entwurfs. Einerseits die Frage, auf welche Kapazität man die Universität erweitern wolle – denn es könne gut sein, dass das Ziel von insgesamt 8000 bis 9000 Studienplätzen bei der Fertigstellung des Campus übertroffen werde. Die Zahl der Studierenden sei zwar stetig gestiegen: «Doch die Regierung will in St. Gallen keine Massenuniversität», erklärte Mächler den massvollen Ausbau, der nur die aktuelle Zahl der Immatrikulierten abdecke.

Die andere Frage war laut Mächler diejenige nach einem neuen Standort: «Würde am Rosenberg weitergebaut, so wären die Reserven für die zukünftigen Generationen verbraucht», sagte er. Ein Standort im Zentrum sei hingegen eine städtebauliche Chance.

Skandale geben zu reden

Die Skandale im Zusammenhang mit Spesen und Nebenbeschäftigungen von Professoren, welche die Uni in den vergangenen Monaten geliefert hatte, spielten für den aktuellen Kantonsratsbeschluss zwar keine Rolle, wurden aber von mehreren Seiten erwähnt. «Die unschönen Berichte über die Uni müssen transparent aufgearbeitet werden», meinte etwa Kommissionspräsident Boppart. Ruedi Blumer mahnte zur Eile bei der Aufklärung. «Was in den letzten Monaten an Verfehlungen durch mehrere Professoren bekannt geworden ist, schadet der Reputation der HSG.» Dies müsste bis zur Abstimmung transparent geklärt sein.

Ein Antrag von SP/Grünen, die Verbindung zwischen den beiden Standorten barrierefrei auszubauen, wurde von einer grossen Mehrheit des Kantonsrats abgelehnt. Wird die Vorlage auch in der zweiten Lesung angenommen, wird das Volk im Frühsommer über den Campus abstimmen. Stimmt es zu, soll der Neubau bis 2027 stehen.

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