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Bus nach Sool soll bleiben, nicht aber jener in die Heime

Bus nach Sool soll bleiben, nicht aber jener in die Heime

Der Kanton zeigt sich in der ÖV-Diskussion bereit für einen Kompromiss. Zustimmen muss nun der Landrat. Gefordert wären auch die Gemeinden, von denen aber nicht alle bereit sind, mehr zu zahlen.

Fridolin
Rast
15.08.18 - 04:30 Uhr
Politik
Die Buslinie nach Sool verschwindet nicht.
SASI SUBRAMANIAM

Der Regierungsrat hat im Herbst 2017 einen Bericht über den öffentlichen Verkehr vorgelegt, die sogenannte Wirkungsanalyse. Weil die Frequenzen zu tief seien, wollte er Linien streichen, unter anderem nach Sool und zu den Altersheimen in Glarus. Das akzeptierte der Landrat in der Beratung im Januar 2018 nicht, er wies den Beschluss der Regierung zurück und verlangte, die Gemeinden einzubeziehen und Alternativen zu prüfen.

«Das Grundproblem von mangelnder Auslastung und Effizienz besteht bei einzelnen Linien auch mit den neuen Vorschlägen.»

Nun berichtet der Regierungsrat im neusten Bulletin über diese Prüfung und macht dem Landrat einen überarbeiteten Vorschlag. Beschliessen muss oder darf der Landrat.

Die Gemeinden, die sich in der ersten Runde übergangen sahen, haben mit dem Kanton zusammen beraten. Etwa habe man gewisse Schultransporte mit den Linienbussen zusammengelegt. Man habe sich aber mit der Gemeinde Glarus nicht über die Linien zu den Altersheimen Pfrundhaus, Salem und Bühli einigen können, heisst es im Bulletin. Streitpunkt: Die Gemeinden wollen nichts an die zusätzlichen Kosten bezahlen.

Zu Altersheim und Äugstenbahn künftig nur per Taxi

Auch das überarbeitete Busnetz bringt Streichungen an den Rändern. Und es bringt einen Ausbau auf der Hauptlinie Näfels-Mollis–Glarus. Weil sie sehr gut benutzt werde, fährt sie nach Vorschlag des Regierungsrates künftig auch am Sonntag und erschliesst Riedern und das Kantonsspital jeden Tag. Laut Bulletin ändert sich:

  • Der Bus Glarus Bahnhof–Riedern–Näfels–Mollis Bahnhof fährt künftig auch am Sonntag. Die Standardbusse der Linie 501 fahren aber nur noch bis Bahnhof Glarus und werden dort gewendet. Damit könnten die Bahn- und Busanschlüsse wieder pünktlich garantiert werden, so das Bulletin.
  • Die Abschnitte Glarus Bahnhof–Ennenda Seilbahn und Glarus Bahnhof–Glarus Pfrundhaus sollen eingestellt werden. Sie mit einem Kleinbus vom Pfrundhaus via Bahnhof Glarus bis zur Äugsten-Seilbahn zu ersetzen, erscheint dem Regierungsrat zu teuer. Autonom fahrende Busse dagegen seien noch nicht praxisreif, sagt Christof Kamm, Leiter Tiefbau beim Kanton.

Nur noch Stundentakt im Kleintal

In Glarus Süd kann die Gemeinde sparen, weil Schülertransporte auf den Linienbus gelegt werden. Es ändert sich:

  • Der Fahrplan Schwanden–Elm wird systematisiert, alle Kurse fahren nach gleichen Taktzeiten – auf die S6 abgestimmt – und bedienen alle Haltestellen. Zusatzkurse gibt es von Montag bis Freitag nur noch in den Hauptverkehrszeiten, tagsüber nur noch in der touristischen Wintersaison.
  • Der Abschnitt Elm Sportbahnen–Steinibach (Linie 541) wird noch mit maximal fünf Kurspaaren von Montag bis Samstag bedient. So will der Regierungsrat sparen.
  • Der Abschnitt zwischen Schwändi Post und Lassigen der Linie 542 (Schwanden–Schwändi) wird ebenfalls mit maximal fünf Kurspaaren von Montag bis Samstag bedient. Schülertransporte werden künftig mit Linienbussen gemacht.
  • Die Linie 543 zwischen Schwanden Bahnhof und Sool Schulhaus wird nicht aufgegeben. Sie werde so bedient wie bisher und dazu an Schultagen bis Mitlödi verlängert. Laut Kamm aber nur zum Schulhaus. Die Verlängerung zum Bahnhof hätte aber ein zweites Fahrzeug gebraucht und viel mehr gekostet. Die Frequenzen werden laut Bulletin auf die Bedürfnisse der Schule ausgerichtet. Das erhöhe die Auslastung, es stiegen aber auch die Kosten für den Kanton, während die Gemeinde für die Schülertransporte weniger bezahlen müsse.

Die Kosten bleiben im Rahmen

Der Regierungsrat hat bereits die Offerten für den weiteren Betrieb eingeholt und rechnet nun mit Mehrkosten von 66 650 Franken pro Jahr gegenüber der ersten Vorlage. Das sprengt den Kredit von knapp 7 Millionen noch nicht, den die Landsgemeinde 2012 bewilligt hat. Es kosten den Kanton im Einzelnen:

  • der Sonntagsbetrieb Glarus–Riedern–Näfels 40 000 Franken mehr;
  • der weitere Betrieb Schwanden–Sool samt Verlängerung nach Mitlödi 135 550 Franken mehr;
  • der weitere Betrieb von Elm nach Steinibach 38 900 Franken mehr;
  • die Streichung von Zusatz-Bussen im Sernftal 137 800 Franken weniger;
  • die Reduktion nach Lassigen 10 000 Franken weniger.

Die Gemeinden wollen laut Regierungsrat keine Mehrkosten tragen. Sie verweisen darauf, dass die betroffenen Linien in der Landsgemeindevorlage 2012 genannt und damit voll durch Kanton und Bund zu finanzieren seien. Was aber darüber hinausgeht, lehnt der Regierungsrat ab, Linien auszubauen oder einzuführen. Weshalb ohne Gemeindebeteiligung die Glarner Altersheimlinie keine Chance habe. Die landrätliche ÖV-Kommission befürworte aber diese Linie, so der Regierungsrat im Bulletin. Nun sei es am Landrat, die Schlüsse aus der überarbeiteten Vorlage und aus der von ihm bestellten Analyse zu ziehen. Der Regierungsrat will die Buslinien dann in vier Jahren erneut überprüfen.

«Der Landrat kann Linien als beitragsberechtigt anerkennen. Dafür muss sich aber die Gemeinde hälftig beteiligen.»

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