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Studie: Rund fünf Tonnen Kokain pro Jahr im Schweizer Handel

Rund fünf Tonnen Kokain kommen in der Schweiz schätzungsweise pro Jahr in den Handel. Die Zahl ist eine Schätzung auf der Basis einer für den Kanton Waadt gemachten Studie.

Agentur
sda
Donnerstag, 12. Juli 2018, 06:00 Uhr Lausanne
In Kolumbien von der Polizei beschlagnahmtes Kokain. (Archivbild)
In Kolumbien von der Polizei beschlagnahmtes Kokain. (Archivbild)
KEYSTONE/AP/FERNANDO VERGARA

In der Waadt, dem bevölkerungsmässig drittgrössten Kanton, gelangten gemäss der am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung geschätzte 416 bis 500 Kilogramm Kokain in den Handel. Rund neun Prozent dieses Stoffs stammten aus Beschlagnahmungen durch die Polizei, der Rest wurde konsumiert.

Millionengewinne in der Waadt

Die Waadtländer Dealer machen mit dem Stoff Millionengewinne. Im Kanton beträgt der Umsatz zwischen 47 und 57 Millionen Franken im Jahr, bei einem Gewinn von bis zu 39 Millionen Franken. Nach dem Cannabismarkt ist der Kokainmarkt der wichtigste Schweizer Drogenmarkt, wie die Studienautoren schreiben.

Die Zahlen wurden mit zwei verschiedenen Methoden erhoben. Die eine beruht laut Angaben von Sucht Schweiz auf Abwasseranalysen, die andere auf der Anzahl von Konsumentinnen und Konsumenten.

Die grosse Mehrheit der Kokainkonsumenten sind gut in die Gesellschaft integriert und greifen und weniger als ein Mal in der Woche zum weissen Pulver. Sie verbrauchen nur einen kleinen Teil der verkauften Mengen.

Der Löwenanteil der Droge - rund 80 Prozent des Konsums - entfällt auf 20 Prozent der Konsumenten, die regelmässig Kokain zu sich nehmen. Unter ihnen sind sowohl gut Integrierte als auch wenig Integrierte. Diese letzteren konsumieren gleichzeitig Heroin oder haben dies einmal getan.

In der Waadt gedealtes Kokain stammt aus Südamerika und gelangt meist über Spanien und die Niederlande in die Schweiz. Transportiert wird es oft in kleinen Mengen, unter anderem in so genannten Zylindern oder «Fingern», die die Kuriere verschlucken. Oder die Drogen werden in Gepäckstücken oder Fahrzeugen versteckt.

Nigerianische Händler

Die in der Waadt aktiven Händler stammen hauptsächlich aus Nigeria sowie aus anderen westafrikanischen Staaten. Diese Menschen seien ohne Zukunftsperspektive in der Heimat und fänden relativ einfach Zugang zum Markt, schreibt Sucht Schweiz. Neueinsteiger könnten zunächst mit einer gewissen Solidarität der Kollegen rechnen.

Verkauft wird Kokain auf der Strasse, in privaten Räumen, unter Freunden oder über das Internet. Wer kauft, setzt sich einer Lotterie aus: Denn der Reinheitsgrad schwankt von Portion zu Portion, und zum Strecken des Stoffs werden unterschiedliche Substanzen verwendet.

Untersucht wurden in der Studie auch Ecstasy und Methamphetamine. Mit dem vor allem auf Partys konsumierte Ecstasy werden in der Waadt jährlich 3,7 bis 5,1 Millionen Franken umgesetzt. Beim unter anderem in Form von Crystal Meth oder Thaipillen gehandelten Methamphetamin sind es geschätzte 2,3 bis 3,7 Millionen Franken.

Ein Nischenmarkt

Es sei eher ein Nischenmarkt, schreiben die Autoren der Studie dazu. Gewinne aus Methamphetamin-Verkäufen würden wahrscheinlich - wie beim Heroin - zu einem bedeutenden Teil in den Konsum investiert. Der Stoff sei nicht so leicht zu bekommen wie Kokain oder Ecstasy. Wer ihn wolle, sei im Allgemeinen auf Kontakte angewiesen.

Die Studie wurde von Sucht Schweiz, dem Institut für Kriminologie der Uni Lausanne und dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin des Universitätsspitals Lausanne durchgeführt. Vor einem Jahr veröffentlichten die drei Stellen eine Studie zu Heroin. Als nächstes steht eine Studie zum Cannabismarkt auf der Agenda.

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