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Im Joner Bänkli-Gate gerät der Bauchef in die Kritik

Eine abmontierte Sitzbank im Joner Busskirch sorgt für Stunk. Für die Stadt sind die Bedingungen, welche die Grundstückbesitzer für eine Verlängerung des Pachtvertrags stellen, untragbar. Die Gegenseite kritisiert, der Bauchef verhindere unsinnigerweise einen schönen neuen Badeplatz, der noch dazu fast gratis wäre.

Daniel
Graf
Donnerstag, 12. Juli 2018, 10:00 Uhr Verlängerung des Pachtvertrags
Nachdenklich: Aramis Navarro sitzt dort, wo seine Kunst bald Ersatz für die Sitzbank schaffen soll.
DANIEL GRAF

Im Joner Busskirch, da, wo Aramis Navarro am Boden sitzt, stand bis vor Kurzem eine Sitzbank. Diese verschwand, als die Stadt und die Eigentümer des Landes sich nicht einig wurden über die Verlängerung des Pachtvertrags. Das Problem: Die Grundstückbesitzer forderten, dass ein Teil des Weges, welcher an ihrem Haus vorbei zur Sitzbank führt, für die Öffentlichkeit gesperrt wird. Um zur Bank zu gelangen, hätten die Badegäste danach einen Umweg um die Kirche und durch den nahegelegenen Park nehmen müssen (siehe Karte). Das passte der Stadt nicht, der Vertrag wurde nicht verlängert und die Bank abmontiert (Ausgabe vom 29. Juni).

«Verstehe die Stadt nicht»

Wie Navarro, der die Besitzerfamilie gut kennt, sagt, war das aber nie deren Absicht: «Es stimmt, dass es ihnen lieber wäre, wenn die Leute einen anderen Weg nehmen würden. Denn auf dem Stück vor ihrem Haus bleibt häufig Abfall liegen und die Leute werfen ihre Velos achtlos in die Hecke.» Dass die Stadt die Bank und den Abfalleimer abmontieren lässt, sei aber nie im Sinne der Grundstückbesitzer gewesen: «Sie machen viel für die Bevölkerung dieser Stadt und wollten bestimmt nicht, dass die Bank wegkommt», ist Navarro sich sicher.

Im Gegenteil: «Die Besitzer haben sogar angeboten, 150 Quadratmeter ihres Landes in eine öffentliche Liegewiese umzuwandeln und so den Badeplatz aufzuwerten.» Für den Kunstschaffenden aus Rapperswil-Jona ist unverständlich, weshalb die Stadt auf dieses Angebot schon früher nicht eingetreten ist. «Bereits vor einem Jahr kam die Familie mit dem Vorschlag auf die Stadt zu. Doch er wurde nicht einmal ernsthaft diskutiert.»

Die Antwort von Bauchef Thomas Furrer ist einfach. «Wir haben intern die Vor- und Nachteile abgewogen und sind zum Schluss gekommen, dass der heutige Zustand wenn immer möglich beibehalten werden sollte.» Eine Liegewiese sei nicht einfach gratis, auch nicht, wenn man das Land kostenlos nutzen kann: «Unsere Werkdienstressourcen sind knapp und gerade im Sommer ist der Aufwand für den Unterhalt beträchtlich.» Dazu komme: «Die Busskirchstrasse, der direkte Zugang zum Steg, soll in einen Privatweg umgewandelt werden, der Weg würde vom Parkplatz aus doppelt so lang. Das wollen wir nicht, auch nicht, wenn wir eine öffentliche Liegewiese in unsere Obhut erhielten», sagt Furrer.

Grössere WC-Anlagen nötig?

Ausserdem habe man vor einem Jahr «ein grosses Fragezeichen» gemacht, weil man die Haltung der Kirche nicht gekannt habe. «Wir konnten uns nicht vorstellen, dass die Katholische Kirche an einer öffentlichen Liegewiese vor der Kirche Busskirch Freude hätte», sagt Furrer.

Ein kurzes Treffen mit Karl Gehler, Präsident des Kirchenverwaltungsrats, zeigt, dass das wohl nicht das Problem gewesen wäre: «Wenn ein paar Leute mehr den Weg und den Platz benutzen, haben wir damit kein Problem. Einzig die WC-Anlagen müssten allenfalls etwas vergrössert werden.»

Wie es weitergeht, ist offen. Eine Einigung und damit eine vergrösserte Liegewiese für Badegäste scheint zurzeit in weiter Ferne. Immerhin: Sitzen kann man bald wieder. Navarro wurde von der Besitzerfamilie beauftragt, eine kunstvolle Bank zu gestalten, um die verschwundene rote Sitzbank zu ersetzen. Noch steht sie nicht, aber den Namen seines Kunstwerks verrät Navarro bereits: «Bankdrücken!»

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