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Die Betonpreise in Zernez gaben schon 2006 zu reden

Mit seiner Aussage, alt Nationalrat Andrea Hämmerle habe von den Baumauscheleien im Engadin gewusst, hat Linard Bardill einen Sturm der Entrüstung entfacht. Ein E-Mail wirft allerdings Fragen auf.

Olivier
Berger
Mittwoch, 23. Mai 2018, 06:04 Uhr Baumauscheleien im Engadin
Für die SP und ihren alt Nationalrat Andrea Hämmerle ist klar: Die Aussagen, welche Linard Bardill in einem Interview mit der «Südostschweiz am Wochenende» zu ihrer Mitwisserschaft beim Bauskandal gemacht hat, sind unzutreffend.
MARCO HARTMANN

Für die SP und ihren alt Nationalrat Andrea Hämmerle ist klar: Die Aussagen, welche der parteilose Regierungsratskandidat Linard Bardill in einem Interview mit der «Südostschweiz am Wochenende» zu ihrer Mitwisserschaft beim Bauskandal gemacht hat, sind unzutreffend. Es treffe nicht zu, dass er an Verhandlungen über die Preise für den Bau des Nationalparkzentrums in Zernez teilgenommen habe, betonte Hämmerle gestern.

Bardill hatte im Interview angedeutet, Hämmerle hätte als Präsident der Nationalparkkommission schon früh über die Preisabsprachen informiert sein müssen (Ausgabe vom Samstag). Im Zusammenhang mit dem Nationalparkzentrum sprach er von einer «skandalösen Vergabe des Bauauftrags». Bardill differenzierte seine Aussagen gestern. Dass er neben Hämmerle auch die SP als Ganzes in seine Kritik mit eingeschlossen habe, sei «im Eifer des Gefechts» geschehen, sagte er.

«Ein ungutes Gefühl»

Tatsächlich scheint es bei der Vergabe der Bauarbeiten für das im Jahr 2008 eröffnete Nationalparkzentrum aber zumindest zu Diskussionen gekommen zu sein. Das belegt ein E-Mail, welches der «Südostschweiz» vorliegt. In dem Papier geht es um die Preise für die Betonarbeiten an dem Zentrum. Demnach wollte zumindest eine der in die Bauvergabe involvierten Personen ein Rechtsgutachten zu diesen Preisen einholen.

Valerio Olgiati, Architekt des Nationalparkzentrums, bestätigte gestern die Echtheit des E-Mails. Es sei auch zutreffend, dass die Preisgestaltung des Betonlieferanten zu Spekulationen Anlass gegeben habe. «Verschiedene am Bau beteiligte Personen hatten ein ungutes Gefühl», sagte Olgiati auf Anfrage. Weiter wollte sich der Architekt zum Thema allerdings nicht äussern.

Kein Gutachten eingeholt

Eingeholt wurde das Gutachten eines Baujuristen letztlich nicht, wie aus dem E-Mail weiter hervorgeht. Dies auch, weil eine solche Expertise – unabhängig vom Ausgang – zu einer nochmaligen Ausschreibung der Baumeisterarbeiten geführt hätte, wie es im E-Mail heisst. Stattdessen wurde erneut mit den beteiligten Lieferanten verhandelt – offenbar mit Erfolg.

Pikant ist: Vor dem Entscheid, kein Rechtsgutachten einholen zu lassen, hatte sich der Präsident der zuständigen Baukommission offenbar beim Nationalparkpräsidenten Hämmerle nach dem weiteren Vorgehen erkundigt; dieser habe sich daraufhin gegen das Gutachten ausgesprochen.

Auf Anfrage erklärte Hämmerle, bei den Diskussionen sei es lediglich um die Preise für den hochklassigen Beton gegangen. Man habe mit dem Lieferanten daraufhin eine Lösung gefunden. «Wir haben für die Lieferungen insgesamt nicht zu viel bezahlt», betonte Hämmerle.

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