Die Kandidaten bringen Ostereier
Die vier neuen Regierungsratskandidaten haben sich am Dienstag in Tiefencastel ein Stelldichein gegeben. Das Publikum kam in Scharen.
Die vier neuen Regierungsratskandidaten haben sich am Dienstag in Tiefencastel ein Stelldichein gegeben. Das Publikum kam in Scharen.
Trotz des Dauerbrenners Digitalisierung und obwohl die Regierungsratskandidaten mit ihren Websites und auf Social Media omnipräsent sind: Die echte, persönliche Begegnung mit den vier neuen Regierungsratskandidaten Peter Peyer (SP), Walter Schlegel (SVP), Marcus Caduff (CVP) und Andreas Felix (BDP) wollten sich die Mittelbündner nicht entgehen lassen. Etwa hundert Personen strömten darum am Dienstagabend ins Hotel «Albula» in Tiefencastel. Zur Diskussion über die Zukunft der Randregionen geladen hatte ein überparteiliches Organisationskomitee.
Rhetorisches Geschütz
Alle vier Kandidaten waren sich einig darin, dass sich der Kanton für den Erhalt der Wasserzinsen auf mindestens heutigem Niveau einsetzen sollte. So führte Schlegel aus: «Für den Stausee Marmorera haben die Leute Land hergegeben. Das Dorf wurde in die Luft gesprengt.» Der Preis dafür sei der Wasserzins gewesen. Man könne 70 Jahre später nicht einfach die Spielregeln ändern und die Wasserzinsen streichen.
Auch Caduff gab sich kämpferisch: «Die Wasserkraft gratis zur Verfügung stellen: Das dürfen wir nie zulassen.» Ins gleiche Horn blies Felix: «Der Kolonialisierung der Alpenkantone durch das Mittelland müssen wir ganz entschieden entgegentreten.» Es gelte nun einfach, eine momentane Durststrecke zu überstehen. Hart bleiben beim Wasserzins will auch Peyer. Die SP setze sich dafür ein, dass der Sockelbeitrag des Wasserzinses bei 110 Franken bleibe, sagte er. «Das ist unsere Position, und die werden wir auch verteidigen.»
Regionale Zentren und Ruftaxis
Wie die Abwanderung stoppen, wie die Region auch wirtschaftlich stärken? Dies waren Themen, welche die Menschen im Saal merklich berührten. Caduff riet: «Man sollte die regionalen Zentren stärken. Und es braucht zwingend die Initiativen der Menschen vor Ort. Die Politik kann keine Arbeitsplätze schaffen, aber entsprechende Rahmenbedingungen setzen, damit Unternehmer ihre Projekte umsetzen können.» Peyer betonte, dass die Digitalisierung als systemrelevante Infrastruktur Potenzial für Randregionen habe.
Nach einer Debatte, die eher allgemein gehalten war, forderte das Publikum konkrete Antworten. So fragte eine Frau aus Filisur die Kandidaten, was sie zur staatlichen Förderung des ÖV sagen würden, ein für die Bewohner von Tiefencastel zentrales Anliegen, wo der letzte Bus nach Chur um 21.17 Uhr fährt. Keiner der vier Kandidaten hatte etwas gegen eine gute Anbindung an die Zentren. «Es ist nicht Aufgabe des Staates, fernab von jeglichen Bedürfnissen eine hohe Kadenz beim ÖV zu garantieren», meinte aber Felix. Es müsse wirtschaftlich sein. Ruftaxis könnten in schwach frequentierten Gegenden eine Lösung bieten.
Schneesportzentrum zu Ostern
Die ehemalige Redaktionsleiterin der «Novitats», Monika Werder, fragte die Kandidaten nach Ostergeschenken für die Region: Schlegel wollte dem Publikum ein Schneesportzentrum geben, Peyer, dass Mittelbünden Vorreiter im Kulturtourismus werden solle. Caduff verschenkte einen zahlungskräftigen Investor, Felix eine gute Entgeltung für die Wasserkraft. Aron Moser, der Gemeindepräsident aus Vaz/Obervaz, meinte: «Ich gebe Ihnen folgendes Versprechen: Werden Sie gewählt, werde ich Sie mindestens einmal im Monat an Ihre Worte erinnern.»
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