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Der «neue Hundeparasit» ist kaum nachweisbar

In den vergangenen vier Jahren wurden 75 Verdachtsfälle auf den «neuen Hundeparasit» gemeldet. Dies geht aus einer Antwort der Regierung hervor.

Südostschweiz
20.03.18 - 08:58 Uhr
Politik
Neospora caninum, der «neue Hundeparasit», befällt vor allem Hunde und Rinder.
Neospora caninum, der «neue Hundeparasit», befällt vor allem Hunde und Rinder.
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Er ist klein und gemein, verursacht Fehlgeburten und stellt eine tödliche Bedrohung für Hunde und Rinder dar. Sein Name: Neospora caninum.

Der «neue Hundeparasit», so die sinngemässe Übersetzung, wurde erstmals in den 80er Jahren im Gehirn eines Hundes entdeckt. Wenige Jahre später fanden Forscher denselben Erreger auch bei Rindern. Seitdem führen Wissenschaftler zwischen 20 und 40 Prozent aller unklaren Fehlgeburten bei Kühen auf das Treiben von Neospora caninum zurück.

In der Gemeinde Disentis wurden in den letzten Jahren bei mehreren Bauern überdurchschnittliche Rind-Aborte festgestellt. Diese Rind-Aborte könnten unter Umständen die Existenz einzelner Bauernfamilien bedrohen. CVP-Grossrats Stellvertreter Clemens Berther forderte in der Dezember-Session zusammen mit einer Gruppe von Grossräten den Kanton Graubünden und die Gemeinden dazu auf, über diese Problematik zu informieren.

75 Verdachtsfälle in den letzten vier Jahren

In der Beantwortung erklärt nun die Regierung, dass in den letzten vier Jahren in Graubünden 75 Fälle mit Verdacht auf eine Neosporose-Infektion untersucht worden seien. Und nur bei einem Prozent der Aborte wurde der Parasit Neospora caninum festgestellt. Regionale Unterschiede betreffend der Verteilung der Abortfälle, auch der Neosporose-Fälle, konnten nicht festgestellt werden.

Ausserdem gebe es keine Hinweise darüber, dass Bauernhöfe mit Hunden eine höhere Abortrate aufweisen gegenüber Bauernhöfen ohne Hunde. Tatsache sei, dass während der Weidesaison wohl praktisch alle Rinder einmal direkt oder indirekt Kontakt zu Hunden hätten. Auch bei Herdenschutzhunden sei die Neospora-Problematik nicht verstärkt aufgetreten.

Möglichkeiten zur Bekämpfung

Gemäss der Regierung gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Infektionszyklus zu unterbrechen:

• Landwirte sollten Nachgeburten sofort korrekt entsorgen, nicht im Freien deponieren und vor allem nicht dem Hofhund verfüttern oder sie von ihm fressen lassen.

• Ausserdem sollten Hundehalter jeglichen Hundekot von den Weiden entfernen und korrekt entsorgen.

Der Kanton wie auch der Bund würden ausserdem versuchen, über Informationsmassnahmen Landwirte und Hundehalter zu sensibilisieren. Daneben könnten die Gemeinden mit einer guten Infrastruktur an Hundekot-Entsorgungssystemen und insbesondere auch mit gezielten Informationskampagnen einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung der Hundehalter und damit zur Unterbrechung des Infektionszyklus leisten, wie es in der Beantwortung weiter heisst.

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