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«Leserbriefe von Bürgern können wir nicht steuern»

BDP-Präsident Karl Mächler verbittet sich den Vorwurf, seine Partei stecke hinter einer Schmutzkampagne gegen SP-Regierungsratskandidat Christian Büttiker. Die erschienenen Leserbriefe seien zudem «im Rahmen».

Ueli
Weber
Mittwoch, 07. März 2018, 04:30 Uhr Schmutzkampagne
«Nicht von uns»: BDP-Präsident Karl Mächler nimmt Stellung zur Schmutzkampagne gegen SP-Kandidat Christian Büttiker.
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Herr Mächler, SP-Präsident Jacques Marti wirft der BDP vor, sie stecke hinter einer «Schmutzkampagne» gegen Regierungsratskandidat Christian Büttiker. Hatten Sie etwas mit den gemeinten Leserbriefen zu tun?

Eine Schmutzkampagne gegen Christian Büttiker, inszeniert von der BDP, dementieren wir mit aller Deutlichkeit. Leserbriefe von unzufriedenen Bürgern können wir nicht steuern.

Marti stützt seine Vermutung darauf, dass die BDP schon in früheren Wahlkämpfen auf den Mann gespielt habe.

Ich sagte an zwei Parteiversammlungen vor diesem Wahlkampf: Ich will einen sauberen Wahlkampf. Daran haben sich unsere Mitglieder gehalten.

Wieso, glauben Sie, kommt Marti darauf, dass die BDP hinter der Leserbriefkampagne steckt?

Ich kann mir das nicht erklären. Ich frage mich, ob das ein Versuch ist, seiner Basis das Resultat zu erklären.

Die BDP hatte keinen Kontakt mit den Leserbriefschreibern?

Nein.

Tatsächlich erleben wir jetzt also eine Schmutzkampagne gegen die BDP?

Ich will mich gar nicht gross dazu äussern. Wir hatten einen Regierungsratswahlkampf, der auf unserer Seite fair verlief, wie ich nochmals betonen will. Unser Kandidat hat gewonnen, damit ist die Sache für uns abgeschlossen.

Kaspar Becker sagte, Sie hätten während des Wahlkampfes Material angeboten bekommen, das Büttiker hätte schaden können. Sie hätten das aber bewusst nicht weiterverfolgt.

Sowohl Kaspar Becker als auch ich haben Anrufe erhalten, wonach es angeblich verbindliche Zahlen gebe, dass die Kosten der Überdachung des Eisfeldes Glarus massiv über dem genehmigten Kredit lägen.

Christian Büttiker setzte sich als Gemeinderat von Glarus stark für die Überdachung ein.

Wir gingen nicht darauf ein. Wir baten sie im Gegenteil, damit nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, da es zurzeit keine offiziellen Zahlen gibt.

Sie haben also gebremst?

Wir haben wirklich Leute gebremst, die darüber schreiben wollten.

Wie viel Kritik muss ein Regierungsratskandidat aushalten?

Wer sich einem Regierungsratswahlkampf stellt, muss damit rechnen, dass er an seiner bisherigen Arbeit gemessen wird. Ich habe die Leserbriefe verfolgt. Jene, die erschienen, waren im Rahmen, fand ich. Wer später im Amt ist, wird in der Kritik stehen. Damit muss man umgehen können.

Kaspar Becker blieb während des Wahlkampfes von Attacken verschont.

Er hat schlicht keine Angriffsfläche geboten. Er verhielt sich korrekt. Nur einmal habe ich «Banker» mit einem gewissen Unterton gelesen.

Die BDP verteidigte ihren Regierungsratssitz souverän. Hoffen Sie als Parteipräsident, dass Ihre Partei das Baudepartement behalten kann?

Ich weiss ja, wie es läuft. Kaspar Becker wird als letzter Regierungsrat ein Departement auslesen. Ich weiss nicht, ob einer der anderen vier Regierungsmitglieder das Departement wechseln will. Deshalb will ich nicht spekulieren.

Wünschen darf man sich trotzdem etwas.

Kaspar Becker ist ein Zahlenmensch. Aber ich gehe davon aus, dass Rolf Widmer in seinem Departement bleiben wird. Daher gibts da keine grosse Diskussion zu führen.

Marti nannte den Regierungsrat eine Wohlfühloase. Wie schätzen Sie Kaspar Becker ein: Macht er eine Wasserbombe in den Pool, oder macht er es sich auf dem Liegestuhl bequem?

Ich kenne ihn seit vielen Jahren. Er vertritt seine Meinung. Was ich aber an der Glarner Regierung schätze: Nachdem sie entschieden haben, stehen sie zu fünft dahinter. Nur weil ein Gremium nach aussen geschlossen auftritt, ist es noch keine Wohlfühloase.

National wird diese Wahlperiode zur Schicksalsentscheidung der BDP hochgeschrieben. Haben Sie Parteipräsident Martin Landolt etwas Ruhe verschafft?

Ich glaube nicht, dass wir in diesem Zusammenhang der entscheidende Kanton sind. Aber als einer der drei Gründerkantone konnten wir ein wichtiges Zeichen setzen. Im Übrigen kann man aus allem eine Schicksalsfrage konstruieren.

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