×

Jetzt soll der Bund die Skilager retten

Weil Eltern weniger an die Schullager bezahlen müssen, soll der Staat die Differenz übernehmen. Dies fordert BDP-Nationalrat Duri Campell mit einem breit abgestützten Postulat.

Südostschweiz
Mittwoch, 07. März 2018, 04:30 Uhr Postulat
Weil Eltern weniger an die Schullager bezahlen müssen, soll der Staat die Differenz übernehmen.
YANIK BÜRKLI

Von Dennis Bühler und Daniel Ballmer

Vor drei Monaten fällte das Bundesgericht ein Urteil, das in Graubünden Ängste schürt: Denn die für den Gebirgskanton so wichtigen Schulskilager sind seither akut bedroht. Die Lausanner Richter schrieben dem Kanton Thurgau vor, die Elternbeiträge für solche Lager nicht höher zu veranschlagen als die Kosten, die jedes Kind während des normalen Schulunterrichts verursacht. Heisst konkret: Die Schulen dürfen von Eltern noch maximal 16 Franken pro Tag fordern. Bisher zahlten Eltern 30 bis 40 Franken pro Tag im Schullager.

Der Bündner BDP-Nationalrat Duri Campell wird nun in Bundesbern vorstellig: Sollen in der Schweiz weiterhin Schulskilager durchgeführt werden, müsse sich die öffentliche Hand stärker an den Kosten beteiligen, findet der Bauer und Skilehrer aus S-chanf. Er betont, dass der grosse pädagogische Wert von Schullagern breit anerkannt sei. So aber bestehe die Gefahr, dass Schulen weniger Lager organisierten. «Das wäre für das traditionelle Schneesportland Schweiz auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sehr problematisch», sagt Campell. Mit einem Postulat fordert der 54-Jährige den Bundesrat auf, eine Bundesunterstützung für obligatorische Schulsportlager zu prüfen. Dabei soll er auch aufzeigen, welche Möglichkeiten im Rahmen des Programms Jugend und Sport bestehen.

Unterzeichnet haben den Vorstoss 16 Nationalrätinnen und Nationalräte aus allen Landesregionen und sämtlichen Parteien. Mit an Bord sind auch die Bündner Heinz Brand (SVP), Martin Candinas (CVP) und Silva Semadeni (SP). Nicht unterzeichnet hat das Postulat hingegen SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo – da es ihr nie unterbreitet worden sei, wie sie auf Anfrage mitteilt. Inhaltlich unterstütze sie es: «Im Rahmen der bisherigen Sport- und Schneesportförderung kann eine Bundesbeteiligung sinnvoll sein.»

Auch im Grossen Rat ein Thema

Voller Verve macht sich neben Campell auch Semadeni für die Erhaltung von Skilagern stark. «Wenn Kinder das Skifahren nicht erlernen, verpassen sie herrliche Erlebnisse in der Natur», sagt die 66-Jährige. In ihrer Kindheit hätten die Klassen in Poschiavo mindestens drei Schultage pro Winter auf den Skipisten verbracht, erinnert sie sich. Schon als Lehrerin an der Kantonsschule habe sie jedoch erlebt, wie die Bedeutung der Skilager nachlasse.

Dies bedauert auch ihr Ratskollege Candinas. «Wer Graubünden im Skilager schätzen lernt, wird immer wieder in unseren Kanton zurückkehren», sagt der 37-Jährige. Skilager seien deshalb die bestmögliche Werbung und eine Zukunftsinvestition.

Als Sofortmassnahme taugt Campells Postulat allerdings wenig: Bis eine auf diesem Weg vorgebrachte Forderung Wirkung entfaltet, dauert es erfahrungsgemäss mehrere Jahre. Deshalb fordert Candinas auch die Bündner Regierung zum Handeln auf. Der CVP-Nationalrat verweist auf einen Auftrag seines Churer Parteikollegen Luca Tenchio, den dieser Mitte Februar im Grossen Rat eingereicht hat. Tenchio fordert die Regierung auf, dem Grossen Rat innert maximal zweier Jahre ein Massnahmenpaket zu unterbreiten, wie auch in Zukunft obligatorische Schulreisen, Exkursionen sowie Klassenlager und Projektwochen in ihrer bisherigen Form weitergeführt werden können, ohne dass finanzschwache Eltern direkt oder indirekt benachteiligt werden.

15 Prozent weniger Buchungen

Am Bundesgerichtsurteil von Ende 2017 stört man sich aber nicht nur in Graubünden, sondern auch in urbanen Kantonen. «Mit 16 Franken pro Tag ist es unmöglich, Schneesport-Lager kostendeckend durchzuführen», sagt der ehemalige Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann, der als Nationalrat in der freisinnigen Fraktion politisiert. Die Gefahr sei akut, dass Kantone und Gemeinden künftig auf deren Durchführung verzichten könnten. Und tatsächlich: Die Branchenorganisation der Gruppenunterkünfte in der Schweiz stellt bereits einen Rückgang der Buchungen fest, wie die «NZZ am Sonntag» schrieb. Derzeit lägen sie rund 15 Prozent unter den Vorjahren.

Zusätzlich zum Postulat von Campell wird deshalb auch Eymann aktiv. In einer Interpellation fragt er den Bundesrat an, ob er bereit wäre, die Finanzierungslücke ganz oder teilweise zu schliessen.

Kommentar schreiben

Kommentar senden

Das ist nun wieder mal ein politisch nicht durchdachter Schnellschuss unserer politischen Profilierungsneurotiger, so bringen wir keine Jungen auf die Pisten. Was ist die Lösung? Den vorschulpflichtigen Kinder (Alter 4-6 Jahre) sollten zuerst unter Anleitung der Skilehrer mit den Eltern zusammen das Skifahrer beigebracht werden, denn nur die Kinder allein ist nicht die Lösung und wie sollte man vorgehen: Der Kanton verpflichtet die Hotellerien ihren Betrieb (mit kleinen Unterbrüchen) das ganze Jahr offen zu halten und neu die 1/4, 1/2, 3/4 und Vollsaison einzuführen (Mit dem entsprechenden reduziertem Hotelpersonal). die Viertelsaison hat der Kanton zu subventionieren, pro verkauftes Bett mit Frühstück mit 33.33 % ( 25 % geht an den Gast, 8.33 an den Hotelier) die Halbsaison mit 16.66 % ( 12.5 % geht an den Gast 4.16 % an den Hotelier) die Dreiviertel- und Vollsaison wird nicht subventioniert. Mit diesen Neuerungen begeistern wir die jungen Leute für den Schneesport, (sowie den Tagestouristen) und dies muss mit der Familie (aber die will man ja bekanntlich abschaffen) geschehen. Was der Kanton momentan macht die Hotellerie bei den Investitionen zu subventionieren ist ein Blödsinn (sollte über Bankkredite zu Vorzugszinsen und langer Amortisation, mit Bürgschaft des Kantons gehen) und ist Geld das zum Fenster hinausgeworfenes ist, da ja diese Betriebe mehrheitlich von Tourismus nicht viel verstehen und nach 10 Jahre wieder die Bittsteller für neue Subventionen sind. Bei meinem System ist das Prinzip, Leistung (Werbung für zu verkaufende Betten) erfolgt dann durch den Kanton (=Gegenleistung) der Unterstützungsbeitrag, der dann in der Besteuerung wieder zum Teil zurückkommt

Die ist nicht das Problem sondern unsere sog. Bündner Schaumschläger, die Dame aus Zürich/Domat/Ems schafft Arbeitsplaetze und schaut, dass die Bündner Staatskasse mit Erträgen gefüllt wird, die andern schauen nur wie sie mit Kurzschlüssen nicht eigenes Geld zum Fenster rausgeschmissen werden kann, Sie bringt was, dann darf Sie schon mal etwas unueberlegtes machen.

Abgesehen davon, dass ich Campell noch nie ausstehen konnte, bringt er hier leider die alte Leier, für die ich bereits Marcel Friberg detailliert dokumentiert kritisierte.
Liebes Publikum,
1) ZWANGskilager finde ich diktatorisch.
2) die Geld-Schnorrerei der Touristiker - quasi: "Unternehmer als Sozialgelderempfänger in der geschützten Werkstatt" - finde ich unnatürlich.
3) Und vor allem: Das widernatürliche Aufrechterhalten der Schneekanonen und Massenverbrennungsmotorenverkehr etc. sehe ich für unsere Lebensprognose schädlich, betrachte ich als Förderung bzw. Verzögerung der Krankheit statt dass man schnellstmöglich zur HEILUNG vorstossen würde. Das könnte Ihnen wohl jeder gute Arzt bestätigen.

Alle Kommentare anzeigen