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Leserbriefe zu No Billag: Die Befürworter bleiben (fast) still

Vor wichtigen Abstimmung machen die Pro- und Contra-Komitees mobil, wenn es um Leserbriefe geht. Normalerweise. Die No-Billag-Abstimmung stellt hier ein Novum dar: Die Befürworter sind in Graubünden weder organisiert noch aktiv.

Südostschweiz
Mittwoch, 14. Februar 2018, 16:30 Uhr Kaum Wortmeldungen
Die Leserbriefe der No-Billag-Gegner stapeln sich.

Wer die Forumseite der Bündner Ausgabe der «Südostschweiz» der letzten Tage und Wochen studiert hat, dem dürften viele Leserbriefe gegen die No-Billag-Initiative ins Auge gestochen sein. Wortmeldungen der Befürworter hingegen: Mangelware.

«Das hat es in dieser Form bei wichtigen kantonalen oder nationalen Abstimmungen in den letzten Jahren nie gegeben», sagt Mario Engi, stellvertretender Leiter Dialog. Üblicherweise würden die Komitees viele Schreiberinnen und Schreiber «rekrutieren», die dann mehr oder weniger gestaffelt den Abstimmungskampf hindurch ihre Leserbriefe einsenden würden. Bei der No-Billag-Initiative sei die Leserbriefflut äusserst früh gekommen, allerdings von den No-Billag-Gegnern. «Privatpersonen, Kunstschaffende, Politikerinnen und Politiker über Parteigrenzen hinweg – die No-Billag-Gegner machen gemeinsame Sache, um möglichst alle Argumente für eine Ablehnung der Initiative öffentlich kundzutun.»

Stumme Politiker

Und die Befürworter? «Lediglich vereinzelte Privatpersonen haben bislang in der «Südostschweiz» ihre Argumente für No Billag dargelegt», so Engi. Still seien dafür die Politiker – namentlich jene der Bündner SVP. Die Partei habe schliesslich immerhin die Ja-Parole beschlossen. Die einzigen Parteimitglieder, die sich öffentlich geäussert hätten, seien ausgerechnet die Befürworter innerhalb der Partei gewesen.

Engi schliesst einen Zusammenhang mit dem Wahljahr nicht aus. «Vielleicht möchten sich Politikerinnen und Politiker an dieser heissen Abstimmung ganz einfach die Finger nicht verbrennen.» Nicht in einem dreisprachigen Kanton, dessen Medien wie Radiotelevisiun Svizra Rumantscha Minderheiten bedienen würden und nach eigener Argumentation auf Gebührengelder angewiesen seien. «Das ist aber reine Spekulation.»

Andere Plattform, anderes Bild

Ein anders Bild zeigt sich im sozialen Netzwerk Facebook. «Unsere Posts zum Thema No Billag werden gerne kommentiert», so Engi. Auch vom Ja-Lager, was besonders zu begrüssen sei. «Die Befürworter kritisieren hauptsächlich die Angstmache der Initiativgegner, die Abzocke und die fehlende Qualität der gebührenfinanzierten Schweizer Medien.»

Die Zurückhaltung der Befürworter aus Graubünden in der Zeitung und die Exponierung demgegenüber auf Facebook erklärt sich Engi in der gefühlten Anonymität und in der tieferen Hürde, sich zu äussern. «Ein Kommentar auf Facebook ist schneller abgeschickt als ein Leserbrief, der darüber hinaus allein von der Länge des Textes und der stringenten Argumentation etwas mehr abverlangt.»

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