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Für die Seuchenbekämpfung ist das die Nagelprobe

Grossrat Bernhard Niggli-Mathis wollte von der Regierung wissen, was passiere, wenn sich Nutztiere mit Tuberkulose ansteckten. Klar wurde dabei, wie wichtig es ist, das Wild nicht zu füttern.

Ursina
Straub
Mittwoch, 14. Februar 2018, 04:30 Uhr Tuberkulose bei Nutztieren
Sorgt sich um die Nutztiere: BDP-Grossrat Bernhard Niggli-Mathis.
YANIK BÜRKLI

Er wolle keine jagdpolitische Diskussion vom Zaun brechen, betonte Grossrat Bernhard Niggli-Mathis (BDP, Schiers) gestern im Grossen Rat. Vielmehr wolle er als besorgter Landwirt erfahren, welche Auswirkungen es hätte, wenn sich Nutztiere mit Tuberkulose ansteckten. Zusätzlich zu seiner Anfrage betreffend Tuberkulose im benachbarten Vorarlberg hakte Grossrat Niggli mit der Frage nach, welche Sanktionen gegenüber betroffenen Höfen ergriffen würden.

Die Tuberkulosefälle beim Hirschwild im benachbarten Vorarlberg bedeuteten eine Gefahr für die hiesigen Nutztiere, führte Niggli in seiner Anfrage aus. Denn das Hirschwild wechselt im Winter in Einstandsgebiete in Bündner Tälern. Dadurch bestehe die Gefahr, dass die Seuche eingeschleppt werde. «Für die hiesige Landwirtschaft ist dies ein Damoklesschwert und die Sorge wächst zunehmend in den Talschaften», so Niggli.

In seiner Antwort wies der zuständige Regierungsrat Jon Domenic Parolini darauf hin, dass bei einer allfälligen Ansteckung das eidgenössische Tierseuchengesetz angewendet werde. Das heisst, ein Hof, auf dem ein Ansteckungsverdacht besteht, wird vom Kantonstierarzt gesperrt. Und zwar so lange, bis mit zwei Blutuntersuchen belegt ist, dass sich keine Nutztiere mit Tuberkulose (TB) angesteckt haben. Da die zweite Untersuchung 40 bis 60 Tage nach der ersten erfolgt, ist ein Betrieb somit bis 60 Tage gesperrt.

Kühe dürfen nicht z'Alp

Sind Nutztiere mit TB-Erregern infiziert, müssen die verseuchten Tiere geschlachtet werden, führte Volkswirtschaftsminister Parolini aus. Der Hof wird wiederum gesperrt und die Sperre erst aufgehoben, wenn zwei negative Untersuche belegen, dass keine weiteren Tiere angesteckt sind. Die Sperrung kann dann bis drei Monate betragen.

Die Massnahmen betreffen Einzelbetriebe. Wenn ein Verdachtsfall im Frühjahr auftritt, würde dies bedeuten, dass die Nutztiere nicht gesömmert werden dürfen.

Im angrenzenden Montafon gibt es gemäss Regierungsrat Parolini neue TB-Verdachtsfälle bei Wild. Deshalb wurden in Klosters und Ramosch zwei Bauernhöfe vorübergehend gesperrt. Denn Hirschwild war bis in die Ställe vorgedrungen und hatte da Heu gefressen (Ausgabe vom 7. Februar). Bei den Hirschen konnten zwar keine Tuberkulose-Erreger nachgewiesen werden. Die besagten Landwirte hatten jedoch gegen das Fütterungsverbot verstossen.

«Wenn Wild in einem Stall Heu frisst, dann überwiegt plötzlich der ‘Jööh-Effekt’.»

Kampagne vergessen

Den harten Winter nannte Rolf Hanimann, Leiter Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit, am Rande der Debatte deshalb «eine Nagelprobe». Das Fütterungsverbot, das seit über einem halben Jahr für den ganzen Kanton gelte, werde zwar bis auf Einzelfälle gut eingehalten. «Aber wenn Wild in einem Stall Heu frisst, dann überwiegt plötzlich der ‘Jööh-Effekt’ und die breit abgestützte Aufklärungskampagne ist vergessen.»

Dennoch stellt Hanimann den Landwirtinnen und Landwirten ein gutes Zeugnis aus: «Wir ziehen am gleichen Strick.»

Ansteckung über Futter

Für eine direkte Ansteckung mit TB reiche es aus, wenn Rindvieh am Fell eines Hirsches lecke, erklärte Hanimann. Das oberste Ziel sei zu verhindern, dass der Erreger von Wild- auf Nutztiere übergreife. Die Ansteckung könne auch indirekt erfolgen, etwa wenn Wild Siloballen aufreisst. Deshalb müsse auch Silage wildsicher gelagert werden. Und: Auch der Mensch kann sich mit TB anstecken, etwa über unbehandelte Kuhmilch. Der umgekehrte Ansteckungsweg ist ebenfalls möglich, vom Menschen auf Nutztiere also. Die Schweiz sei zwar seit rund 50 Jahren TB-frei, sagte Hanimann. «Ausserhalb von Zentraleuropa ist TB aber ein grosses Problem.»

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