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Nachbarn als Undercover-Baupolizei

Ein Davoser Landrat ortet Probleme wegen illegal erstellter Bauten. Davos steche nicht negativ hervor, erwidert die Gemeinde.

Béla
Zier
31.12.17 - 04:30 Uhr
Politik
Politisch ein Stein des Anstosses: Verfallende Bauten in Davos.
Politisch ein Stein des Anstosses: Verfallende Bauten in Davos.
CHRISTIAN STRICKER

Ein Anbau an einem Maiensäss, eine Ansammlung von Baucontainern am Strassenrand oder auf einem Dach montierte Heizungsinstallationen. Auf solche Ansichten ist Christian Stricker in Davos gestossen. Dabei habe er sich dann manchmal gefragt, ob dies alles mit dem kommunalen Baugesetz konform sei, ob die entsprechenden Bewilligungen dafür vorlägen, sagt Stricker.

Aufgrund seiner Beobachtungen sah sich der parteilose Davoser Grosse Landrat dazu veranlasst, eine Interpellation unter dem Titel «Bauten und Anlagen ohne Bewilligung sowie zerfallende Bauten in der Landschaft Davos» einzureichen. Es gebe in Davos Beispiele für die rechtswidrige Erweiterung von Bauten oder Anlagen ohne Baubewilligung, hat Stricker in seiner Anfrage vermerkt. Über die jetzt vorliegende Antwort der Davoser Regierung ist er enttäuscht.

Anzeigen durch Privatpersonen

Stricker wollte etwa wissen, ob der Davoser Kleine Landrat bei der Durchsetzung des Baugesetzes betreffs der Erstellung von Bauten ohne Baubewilligung Handlungsbedarf ausmacht. Die meisten Anzeigen gegen Baurechtsverletzungen erfolgten durch Privatpersonen, oftmals Nachbarn, schreibt die Davoser Exekutive. Im Siedlungsgebiet sei die Durchsetzung der baurechtlichen Vorschriften durch die Baupolizei und die nachbarschaftliche «Kontrolle» gewährleistet. Dann heisst es weiter: «Um eine erhöhte Kontrolltätigkeit über das ganze Gemeindegebiet auszuüben, wäre eine Aufstockung des Personalbestandes nötig.»

Mit dieser Antwort will sich Stricker nicht abfinden. Es könne nicht sein, dass baupolizeiliche Aufgaben teilweise an die Bevölkerung delegiert würden, ist der Landrat der Meinung. «Der Nachbar soll nicht Denunziant für die Gemeinde sein, das führt auch zu einer blöden Stimmung.» Er wolle der Davoser Gemeindebehörde keineswegs unterstellen, dass diese ihre Arbeit nicht wahrnehme, aber «vielleicht besteht wirklich ein Problem mit zu wenig Stellen», so Stricker.

Schärferer Vorstoss angekündigt

Stricker räumt offen ein, dass nicht abgeklärt ist, ob es sich bei den von ihm dokumentierten Beispielen auch tatsächlich um Verstösse handelt oder ob Bewilligungen dafür vorliegen. Gewisse Fälle empfinde er nicht als so schlimm, aber: «Wir sind in einem Tourismusort, da muss es eine gewisse Ordnung haben.» Alles in allem betrachtet sei seine Interpellation abwiegelnd beantwortet worden, ist Stricker der Auffassung. Er hätte sich eine ausführlichere Auskunft gewünscht. So etwa darüber, wie viele Fälle der Gemeinde durch Nachbarn zugetragen wurden, wie viele Verfahren aktuell vor dem Bündner Verwaltungsgericht ausgetragen werden und was das für einen Aufwand generiert. «Ich behalte mir einen schärferen Vorstoss im baupolizeilichen Bereich vor», kündigt Stricker an. Zuvor wolle er sich aber mit der zuständigen Gemeindebehörde treffen, um die Probleme zu orten.

Kein negativer Einzelfall

Die Tatsache, dass Bauten ohne Bewilligung erstellt würden, könne in der ganzen Schweiz beobachtet werden, schreibt die Davoser Regierung in ihrer vierseitigen Antwort. Darin heisst es dazu dann weiter: «Davos ist hier kein Einzelfall und sticht auch nicht negativ hervor.»

Die Gründe für die Erstellung von Bauten ohne Baubewilligung seien vielschichtig, hält die Exekutive fest. Derzeit seien verschiedene Verfahren wegen Baurechtsverletzungen hängig, zum Teil auch im Beschwerdeverfahren vor dem Bündner Verwaltungsgericht.

Béla Zier ist Redaktor der gemeinsamen Redaktion Online/Zeitung «Südostschweiz» und «suedostschweiz.ch» und berichtet über die Region Davos und das Prättigau. Er ist seit 1993 für die Medienfamilie Südostschweiz tätig und arbeitet dort, wo er auch wohnt. In Davos. Mehr Infos

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