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Wenn der Chef zum Konkurrenten wird

Kantonspolizeikommandant Walter Schlegel will Regierungsrat werden. Für die Bündner Regierung ist das kein Problem. Sie hat mit dem Kandidaten Spielregeln festgelegt.

Olivier
Berger
19.12.17 - 04:30 Uhr
Politik
Besondere Situation im Wahlkampf: Chefbeamter Walter Schlegel und sein Chef, Regierungsrat Christian Rathgeb.
Besondere Situation im Wahlkampf: Chefbeamter Walter Schlegel und sein Chef, Regierungsrat Christian Rathgeb.
YANIK BÜRKLI

Seit Anfang Monat ist bekannt, dass die SVP Graubünden mit einem prominenten Kandidaten in die Regierungsratswahlen vom kommenden Juni steigt: Walter Schlegel. Die Ausgangslage ist einigermassen pikant. Schlegel tritt nämlich auch gegen seinen Chef, Regierungsrat Christian Rathgeb, an.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Chefbeamter in Graubünden Regierungsrat werden möchte. Auch SVP-Kandidat Heinz Brand stand bei seiner Kandidatur im Jahr 2011 noch im Solde des Kantons.

«Ein Bürgerrecht»

Dass Chefbeamte für die Regierung kandidierten, sei möglich, sagt Justizdirektor Rathgeb. «Eine Kandidatur ist ein Bürgerrecht.» Allerdings sei es so, dass gerade Chefbeamte wie ein Polizeikommandant «in einem besonderen Treueverhältnis zum Kanton stehen».Im Fall von Walter Schlegel habe man schon früh das Gespräch mit dem potenziellen Kandidaten gesucht, sagt Rathgeb. «Wir sind nun noch einmal zusammengesessen, nachdem Walter Schlegel als offizieller Kandidat der SVP präsentiert worden ist.» Und auch die Regierung habe das Thema intern mehrfach besprochen. Die Kandidatur eines kantonalen Mitarbeitenden sei eine besondere Situation, aber nichts Neues.

Die Spielregeln besprochen

Allerdings habe man mit Kandidat Schlegel die Rahmenbedingungen besprochen, so Rathgeb weiter. «Klar ist, dass Walter Schlegel trotz seiner Kandidatur weiterhin die volle Arbeitsleistung erbringen muss.

Daran können keine Abstriche gemacht werden.» Das gelte übrigens nicht nur für den Kantonspolizeichef, sondern auch für bisherige Regierungsräte, die sich erneut zur Wahl stellten. Neben Rathgeb sind dies Mario Cavigelli und Jon Domenic Parolini. Für Rathgeb ist klar: «Wahlkampf wird in der Freizeit betrieben.»

Kandidatur bereitet kein Kopfweh

Dass Schlegel keine kantonalen Interna für seinen Wahlkampf verwenden dürfe, verstehe sich von selbst, so Rathgeb. «Die Geheimhaltungspflicht und weitere Regeln gelten selbstverständlich weiterhin.» Das Gespräch habe man schriftlich festgehalten.

Kopfzerbrechen bereitet Rathgeb, der klare Erwartungen an seinen Polizeikommandanten hat, die Kandidatur nicht. «Walter Schlegel und ich haben ein langjähriges gutes Arbeits- und Vertrauensverhältnis.»

Der Kommentar zum Thema:

Olivier Berger wuchs in Fribourg, dem Zürcher Oberland und Liechtenstein auf. Seit rund 30 Jahren arbeitet er für die Medien in der Region, aktuell als stellvertretender Chefredaktor Online/Zeitung. Daneben moderiert er mehrmals jährlich die TV-Sendung «Südostschweiz Standpunkte». Mehr Infos

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