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No Billag, no Regionalfernsehen...

No Billag, no Regionalfernsehen...

... aber durchaus noch Regionalradio. Werden die Gebühren abgeschafft, trifft das die lokalen Medien unterschiedlich stark. Sicher ist: Über das Glarnerland würde deutlich weniger berichtet.

Ueli
Weber
vor 3 Jahren in
Politik
Die TV-Redaktoren Carla Leuzinger und Florian Landolt könnten ohne Billag-Gebühren nicht von hier berichten.
SASI SUBRAMANIAM

Von zehn Uhr morgens bis zum Mittag filmt Carla Leuzinger in Linthal eine Primarschulklasse. Es geht um den Lehrplan 21, Medien und Informatik stehen auf dem Stundenplan. Die Kinder drehen mit einem iPad einen eigenen Lehrfilm: «Wie entsteht eine Jeans?», erklären zwei junge Mädchen.

Eine Stunde später sitzt TV-Redaktorin Leuzinger im Redaktionsbüro und schneidet ihren eigenen Beitrag. Sie hat etwa vier Stunden Zeit, um 18 Uhr geht er auf TV Südostschweiz auf Sendung.

Leuzinger macht Lokaljournalismus im TV. Wie lange sie das noch machen kann, entscheidet sich am 4. März. Dann stimmt die Schweiz über «No Billag» ab. Die Initiative möchte die Rundfunkgebühr in der Schweiz abschaffen. Bei einem Ja müssten nicht nur die Sender der SRG dicht machen. Auch die Regional-TV der Schweiz würden keine Gebühren mehr erhalten.

«Alle sprechen nur von der SRG», sagt ihr Kollege Florian Landolt. «Dabei sind wir genauso betroffen.» Leuzinger sagt: «Wir machen uns schon Gedanken, ob wir unsere Jobs behalten können.»

«Niemand zahlt gerne Billag»

Auf der Redaktion von TV Südostschweiz an der Zwinglistrasse in Glarus arbeiten vier TV-Journalisten. Sie teilen sich ein Büro, das vielleicht fünf auf sieben Meter misst. Zwei Beiträge müssen sie jeden Tag fertig stellen. Tun sie das nicht, gibt es Ärger: Und zwar nicht nur von ihrem Chef in Chur. Sondern auch aus Bern. Denn TV Südostschweiz hat vom Bundesamt für Kommunikation die Auflage, täglich etwa 10 Minuten aus dem Glarnerland zu berichten. Im Gegenzug bekommt der Sender Gelder aus dem Gebührentopf.

Ohne diese Gebührengelder könnte der Sender nicht überleben, sagt Silvio Lebrument, Geschäftsführer der Mediengruppe Somedia zur «Südostschweiz am Wochenende». «Für Radio Südostschweiz und TV Südostschweiz bedeutet darum eine Annahme der No-Billag-Initiative das Ende.» 92 000 Hörer würden ihr Radio verlieren, 51 000 Zuschauer ihr TV-Programm. Und 63 Angestellte stünden auf der Strasse.

Landolt arbeitet seit eineinhalb Jahren bei TV Südostschweiz. «Als Videojournalist findest du kaum mehr Arbeit, wenn die Initiative angenommen wird», sagt er. «Schon gar nicht im Glarnerland» Schliesslich würde fast die ganze Branche eingestampft. Etwas anderes möchte er nicht machen: «Es ist eine abwechslungsreiche Arbeit, und man lernt viele Leute kennen.» Die beiden Journalisten sind sich unsicher, wie die Abstimmung ausgehen wird. «Es zahlt nun mal niemand gerne Billag», sagt Leuzinger.

Das Glarnerland ist zu klein

451 Franken bezahlt ein Schweizer Haushalt an die Billag. Die SRG erhält davon nicht alles. 42 Franken fliessen an private Radio- und TV-Sender. Nur wenige private Sender wie Tele Züri und 3+ haben genug Zuschauer, um sich über Werbung zu finanzieren.

TV Südostschweiz und Radio Südostschweiz erhalten 6,7 Millionen Franken. Vier Millionen gehen ans TV. Die Gebührengelder machten mehr als die Hälfte des Sender-Budgets aus, sagt Geschäftsführer Lebrument. 90 Prozent der Billag-Gelder fliessen in die Produktion der täglichen Nachrichtensendung «SO informiert». Solche Eigenproduktionen sind mit Abstand der grösste Ausgabenposten der Regionalsender. Ohne Gebühren liessen sich diese nicht finanzieren, sagt Lebrument. «TV Südostschweiz startete ohne Gebührengelder. Wir mussten sehen: Mit Werbung alleine funktioniert es nicht.» Wenn SRF von der Bildfläche verschwindet, könnte man trotzdem nicht mit neuen Werbekunden rechnen, sagt Lebrument: «Diese würden eher in ausländische Werbefenster abwandern.»

Das Sendegebiet der Südostschweiz sei einfach zu klein. «Selbst mit einer sensationellen Einschaltquote von 20 Prozent erreicht der Sender im Glarnerland nur 6000 Leute», erklärt Lebrument. Das Glarnerland sei für einen aus Werbegeldern finanzierten Sender völlig uninteressant. Anders gesagt: Ersatz wird es nicht geben.

Radios können auch ohne

Anders als die Regionalfernseh-Sender bekommen die meisten im Glarnerland konzessionierten Radiosender keine Gebührengelder. Glarus gehört zu drei Konzessionsgebieten: Innerschweiz, Zürich und Graubünden. Gebührengelder gibt es nur für die mit Graubünden geteilte Radiokonzession, mit der Radio Südostschweiz über drei Sprachregionen berichten muss. Radio Central (Innerschweiz), Radio 24, Radio 1 und Radio Zürisee (Zürich) finanzieren sich über Werbung. Bei einem Ja zur Initiative würden sie weiter auf Sendung bleiben. Und sie würden beim Ende der SRG-Radioprogrammen wahrscheinlich an Hörerreichweite zulegen. Wie stark sie proftieren würden, wissen sie aber auch nicht. «Wir haben keine Ahnung, was wirklich passieren würde», sagt etwa Tony Immer, der Geschäftsleiter der Radio Zürisee AG. Radio Zürisee sendet vom Bahnhofplatz in Rapperswil. Acht Moderatoren und neun Redaktoren produzieren unter anderem eine stündliche Nachrichtensendung, die auch im Glarnerland von vielen gehört wird. Das Konzessionsgebiet von Radio Zürisee ist so gross, dass der Sender keinen Anspruch auf Gebührengelder hat. Das Geschäft läuft auch so, sagt Immer: «Wir können nicht klagen.»

Von SRF wird Radio Zürisee keine werbekunden übernehmen können, denn die Radiosender der SRG dürfen sowieso keine Werbung senden. Zu gewinnen hätte Immers Sender vor allem Zuhörer. «Und mehr Hörer könnten im Zuge einer Zustimmung zu No Billag bei Radio Zürisee zu höheren Werbeumsätzen führen.» Er werde aber trotzdem Nein stimmen, sagt Immer. «Die Stossrichtung finde ich gut: Die SRG könnte den Gürtel enger schnallen. Aber die Initiative ist zu extrem.»

An der Zwinglistrasse in Glarus kann man den locker geschnallten Gürtel der SRG durch eine Glaswand beobachten. Dort mietet SRF nur wenige Meter von der TV-Südostschweiz-Redaktion entfernt ein Büro, das mit Mikrofon und Computer voll eingerichtet ist. Nur benutzt wird das Material fast nie: Einen SRF-Mitarbeiter sichtet man dort vielleicht einmal im Jahr an der Landsgemeinde. Die restlichen 364 Tage steht der Raum leer.

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Es ist zeit die Billag abzuschaffen, damit die Drohungen und die Arroganz der Eintreiber endlich hört. Nach einem Ja zu No Billag werden wir wie Kunden behandelt wie es sich gehört. Ich werde auch weiterhin zahlen aber ja zu No-Billag stimmen, damit ich endlich wie ein Kunde behandelt werden.

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