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Beamtenjagd würde die Sonderjagd ablösen

Initiant Christian Mathis freut sich, dass das Bundesgericht die Sonderjagdinitiative für gültig erklärt hat. Und er sieht auch keine Probleme bei der Umsetzung. Die Regierung hingegen fordert jetzt eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Sonderjagd.

Südostschweiz
Donnerstag, 09. November 2017, 04:30 Uhr Sonderjagdinitiative
Zuversichtlich: Initiant und SVP-Grossrat Christian Mathis glaubt, dass die Initiative bei der Volksabstimmung gute Chancen hat.
OLIVIA ITEM

«Es ist eine grosse Genugtuung», sagte Christian Mathis, Initiant der Sonderjagdinitiative, gegenüber der «Südostschweiz». «Wir sind sehr froh über den Entscheid des Bundesgerichts.» Dieses hat das Bündner Verwaltungsgericht korrigiert und die Sonderjagdinitiative gestern für gültig erklärt. Denn die Initiative stehe nicht im Widerspruch zu Bundesrecht.

Das Bundesgerichtsurteil bestätige, dass man auf dem richtigen Weg sei, führte SVP-Grossrat Mathis aus. «Der Kampf hat sich gelohnt.»

Mathis ist sich sicher, dass ein grosser Teil der Jägerschaft hinter der Initiative steht. Das habe sich bereits bei der Unterschriftensammlung gezeigt. Zwar hätten in den letzten Jahren mehr Jägerinnen und Jäger ein Sonderjagdpatent gelöst. «Das ist aber nur Ausdruck davon, dass man auf der Hochjagd kaum mehr Hirsche erlegt», meinte Mathis. Die Sonderjagd, mutmasste er, diene auch dazu, Geld in die Kantonskasse zu spülen. «Es hat sich gezeigt, dass sie nicht funktioniert. Es müssen ja immer mehr Hirsche geschossen werden, trotz Sonderjagd.»

Mathis glaubt, dass die Sonderjagd-initiative breite Zustimmung in der Bevölkerung geniesst. «Ich bin zuversichtlich, dass die Initiative gute Chancen hat, wenn sie vors Volk kommt.»

Weiche Grenzen für Asyle

Bei der Umsetzung sieht Mathis keine Schwierigkeiten. Es sei ein Leichtes, den Abschussplan innerhalb von 25 Tagen im September und Oktober zu erfüllen, so wie es der Initiativtext verlangt. «Wenn man die Asylbewirtschaftung vereinfacht und weiche Grenzen zulässt, können mehr Tiere erlegt werden.» Weiche Grenzen würde bedeuten, dass in die Asyle hineingeschossen werden dürfte, führte er aus. Und Jäger dürften das Asyl betreten, um das Wild zu bergen.

Der Regierung wirft Mathis Irreführung vor, indem sie argumentiert habe, die Initiative verstosse gegen übergeordnetes Recht. Dabei habe bereits ein Bericht des Bundesamtes für Umwelt bestätigt, das dem nicht so sei. Der Bericht habe festgehalten, dass die Sonderjagdinitiative eine Wildregulierung, die eine Waldverjüngung gewährleiste, nicht ausschliesse.

Inhaltlich auseinandersetzen

Keine Freude am Bundesgerichtsentscheid hat der zuständige Regierungsrat Mario Cavigelli. Das Parlament müsse jetzt formal noch einmal entscheiden, ob die Initiative gültig sei, meinte der Vorsteher des Bau-, Verkehrs- und Forstdepartements gegenüber der «Südostschweiz» nach dem Urteil aus Lausanne. «Ich sehe aber wenig Anhaltspunkte, dass darüber noch einmal diskutiert werden muss.» Immerhin seien die wichtigsten Punkte jetzt geklärt. «Deshalb muss man sich nun inhaltlich mit der Sonderjagd auseinandersetzen», so Cavigelli.

Fundamentale Änderung

Wenn die Initiative vors Volk komme, stelle sich für die Stimmberechtigten die Frage, ob man die Bündner Jagd fundamental ändern oder bei der Patentjagd bleiben wolle, sagte Cavigelli. «Die Volksinitiative nimmt nämlich in Kauf, dass wir künftig im Kanton keine Nachjagd mehr haben, sondern eine Regiejagd, eine Beamtenjagd also, die durch die Wildhut ausgeführt wird.» Das kantonale Jagdgesetz müsste entsprechend angepasst werden.

Erst Begründung abwarten

Vorerst aber wird die Regierung die Urteilsbegründung des Bundesgerichts abwarten, wie Cavigelli ausführte. «Das wird uns Anhaltspunkte für eine vertiefte Auseinandersetzung liefern.» Danach müsse die Initiative ausgearbeitet und dem Grossen Rat vorgelegt werden. Dieser wird sodann inhaltlich über die Initiative debattieren, bevor diese vors Volk kommt. Und schliesslich haben die Stimmberechtigten darüber zu entscheiden, ob sie künftig eine Sonderjagd wollen oder nicht.

Dem Vorwurf der Irreführung kann Regierungsrat Cavigelli nichts abgewinnen. Es seien schlicht zwei Gutachten vorgelegen, wobei das eine die Initianten, das andere die Ansicht der Regierung gestützt habe.

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