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Lichtfänger am St. Moritzersee – Heinz Mack zu Gast

Lichtfänger am St. Moritzersee – Heinz Mack zu Gast

«Danuser von Platen – Zeitzeichen» steht für zwei Menschen und zwei Generationen, die miteinander und als solche im Gespräch sind. Denn Hanspeter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind mit einem Altersunterschied von über 30 Jahren ein ungewöhnliches Paar. Ihr Blog-Motto: «Der eine wartet, bis die Zeit sich wandelt, der andere packt sie an und handelt.»

Südostschweiz
13.12.16 - 10:00 Uhr
Ereignisse
Die Skulptur «The Sky Over Nine Columns» spielt mit dem Licht. Bild Rolf Canal

Von Amelie-Claire von Platen

Unzählige, um genau zu sein 850 000 (!) goldene Mosaiksteine reflektieren am Ufer des St. Moritzersees seit letztem Samstag das Sonnenlicht. Angebracht sind sie an neun 7,5 Meter hohen quadratischen Säulen. Wie ein Tempel stehen sie auf einer Plattform im sogenannten Meiereibogen in der Uferschutzzone. «Nur das Dach fehlt», wie der Künstler Heinz Mack seinen «Tempel» beschreibt. So heisst die Skulptur oder das architektonische Konstrukt auch «The Sky Over Nine Columns» – der Himmel über neun Säulen. Das Dach ist der blaue Engadiner Himmel selbst, der dank der derzeitigen Schönwetterperiode das Sonnenlicht ungebremst in die offene Säulenhalle wirft. Die Mosaik-Steine aus Blattgold changieren im Licht und reflektieren es in allen Schattierungen. Besonders eindrücklich ist derzeit auch die Verdoppelung der neuen Säulen durch die Spiegelung im Wasser, die man vom Seeuferweg vom Hotel «Waldhaus» kommend sehen kann.

Das Licht entmaterialisiere die Skulptur und erwecke sie erst zum Leben, sagt Heinz Mack über sein Kunstwerk. In der Spiegelung im Wasser wird dies zusätzlich gesteigert. Die Skulptur ist dort ausschliesslich ein Lichtphänomen und völlig schwerelos. Dieser Effekt wird in den nächsten Tagen jedoch nicht mehr zu sehen sein, der See friert derzeit und mit dem nächsten Schneefall wird sich dann ein ganz anderes Bild zeigen. Bis Mitte März 2017 können wir das Schauspiel beobachten. Übrigens auch nachts, denn dann sind die Säulen beleuchtet und wirken von Weitem wie Ausrufezeichen in der Dunkelheit.

Die neun mit Mosaik-Steinen besetzten Säulen erscheinen wie ein logische Folge im Schaffen von Heinz Mack. Der heute 86-Jährige beschäftigte sich lange mit der orientalischen Kunst, Philosophie und Mystik. Die Stelen als Symbol für den Menschen, die Mosaiksteine, die Farbe Gold sind alles Elemente, die Bezugspunkte im Spannungsfeld zwischen Orient und Okzident haben.

Venedig war in der Vergangenheit die Brücke zwischen Ost und West. Kein Zufall also, dass die Skulptur ihr Debüt in der Lagunenstadt anlässlich der Architektur-Biennale 2014 auf der Isola di San Giorgio Maggiore feierte. Dort wurde sie denn auch «entdeckt» von ihrem heutigen Eigentümer und Mäzen, Ralph Dommermuth, der Kopf hinter United Internet. Er ermöglicht es, dass die neun Säulen von vielen Menschen gesehen und erlebt werden können, ohne in ein Museum gehen zu müssen oder Eintritt zu bezahlen. Er wünscht sich Kunst, die zu den Menschen kommt und nicht umgekehrt. So wurde das Kunstwerk seither in Istanbul und in Valencia gezeigt und macht jetzt Station in der Ferienheimat Dommermuth in St. Moritz.

Von zahlreichen Künstlern wurde und wird das Engadin wegen seines intensiven Lichts aufgesucht. Heinz Macks Lichtfänger sind hier also bestens platziert. Und es schliesst sich vorerst auch ein Kreis. Denn St. Moritz ist über sieben Unesco-Welterbe-Stätte mit Venedig durch die Venice-St. Moritz-Tour verbunden, nicht nur touristisch sondern auch durch die vielen Engadiner Zuckerbäcker, die früher in die grosse Handelsstadt Venedig auswanderten.

Dass die Gemeide St. Moritz es möglich gemacht hat, dieses Geschenk auf Zeit an einem für Einheimische «heiligen» Ort anzunehmen, dazu kann man nur gratulieren. Und dass das Gold vom St. Moritzer Seeufer bis hinauf auf Corviglia glänzt, kann man sich diesen Winter zusätzlich wünschen. Denn auf den Skipisten geht es in dieser Saison bei den Ski-Weltmeisterschaften auch um Gold!

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