×

Herausforderung zum Rededuell

In den vergangenen Tagen haben sich SP-Grossrat Jon Pult und Somedia-Verleger Hanspeter Lebrument gegenseitig kritisiert. Das Thema: die erneute Bündner Olympiakandidatur. Auf eine gestrige Kolumne Lebruments folgt heute die Antwort Jon Pults. Darin fordert er Hanspeter Lebrument zu einem öffentlichen Rededuell heraus.

Südostschweiz
Mittwoch, 07. Dezember 2016, 18:13 Uhr Pult vs. Lebrument
Kommt es zum öffentlichen Rededuell? Hanspeter Lebrument und Jon Pult haben derzeit das Heu nicht auf der gleichen Bühne.

Sehr geehrter Herr Lebrument

Einmal mehr greifen Sie mich in ihrer Zeitung persönlich an. Auf Ihre Unterstellungen gehe ich nicht ein. Nur zwei kleine sachliche Berichtigungen: Erstens: Silva Semadeni ist nicht meine Gotte. Zweitens: Mein Arbeitgeber hat Kundschaft aus allen Bereichen: Wirtschaft, Verwaltung und NGOs.

Die Triebfeder Ihrer Wut ist meine Kritik am Projekt «Olympische Winterspiele Graubünden & Partner 2026». Scheinbar haben Sie meine Argumente nicht gehört oder nicht verstanden. Hier nochmals in Kurzform:

  1. Die Bevölkerung muss über einen Kredit von 25 Millionen für die Olympia-Kandidatur abstimmen. Das Grobkonzept dieser Kandidatur, nota bene von den Steuerzahlenden berappt, untersteht der Geheimhaltung. Wie soll ohne Transparenz Vertrauen geschaffen werden?

 

  1. Das wichtigste Element der Ideenskizze «dezentraler Spiele» ist bereits gescheitert. Die «Partner» haben abgewunken. Zürich will bei Olympia nicht mitmachen. Der Regierungsrat von Obwalden bezeichnet das Vorgehen der Bündner Promotoren als «den falschen Ansatz». Realitätsverweigerung ist doch keine Basis für ein Grossprojekt!

 

  1. Die Host City, die letztlich das finanzielle Risiko trägt und die Verträge mit dem IOC unterzeichnen muss, ist nicht bestimmt. Klar ist nur: Chur will nicht. Warum? FDP-Stadtpräsident Urs Marti begründet seine Absage auf einem Ihrer Kanäle sehr vielsagend: «Wir kennen weder die finanziellen noch die baulichen Voraussetzungen, die eine Host City mitbringen muss. Mit den heute vorliegenden Fakten ist schlicht kein Entscheid möglich.»

 

  1. Das Geschäftsmodell des IOC ist es, die Steuerzahlenden für die Kosten ihrer Grossveranstaltungen bezahlen zu lassen, während Funktionäre, Verbände und Sportvermarkter das grosse Geld machen. Vetternwirtschaft, Korruption und geschlossene Augen gegenüber systematischem Doping sind Konstanten. Warum haben die Promotoren und die Regierung keine klaren roten Linien gegenüber dem IOC festgelegt?

 

  1. Sie gehören zu denjenigen Bündner Wirtschaftsführern unseres Kantons, die davon überzeugt sind, Olympia sei ein gutes Geschäft. Warum verleihen Sie dieser Überzeugung nicht Glaubwürdigkeit, indem Sie - zusammen mit anderen Grossunternehmen - einen Teil der Kandidaturkosten übernehmen? Wenn die Wirtschaft profitiert, soll sie auch einen Teil der Kosten tragen - und nicht nur die Steuerzahlenden.

 

Herr Lebrument, wir sollten miteinander sprechen! Öffentlich. Ich fordere Sie zum öffentlichen Rededuell heraus. Lassen Sie uns mit Argumenten streiten. Auge in Auge. Vor einem Publikum. Mit professioneller Moderation. Den Zeitpunkt finden wir. Sie können Ort und Moderation auswählen. Ich freue mich auf die Auseinandersetzung!

Freundliche Grüsse

Jon Pult

Kommentar schreiben

Kommentar senden