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«Schnulzig? 
Aber 300-prozentig!»

Der Glarner Sänger Jvan Prizio hat für seine Frau ein wunderbar schnulziges 
Hochzeitslied aufgenommen – das sich jetzt jeder anhören kann.

Südostschweiz
28.10.16 - 20:54 Uhr
Ereignisse
Am Ende des Sommers war es so weit für Jvan und Samantha. Sie hatten sich einen Sandstrand ausgesucht, in der Nähe der italienischen Stadt Lecce, wo Samanthas Familie herkommt, ganz unten im Absatz des Stiefels. Es war eine freie Trauung, denn sie fanden keinen Priester, der ein Paar ausserhalb einer Kirche trauen wollte.
 
Was so etwas angeht, sind die Leute in Apulien sehr konservativ. «Eine Hochzeit am Strand, die Verwandten aus Italien kannten das nur aus Hollywood-Filmen», erzählt der mittlerweile trotzdem verheiratete Jvan Prizio. Denn es wurde auch ohne Priester sehr schön und am Abend sang Prizio vor den versammelten Gästen dieses Lied, dass er für seine Samantha geschrieben hatte. Auch das: ziemlich Hollywood. 
 
Und wie fand seine Frau das Lied, als er es für sie sang? «Na wie wohl?», sagt Prizio und lacht.  «Ti sposo» heisst das Lied, auf Deutsch: «Ich heirate dich». Prizio schrieb es nach der Verlobung mit Samantha, zusammen mit einem Kollegen, der die Musik beisteuerte. Ein Jahr lang arbeiteten sie daran, «alles top secret», erzählt Prizio. «Die Idee war, eine Art italienisches ‘Ewigi Liebi’ zu machen. Das wird ja überall an den Hochzeiten gespielt.» 
 
Herausgekommen ist eine wunderbare Italopop-Schnulze, die er mittlerweile auch kommerziell veröffentlicht hat. Es stört ihn nicht, wenn man das Lied als Schnulze bezeichnet, denn «schnulzig ist es, 300-prozentig!», wie Prizio sagt. Gerade bei einer Hochzeit darf es ja gerne etwas emotionaler werden. «Das Lied beschriebt unsere Geschichte, aber es ist soweit verallgemeinert, dass man es überall spielen kann», sagt Prizio über  «Ti sposo».  
 
«Der Traum ist immer da»
 
Jvan Prizio hat schon einige Erfahrungen in der Musikindustrie gesammelt. Vor einigen Jahren bewarb er sich bei den Casting-Shows «The Voice» und «Music Star». «Ich suchte ein Sprungbrett», erzählt Prizio. Er kam zwar einige Runden weiter bis in die Wohngemeinschaft, aber flog dann heraus. «Die Erfahrung war trotzdem super», sagt Prizio.
 
«Ich singe ja schon lange. Aber bei den Profis lernt man noch viel dazu.» Etwa, wie er seine Mimik beim Singen kontrollieren kann, indem er sich vor den Spiegel stellte und sich beim Singen beobachtete. Sobald er angestrengt schaut, heisst es: «Lächeln, auch wenn du innerlich stirbst», erklärt Prizio. Würde er sich nochmals in einer Castingshow bewerben? «Mittlerweile hats sichs damit», sagt er.
 
Seit einem Jahr singt er in der Band In-N-Out, das ist vor allem ein Hobby. Ganz aufgegeben hat er eine Profi-Karriere aber noch nicht. «Der Traum ist immer da. Das Hobby als Job zu machen, ist etwas vom schönsten.» In Italien läuft «Ti sposo» auf kleineren Radiostationen. Aber bei den grösseren Stationen ist es schwierig, reinzukommen. «Besonders wenn dich niemand kennt», sagt Prizio. Das Lied ist derzeit unter anderem bei iTunes zum Download erhältlich.  «Geld verdienst du sowieso praktisch keines», meint Prizio, darum geht es ihm nicht. «Ich möchte aber schon, dass das Lied gehört wird», sagt Prizio. «Das wäre auch für meine Frau schön.» (uw)
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