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Auch bei Nacht gut überwacht

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz und darüber hinaus. Heute erklärt er, weshalb die Geburtenrate in der Schweiz steigen wird.

Südostschweiz
Samstag, 01. Oktober 2016, 10:00 Uhr Ruchs Rubrik
Christian Ruch schaut auf alles, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt. Bild Marco Hartmann

Wie die «Südostschweiz» berichtete, darf sich das Puschlav über eine steigende Geburtenrate freuen. Das liege, so die einleuchtende Erklärung meiner Liebsten, bestimmt am Bär. Seit der durchs Tal tolle, trauten sich die Puschlaver nicht mehr aus dem Haus, müssten sich vermehrt Indoor-Aktivitäten widmen, was zu einem häufigeren Austausch von Körpersäften und damit zu mehr Bambini führe.

Schon bald wird es überall mehr Kinder geben, dies dank dem letzten Sonntag angenommenen Nachrichtendienstgesetz. Bisher war es doch so: Abends lag man gemütlich im Bettchen und ist mittels Smartphone oder Tablet noch ein bisschen herumgesurft. Der oder die Liebste wurde sträflichst vernachlässigt. Doch wenn der Nachrichtendienst demnächst mitsurfen darf, wirds vielleicht ein bisschen peinlich. Würde er mein nächtliches Surfverhalten protokollieren und kommentieren, sähe das so aus: «23.39 Uhr: R. (also ich) informiert sich über ‚Bachelor’-Kandidatinnen (Kinder, Silikon etc.). 23.43: R. sucht Betty-Bossi-Rezept für Hörnli-Gratin (Ausländer R. evtl. integrationswillig). 23.51: R. schaut norwegische Nachrichten (doch nicht integrationswillig). 0.25: R. googlet norw. Moderatorin Ingvild Bryn (Daniela Lager nicht gut genug!?). 0.30: R. liest Artikel über Stilllegung der oberen Gailtalbahn in Kärnten (warum???). 0.33: R. studiert österr. Online-Kursbuch» usw.

Ich finde ja, der Nachrichtendienst soll ruhig erfahren, dass die Gailtalbahn westlich eines Ortes mit dem wunderbaren Namen Hermagor stillgelegt wird. Je mehr man über ein Nachbarland weiss, desto besser! Wobei von der Stilllegung einer österreichischen Bahnlinie für die Sicherheitslage der Schweiz wahrscheinlich keine besonders grosse Gefährdung ausgehen dürfte. Trotzdem beobachtet der Nachrichtendienst mein nächtliches Gesurfe mit Argwohn, schliesslich soll ich am anderen Morgen purlimunter zur Steigerung des Bruttosozialprodukts beitragen. So werden wir also schweren Herzens unsere Gerätli beiseitelegen. Und uns vielleicht sogar wieder dem Schatz zuwenden, den es ja auch noch gibt. Man sieht: Für mehr Kinder brauchts gar keinen Bär, ein neues Nachrichtendienstgesetz langt schon.

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