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Preisgekrönter Kindheitstraum

Cäcilia Bardill erhält in diesem Jahr den Irma-Landolt-Lechner-Preis - ein Preis für Frauen, welche sich auf kulturellem und sozialem Gebiet verdient gemacht haben. Unser Reporter Béla Zier hat Bardill getroffen.

Südostschweiz
Samstag, 10. September 2016, 16:33 Uhr Interview mit Cäcilia Bardill
Cäcilia Bardill. Bild Olivia Item

Nie hat sie während all der vielen Jahre, in denen sie Blockflöte unterrichtete, einem Kind gesagt, es habe keinen Wert. Es sind Aussagen wie diese, die zeigen, was für eine Persönlichkeit Cäcilia Bardill ist. Und es ist ihre Umgebung, die zeigt, auf was sie Wert legt.

Ihre Wohnung in einem über 100-jährigen Haus in Davos Platz ist urgemütlich und ohne Schischi eingerichtet. In der Stube steht ein Spinett, geheizt wird meistens mit Holz, überall finden sich Bücher. Es fehlt nur noch eine Katze, die zufrieden auf der Couch döst. Willkommen bei Cäcilia Bardill: «Mein Traum war immer Musik zu machen.» Ihren Kindheitstraum hat sie sich erfüllt. Sie hat sich stets dafür engagiert, dass in das Leben der Menschen Musik einzieht.

Sängerin galt nicht als Beruf

«Alles im Leben erfolgt bei mir durch Zufall. Ich mache eigentlich nichts dafür. Es kommt auf mich zu», sagt die putzmuntere 68-Jährige. Als Kind hätte sie liebend gerne Sängerin werden wollen. Doch dieser Wunsch lag damals in unendlicher Reichweite. «In unserer Familie lernte man einen richtigen Beruf. Sängerin gehörte nicht dazu.»

Nach Schulabschluss in Schiers, dort ist Bardill bei musikalischen Eltern aufgewachsen, fiel die Berufswahl auf Kindergärtnerin. Nicht, dass dies ihr grosses Ziel gewesen wäre, aber dieser Entscheid sollte Wegbereiter zur Verwirklichung ihrer grossen Vision sein; Bardill, die Musiklehrerin.

Nach ihrer Ausbildung, der eine Reise aus dem kleinen Schiers ins grosse Kanada folgte, ergatterte sich Bardill zufällig eine Stelle als Kindergärtnerin in Davos. Hier erfüllte sie sich ihren Kindheitstraum: «Ich nahm Gesangsstunden und besuchte den Blockflötenunterricht. Dieses Instrument spielte ich bereits als Kind sehr häufig.» Und wieder spielte der Zufall mit. Bardill konnte den Unterricht ihrer Blockflötenlehrerin – «du kannst doch viel besser mit Kindern umgehen» – übernehmen und wurde, nachdem sie die Ausbildung als Blockflötenlehrerin nachgeholt hatte, von der Davoser Musikschule angestellt.

Während Bardill aus ihrem Leben erzählt, leuchten ihre Augen. Man spürt ihre Kraft, ihren Willen etwas anzupacken. Und dies auch auf unmusikalischem Parkett, als Gründungsmitglied des vor über 30 Jahren eröffneten Davoser Claro-«Mitenand-Lade».

Dort werden Produkte aus fairem Handel verkauft. «Ich war schon immer auch politisch interessiert und habe mich mit den Problemen auf dieser Welt befasst.» Noch heute steht sie jeden Samstag hinter der Kasse. Dem Gründerteam des Claro-Ladens wurde 2007 der Theodulpreis der Evangelischen Kirchgemeinde Davos verliehen.

Nicht mehr unterrichten

Enorme Bewegung kam auch in die berufliche Karriere von Bardill. Mit einem Lehrerkollegen übernahm sie 1987 die Leitung der Davoser Musikschule, die sie dann über zehn Jahre lang alleine führte. Durch die Leitung der Musikschule Davos sei sie 1992 zunächst in den Vorstand des Verbands Sing- und Musikschulen Graubünden (VSMG) «reingerutscht», dessen Präsidium sie dann 2003 übernahm. Dieses Amt wird Bardill einen Tag vor der Verleihung des Irma-Landolt-Lechner-Preises an der VSMG-Delegiertenversammlung abgeben. Auch sonst will die Musiklehrerin ein bisschen kürzer treten.

«Ich will nicht mehr Blockflöte unterrichten», sagt sie, aber mit einem Davoser Blockflöten-Erwachsenensensemble – «die sind schon alle über 60 Jahre alt und möchten nicht aufhören» – will sie doch weiterarbeiten. Auch als Koordinatorin des Bündner Jugend-Sinfonieorchesters wird sie quasi weiterhin den Taktstock schwingen. Mehr Zeit bleibt Bardill, die keine Kinder wollte und deren Lebenspartner vor acht Jahren verstarb, nun für ihre Hobbys, das Wandern und die Arbeit in ihrem Garten. Skifahren hat sie nie gelernt: «Alles was gschwind ist, ist mir zu gschwind.»

Zunächst Zweifel am Preis

Vor einem Jahr wurde Bardill mitgeteilt, dass sie den Irma-Landolt-Lechner-Preis erhalte. «Ich dachte, was soll das? Ich habe doch gar nichts Spezielles gemacht und zurückgeschrieben, dass ich nicht wisse, ob ich die richtige Person für diese Auszeichnung bin.» Jetzt freue sie sich auf den Tag der Preisverleihung.

Die Lebensmaxime von Cäcilia Bardill, mit der sie zugleich eine Botschaft vermitteln möchte, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit auch Eingang in ihre Dankesrede finden: «Ich mache das, was auf mich zukommt und was ich sinnvoll finde. Macht alle das, was euch anspricht, was euch wichtig ist. So können wir die Welt vielleicht in eine gute Richtung bringen.»

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