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Drei Tage an der Ostküste

Heute ist ein Tag, da fällt mir dir Schreiberei nicht so einfach. Einerseits bin ich wirklich müde, anderseits habe ich in den letzten drei Tage derart viele Eindrücke gesammelt, dass ich irgendwie keinen sinnvollen Start in den Artikel finde. Aber ich habe wieder so einiges zu erzählen.

Südostschweiz
Dienstag, 21. Juni 2016, 18:35 Uhr Schwedenhappen-Blog

Von Andrea Ullius

Nachdem ich zu Beginn meiner Schwedenreise die Westküste von Göteborg aufwärts lieben gelernt habe, stand in den letzten drei Tagen die Ostküste mit dem Schärengarten auf dem Programm. Am Samstag musste ich die Idylle von Åmot verlassen und hatte einen längeren Transfer vor mir. Das Wetter war trist, der Regen heftig und meine Motivation etwas gedämpft. Ich hatte so eine üble Überführungsetappe vor mir. Das Problem bei diesen Fahrten ist für mich immer, dass auf der Route immer Ortsnamen oder Wegweiser auftauchen, die vielversprechend sind, aber aus zeitlichen Gründen auf der Tour nicht berücksichtigt werden können. So wäre ich zum Beispiel gerne nach Gävle oder Uppsala gefahren, da dies ja bedeutende Orte in Schweden sind. Nun hat es nicht gereicht und die Orte bleiben auf der To do Liste.

Marholmen

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Meine Stimmung hellte sich dann auf, als ich mein Tagesziel Marholmen erreichte. Marholmen gehört zu Norrtälje und ist eigentlich kein Ort, sondern ein Ressort mit Hotel, Hafen, Restaurant usw. So hat es jedenfalls auf mich gewirkt. Die ganze Region nennt sich Roslagen und erstreckt sich an der Ostküste von Stockholm aus ca. 120 Kilometer Richtung Norden. Roslagen umfasst eine grossen Teil der Schären nördlich der Hauptstadt. Unweit von Marholmen ist Kapellsär. Von hier fahren Fähren nach Finland.

Wie gesagt herrschte Freude, als ich in Marholmen eintraf. Im Hotel durfte ich ein tolles Zimmer mit coolem Design und bestem Komfort beziehen. Da entschädigte schon mal für die Reisestrapazen. Das Essen im etwa 150 Meter neben dem Hotel gelegenen Restaurant war vorzüglich. Da das Wetter schlecht und ein weiters Rahmenprogramm nicht vorgesehen war, beschloss ich den Schalter für diesen Tag auf "off" zu drehen.

Gestärkt am tollen Frühstücksbuffet konnten am Sonntag dann weitere Taten folgen. Die Region Roslagen war bei mir bis jetzt immer etwas unter dem Radar durch. Nur gerade Vaxholm war mir geläufig. In der Tat muss ich festhalten, dass alleine diese Region gut und gerne eine Woche Stoff für coole Ferien hergibt. Vorerst musste sich aber Vaxholm mit meinem Besuch begnügen.

Husmor Lisa

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Zuerst hatte ich mich mit Lisa Lönner Pulkkinen verabredet. Sie betreibt das Gasthaus Husmor Lisa in Resarö, nur wenige Minuten von Vaxholm entfernt. Lisa sah ziemlich übernächtigt und abgekämpft aus und entschuldigte sich auch sogleich: "Wir hatten gestern eine grosse Gesellschaft hier an einer Feier und ich bin wirklich spät ins Bett. Ich sehe grässlich aus." Ich sagte ihr, dass ich über das Restaurant schreiben wolle und nicht über allfällige Beauty-Tipps. Das Aussehen spiele folglich keine Rolle, und sie solle sich mal mich anschauen. Das Eis war gebrochen.

Lisa betreibt ihr Restaurant nun seit 5 Jahren und kann sich über mangelnden Erfolg wahrlich nicht beklagen. Ihre gute Küche und das Ambiente wurden unlängst auch durch den Gastroführer "White Guide" gewürdigt.

Lisa Lönner ist eine Quereinsteigerin und hat über 25 Jahre im PR-Business in Göteborg gearbeitet. Im kulinarischen Bereich hatte sie sich mit ihrem Blog rund um die Wahl des "Chef of the Year" (bei uns wäre das der Koch des Jahres) einen Namen gemacht . Als dann die Idee von einem eigenen Restaurant Konturen annahm, nutzte sie die Gelegenheit und kaufte das Haus direkt am Wasser mit viel Umschwung.

Nach vielen Investitionen und auch Streitereien mit den Behörden betreffend Vorschriften von Küchen und Restaurants, konnten Husmor Lisa dann eröffnet werden. Seither brummt der Laden und speziell im Sommer ist oft keinen Tisch zu finden. Der Speiseraum ist sehr verspielt und liebevoll eingerichtet. Lisas Mutter hat ein Flair für Dekorationen und gestaltet die Räume und die Umgebung sehr liebevoll.

Lisa legt viel Wert auf hochwertiges Essen und sagt ziemlich bestimmt: "Ich bin nur an Gästen interessiert, die gesundes und ausgewogenes Essen aus der Region mögen und auch bereite sind einen fairen Preis dafür zu bezahlen. Strandrestaurants, die Hamburger in Massenproduktion "rauslassen" gibt es genug. Das ist nicht mein Ding." Sagt's und gibt mit eine selber gemachte Konfitüre mit auf den Weg.

Vaxholm

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Womit wir bei meiner nächsten Station wären. Vaxholm ist eine interessant und aufregende Kleinstadt und besteht aus 70 Inseln. In Vaxholm wohnen 11'000 Menschen und in der Sommerheit sind es dann zig mehr, wenn die Toursiten in der Stadt Einzug halten. 1548 hat Gustav Was die Vaxholmsfestung bauen lassen und 1647 bekam die Gemeinde das Stadtrecht. Lange Zeit lebten die Bewohner von Vaxholm von drei Elementen: dem Militär, der Fischerei und dem Tourismus. Die ersten beiden haben sich mehr oder weniger aus Vaxholm verabschiedet, dafür ist der Tourismus zur Haupteinnahmenquelle von Vaxholm aufgestiegen. Durch die Nähe zu Stockholm, mit dem Bus ist man in 45 Minuten in Zentrum, arbeiten viele Leute in Stockholm und wohnen in Vaxholm.

Vaxholm hat alles zu bieten, was man braucht. Es hat Geschäfte aller Art, Banken, einen Gästehafen mit guter Infrastruktur und viele gute Möglichkeiten um etwas zu essen oder trinken. Eine gute Adresse ist zum Beispiel das Restaurant Magasinet. Und dann gibt es noch Vaxholms Kastell. Die Festung ist die bekannteste Sehenswürdigkeit und sollte unbedingt besucht werden. Im 10 Minutentakt fährt eine Fähre zwischen Hafen und Festung. Bis 1944 wurde Vaxholms Kastell für Militärische Zwecke gebraucht. Heute ist das Verteidigungsmuseum das einzige Militärische an dieser Festung.

Utö

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All zu lange konnte ich nicht in Vaxholm bleiben. Ich musste weiter nach Årsta Brygga um das Boot nach Utö nicht zu verpassen. Das Schwedenmobil blieb schön am Anleger und das Kursschiff brachte mich in 35 Minuten auf die Insel. Utö ist eine der Schäreninseln, die das ganze Jahr von ca. 200 Leuten bewohnt wird. Deshalb ist auch die Infrastruktur recht gediegen. Es hat ein ICA, einige Boutiquen und natürlich viele touristische Angebote und über allem thront das Utö Värdshus.

Dieser kleine Komplex mit Hotel, Restaurant, einem Hostel und vielen Zusatzangeboten ist ideal, um ein paar Tage auf Utö zu verbringen. In durfte eine Stuga benutzen mit zwei Zimmern, einem Wohnbereich und frisch renovierter Nasszelle. Im Hotel selber hat es gemütliche Doppelzimmer und Suiten. Je nach Aufenthalt bietet das Utö Värdshus verschiedene Package an.

Im Hotelrestaurant werden die Gäste mit erstklassigen Menüs verwöhnt und bei Sonnenschein kann man draussen einen erfrischenden Drink geniessen. Malin Lidström, die Hotelchefin, hatte mir am Hafen ein Velo reserviert. Da vor dem Essen noch genügend Zeit blieb, unternahm ich eine Erkundungsfahrt der Küste von Utö entlang. Am Hafen herrscht in der Sommerzeit reges Treiben, die Leute sitzen draussen im Café oder grillieren in den eigenen Gärten, an denen man auch mit dem Velo auf der Rundfahrt vorbei kommt. Ein freundliches hej, hej ist dann allemal angebracht.

Der Küste entlang trifft man immer wieder auf schöne Badepläzte, Buchten und kleine Häfen. Auch eine imposante Kirche steht da mächtig auf einer kleinen Anhöhe. Falls jemand von euch demnächst heiraten will, das ist also ein sehr schöner Ort, um den ewigen Bund der Treue zu schliessen. Das wäre auch taktisch klug, den so könnt ihr regelmässig nach Schweden reisen um dann auf Utö zu sagen: Weisch no? Da hält die Ehe sicher ewig.

Nach dem aber die Heiraterei bei meinem Abstecher nach Utö nicht auf dem Programm stand, machte ich mich noch schlau, was man sonst noch auf der Insel treiben kann, wenn man ein paar Tage hier ist. Den Gästen seht ein bunter Strauss von Aktivitäten zur Verfügung. Nach der morgendlichen Tour mit dem Velo, kann man am Mittag ein Match Tennis spielen, um dann am Nachmittag mit dem Kanu die Schäre zu erkunden. Die Strapazen des Tages, können gegen Abend in der Sauna weggeschwitzt werden. Und sonst sitzt man einfach an ein lauschiges Plätzchen und liest ein Buch. Das soll ja bekanntlich auch nicht schaden.

Sörmlandsleden

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Leider musste ich dann Utö schon gestern Morgen früh wieder verlassen, um nach Trosa zu fahren. Der sportlichste Teil meiner Schwedenreise stand auf dem Programm. Åsa Malmqvist von "Visitsörmland" hatte geplant, mich auf dem Sörmlandsleden 21 Kilometer wandern zu lassen. Grosser Gott, das wäre dann ja ein Halbmarathon. Ok, in der RS hab ich den 50er auch überstanden und so schaute ich diesem Spaziergang mit grossem Optimismus entgegen. Zuerst konnte ich im Trosa Stadshotell & Spa mein Gepäck deponieren, meine Verpflegung fassen und einen Stärkungstrank zu mir nehmen. Anschliessend chauffierte mich das Taxi zum Königlichen Schloss Tullgarn und los konnte der Marsch auf dem Sörmlandsleden gehen.

Der Sörmlandlieden ist total 1000 Kilometer lang und ausgezeichnet markiert, so dass man ohne Karte den Weg findet. Meine Etappe führte mich vorbei an Feldern, Weiden mit Pferden, durch Wäder mit Moospfaden, über Schärenklippen und Schleichpfade durch das Schilf. Die Wanderung als solches ist nicht anstrengend an sich, da es wenige Höhenmeter zu absolvieren gilt. Da die Wege zum Teil holperig sind und über Stock, Stein und Wurzeln führen, ist gutes Schuwerk und Konzentration unabdingbar. Unterwegs findet man immer wieder schöne Punkte für einen Zwischenhalt und das Picknick. Allerdings warne ich euch vor. Es hat unterwegs keine Restaurants. Das mit dem kühlen Bier müsst ihr auf den Schluss der Wanderung verschieben.

Trosa Stadshotell & Spa

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Zurück im Hotel war dann der Besuch im tollen Spa Bereich des Trosa Stadshotell eine Wohltat für meine müden Glieder. Aufgefrischt und wieder lebendig habe mich mit Annika Forsgren, der Marketingchefin des Hotels unterhalten. Sie hat mir einige Dinge über Trosa und ihr Hotel erzählt. Ihre Hautpsaison ist das Winterhalbjahr, da dann viele Kongresse und Konferenzen im Hotel statt finden. Trosa selber ist ein wunderbarer Ort mit vielen alten Gebäuden wie aus dem Bilderbuch. Kein Wunder macht die Filmcrew von "Inga Lindström" regelmässig zum Drehen halt in Trosa.

Das Trosa Stadshotell hat nebst dem SPA-Bereich auch ein tolles Restaurant, das ebenfalls auf der Liste des White Guide zu finden ist. Gesten hab ich aber das Bomans am Hafen ausgetestet. Das war ein guter Entscheid, denn der Burger, den sie dort machen ist einer der Besten, die ich bis jetzt hatte. Beim Stichwort Bomans muss ich noch die hausgemachten Glaces erwähen. Die gehören weit und breit zu den Besten. Ich habe die schon ausprobiert. Grossartig.

Nach einer entspannenden Nacht im schönen Hotelzimmer und einem ausgiebigen Frühstück gehts jetzt weiter nach Vadstena ins Klosterhotel. Und morgen gibt es dann die Geschichte zu Astrid Lindgreen.

Ausblick

Für morgen habe ich schon entschieden, worüber ich euch berichten möchte. Sicher habt ihr schon mal die rot-weisse Zuckerstangen gesehen. Die werden in Gränna hergestellt und so habe ich mir dort einen Besichtigungstermin gesichert.

Am Donnerstag werde ich auf die Insel Visingsö, mitten auf dem Väternsee, fahren und diese Insel unter die Lupe nehmen. Ich bin sicher, dass da auch eine schöne Geschichte gibt.

Und dann ist Mittsommer und klar, dass ich das zum Thema mache. Ihr könnte euch also etwas entspannen und weiterhin täglich hier reinschauen.

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