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Graubünden und St. Gallen wollen zwei Wölfe schiessen

Das Wolfsrudel im Calandagebiet verhält sich zunehmend problematisch. Damit die Wölfe ihre Scheu vor dem Menschen wieder zurückerlangen, sollen zwei Tiere aus dem Rudel entfernt werden. Kritisch sieht diese Idee Forderung der WWF Graubünden. Als nur einen Tropfen auf den heissen Stein bezeichnet die Vereinigung zum Schutz der Weidetierhaltung die Pläne der Kantone St. Gallen und Graubünden.

Südostschweiz
Montag, 30. November 2015, 11:16 Uhr Pro und Contra
Ein Mongolischer Wolf im Zoo Zuerich. BIld Yanik Bürkli

Seit 2012 lebt im Gebiet des Calanda-Ringelspitz-Massivs das erste Wolfsrudel der Schweiz. Die Sichtungen und das Verhalten der Wölfe im Streifgebiet wurden von Mitarbeitern der zuständigen Ämter der Kantone Graubünden und St. Gallen laufend protokolliert und bewertet.

Problematisches Verhalten

Bisher sind noch keine direkten gefährlichen Situationen für Menschen aufgetreten. In den vergangenen Monaten kam es jedoch immer häufiger zu nahen Begegnungen zwischen Menschen und Wölfen in oder um Siedlungen. Einzelne oder mehrere Wölfe drangen bis an Stalltore, Freilaufgehege oder Gebäude vor und liessen sich nur noch widerwillig vertreiben. Das Rudelverhalten wurde nach mehreren Vorkommnissen als problematisch eingestuft.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sollen diesen Winter zwei Tiere aus dem Calanda-Rudel geschossen werden. Die Kantone Graubünden und St. Gallen haben ein entsprechendes Gesuch beim zuständigen Bundesamt für Umwelt eingereicht. Die Abschüsse zielen darauf ab, eine Verhaltensänderung zu erwirken. Nur wenn die Wölfe wieder scheuer werden, wird ein Zusammenleben dieser Grossraubtiere in der Kulturlandschaft Schweiz auch in Zukunft möglich sein.

Tierhalter vs. Tierschützer

«Wir wollen, dass die Wölfe wieder ihre Scheu vor den Menschen zurückgewinnen», begründet der Amtsleiter des Amts für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden, Georg Brosi, den Antrag. Man müsse jetzt reagieren, «denn es muss um jeden Preis verhindert werden, dass Menschen zu Schaden kommen». Die Begegnungen zwischen Tier und Mensch hätten sich vor allem in den letzten Monaten gehäuft.

Kritisch steht diesem Vorgehen Anita Mazzetta gegenüber. Wie die Geschäftsführerin des WWF Graubünden auf Anfrage sagte, wisse sie aber zu wenig über die aktuelle Problematik der Wölfe. «Wir müssen zuerst das Monitoring der Kantone studieren, um die genauen Gründe für diese Massnahnme zu kennen.» Falls es aggressives Verhalten gegenüber Menschen gegeben hätte oder geben sollte, böten wir natürlich Hand, für solch drastische Massnahmen. Sei dies aber nicht der Fall, wäre der WWF gegen Abschüsse. Mazzetta ist von den Abschüssen nicht überzeugt, weil wissenschaftlich nicht belegt sei, ob die verbleibenden Wölfe nach Abschüssen ihr Verhalten ändern würden.

Ganz anders tönt es bei der Vereinigung zum Schutz der Weidetierhaltung und ländlichem Lebensraum der Kantone Glarus, St. Gallen und beider Appenzell. In einer Stellungnahme schreibt sie: Die betroffene Bevölkerung wurde viel zu lange nicht angehört! Wir sehen das als ersten Schritt zu einer Vernünftigen Wolfs-Politik. Die Vereinigung befürchten aber auch, dass der Abschuss von einzelnen Tieren nur ein Tropfen auf den heissen Stein sei und Wölfe rasch in das alte Verhaltensmuster zurück fallen würden. Die Problematik der Weidetierhalter werde sich wegen zwei Entnahmen nicht verbessern, heisst es in der Mitteilung weiter.

Rechtliche Grundlagen vorhanden

Mit der Revision der eidgenössischen Jagdverordnung hat der Bund im Sommer die dafür notwendigen rechtlichen Grundlagen geschaffen. Rechtliche Voraussetzung für einen Eingriff sind eine nachgewiesene Reproduktion im laufenden Jahr und das wiederholte Auftreten von Wölfen innerhalb oder in unmittelbarer Nähe von Siedlungen, verbunden mit geringer Scheu gegenüber Menschen. (so)

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