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Anhaltende Trockenheit lässt 
die Wasserpegel sinken

Die Auswirkungen der extremen Trockenheit dieses Sommers und Herbstes sind auch in Graubünden spürbar: Kraftwerke müssen auf Reservespeicher ausweichen, Maiensäss-Besitzer stehen vor versiegten Quellen, und Skigebiete setzen auf Wanderangebote. 

Südostschweiz
Mittwoch, 11. November 2015, 03:38 Uhr Graubünden
Weniger Wasser aus den Zuflüssen: Das Wasser im Sufnersee wird vermehrt aus dem Saisonspeicher in der Valle di Lei über die Zentrale Ferrera zugeführt. Bild Marco Hartmann

von Tatjana Jaun

Die anhaltende Trockenheit macht einigen Schweizer Regionen zu schaffen. Im Zürcher Oberland sind die Bachläufe derart tief, dass Fischereiaufseher um das Leben der Fische fürchten. Gemäss dem «Zürcher Oberländer» haben Vertreter der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung in den vergangenen Wochen so viele Fische gerettet wie nur möglich. Wie «20 Minuten» schreibt, hat die trockene Witterung in Zürcher Haushalten zu einem Trinkwassernotstand geführt. Bauern, schreibt die «Basellandschaftliche Zeitung», müssten wegen des fehlenden Regens Tränkefässer für ihre Kühe im nächsten Dorf auffüllen lassen; ihre eigenen Quellen auf dem Hof sind ausgeschöpft.

Auch an Graubünden geht die Trockenheit nicht spurlos vorüber. Kraftwerke beklagen, dass Speicherseen nur mit unterdurchschnittlichen Wassermengen aus den Zuflüssen gespiesen werden können. Mancherorts muss darum auf Saisonspeicher ausgewichen werden. Beim Sufnersee fliessen derzeit 8000 Liter pro Sekunde über die natürlichen Zuflüsse. Normalerweise sind es rund 12 000 Liter pro Sekunde. Das Wasser wird jüngst vermehrt aus dem Saisonspeicher in der Valle di Lei über die Zentrale Ferrera zugeführt. Die Situation sei nicht prekär, sagt Guido Conrad, Direktor von der Kraftwerke Hinterrhein AG (KHR). «Der Saisonspeicher in der Valle di Lei weist einen durchschnittlichen Füllungsgrad auf». Dennoch: «Ich kann mich nicht erinnern, schon mal eine solche Trockenperiode im November erlebt zu haben», so Conrad.

«Der Herbst ist für uns optimal»

«Niederschläge würde die Vegetation ertragen», sagt auch Daniel Buschauer vom Amt für Landwirtschaft und Geoinformation. Fehlt dem Boden Wasser, fehlt Bodenfeuchtigkeit, die im Winter gespeichert wird – «was wiederum Auswirkungen auf die Frühlingsve- getation haben kann». Mögliche Pro- bleme ortet Buschauer bei Ställen und Maiensässen. «Diese haben eigene Quellen, weil sie ausserhalb des Gemeindeversorgungsgebietes stehen. Es kann sein, dass dort Wasser nicht in genügender Menge oder nicht mehr vorhanden ist.» Vor allem kleinere Quellen hatten keine Möglichkeit, sich nach diesem trockenen Sommer wieder aufzufüllen, weswegen fallweise Wasser zugeführt werden müsse. 

Der Landwirtschaft kommt das schöne Wetter derweil entgegen: «Der Herbst ist für uns bis jetzt optimal gelaufen. Wir konnten das gute Wetter für Räumungs- und Feldarbeiten nutzen und den Boden schonen», sagt Martin Renner vom Bündner Bauernverband. 

Wandern und Skifahren 

Auf den trockenen November haben die Arosa Bergbahnen mit ihrem An-gebot «Novemberhoch» reagiert. Mit diversen Aktivitäten versuchen sie, Wanderer und Schneesportler gleichzeitig nach Arosa zu locken. Einzig das Hörnli-Gebiet ist derzeit weiss und befahrbar – dank des Einsatzes von 18 «Schnee-Erzeugern». Der Rest der Landschaft, das zeigen Webcams, ist in herbstliches Goldbraun getaucht. «Der November zählte schon immer zur Zwischensaison», erklärt Philipp Holenstein, CEO der Arosa Bergbahnen AG. «Wir haben aber trotzdem nichts dagegen, wenn es bald mal kälter wird.»

Eine längere Kältephase ist in den nächsten Tagen allerdings nicht zu erwarten. Gemäss dem Wetterdienst Meteotest dauert die Trockenperiode mit Temperaturen bis zu 15 Grad mindestens bis nächste Woche an. Mit einem kurzen Unterbruch: Von Freitag auf den Samstag wird es kurzzeitig kühler, und es fällt etwas Regen. 

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