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Pilzler warten auf den grossen Regen

Frische Pilze gibts derzeit nur bei Coop oder Migros. Doch die Hoffnung auf eine gute Pilzsaison lebt weiter.

Südostschweiz
Montag, 20. Juli 2015, 19:01 Uhr Chur
Pilzernte aus dem letzten Jahr. Bild Marco Hartmann

Pilzkontrolleur Egmont Heisch ist gerade im Wald, als er das Telefon abnimmt. «Ich habe bisher noch keinen Pilz angetroffen, der Boden ist viel zu trocken.» Für einen Pilzkurs sucht er gerade nach Täublingen, doch die Hitzewelle bekam den Pilzen gar nicht. Heisch ist in der Surselva auf Pilzsuche, doch sein Befund gilt für alle Regionen im Kanton. «Es ist überall zu trocken, und ohne Wasser wächst nichts, so ist das», sagt auch Elvira Zogg. Als Pilzkontrolleurin in Chur hat sie derzeit keine Arbeit. «Wenn es keine Pilze hat, kommen auch keine Leute.» Ähnlich ergeht es ihrem Kollegen aus Samedan, Men Bisaz: «Ich gehe alle zwei Tage in den Coop, um mir Pilze anzuschauen.»

Verhältnisse wie 2003 und 2005

Vergleichbare Verhältnisse trafen die Pilzler in jüngerer Vergangenheit nur noch in den Jahren 2003 und 2005 an, wie sich Zogg erinnert. Auch damals knisterte der Waldboden beim Betreten wie ein Strohbett und kein Pilz zeigte sich. Vorerst zumindest. Denn die Pilzsaison fiel 2003 und 2005 nicht komplett aus. «In den letzten 20 Jahren ist der grosse Schub noch immer gekommen», sagt Zogg. Kollege Bisaz kann sogar auf 35 Jahre Erfahrung zurückblicken und auch er ist überzeugt, dass die Pilze noch kommen werden. «Schon häufig hat die Pilzsaison im Engadin erst Mitte August begonnen und war dann umso vielfältiger.»

Gewitter bringen nichts

Damit die Pilze wachsen können, wären zuerst aber einige Regentage nötig. «Einzelne Gewitter nützen nichts», sagt Heisch, weil das Wasser zu schnell abfliesse, verdunste und nicht in die Böden eindringen könne. «Es braucht zwei bis drei Tage intensive Regenfälle. Am besten wäre noch Nebel dazu, damit der ganze Wald feucht wird.» So würden Pilzsporen und Myzelgeflecht genügend bewässert.

Eine andere Voraussetzung für ein gutes Pilzwachstum sind warme Böden. Ein Kriterium, das derzeit bestens erfüllt wäre. Kommt noch der erhoffte Regen dazu, hält Bisaz eine «Explosion» für möglich. Coop und Migros würden es den Pilzsammlern sicher auch gönnen. (Stefan Bisculm)

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