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«Putschä uf Pra»

Für was brauchen wir Ostereier? Auf jeden Fall zum Essen - aber nicht nur. Bei so manchem Osterbrauch werden die bemalten Eier in Szene gesetzt. Wir haben nachgeforscht, wo und welche Bräuche heute noch existieren.

Tanja
Egli
Samstag, 20. April 2019, 04:30 Uhr Ostereier
Eier Ostern Ostereier
An Ostern werden wieder viele bunte Ostereier verschenkt - aber nicht nur.
YANIK BÜRKLI

Zu Ostern gehören ganz verschiedene Bräuche. Viele davon sind bereits ausgestorben, aber es gibt sie mancherorts auch heute noch. Im Engadin bestehen beispielsweise noch «Eierbahnen», im Oberland wirft man die Eier durch die Gegend und in gewissen Prättigauer Dörfern wird am Montag das Ei auch heute noch mit der ganzen Dorfbevölkerung geputscht.

Eierputschen im Prättigau

Als Grüscherin war ich ein wenig überrascht über die verdutzten Blicke während einer Eierputsch-Diskussion. Denn für mich ist Ostern nicht nur putschen mit der Familie, sondern mit dem ganzen Dorf. Seit Jahrhunderten trifft sich die Grüscher Bevölkerung am Ostermontag bei jeder Witterung zum traditionellen Ostereierputschen.

Jeder nimmt ein paar seiner gefärbten Eier mit zum Treffpunkt und dann wird auf «gältä» geputscht. Das bedeutet, der Besitzer des stärkeren Eis kriegt das gebrochene Ei des Gegners. Dabei wird darauf geachtet, dass jeder die gleichen Voraussetzungen hat, indem zuerst Spitz auf Spitz und dann «Füdli» auf «Füdli» geputscht wird.

Das Ei, das zuerst beidseitig eingeputscht ist, darf der Gegner mitnehmen. Vor vielen Jahren, fand der Brauch jeweils noch im Ortsteil «Pra» statt. Daher verbinde ich Ostern bis heute mit dem Begriff «Putschä uf Pra». Die Musikgesellschaft sorgt alljährlich für gute Unterhaltung und so fühlt sich ein Ostermontag in Grüsch beinahe wie ein kleines Dorffest an. Neben Grüsch findet auch auf der Burg Castels in Putz das Eierputschen noch traditionell statt.

Eierbahn im Engadin

Einen weiteren Ostereierbrauch, der heute noch existiert, findet man in Bever. Was aussieht wie eine Bobbahn in Kleinformat, nützt die Bevölkerung seit Jahrhunderten für die bemalten Eier. Im Graben auf einer etwas abschüssigen Halde werden die Ostereier hinuntergerollt. Wenn man Pech hat, fliegt das Ei auf dem Weg ins Ziel aus der Bahn und geht kaputt. Wer Glück hat, kann mit dem selben Ei gleich mehrere Anläufe bestreiten. Das Ei welches am längsten in der Bahn bleibt und nicht kaputt geht, ist dann das sogenannte «Siegerei».

In Bever werden die Eier durch diesen Graben gerollt.

Eierwerfen im Oberland 

Die Oberländer haben lange ebenfalls einen Brauch am Leben gehalten. In Castrisch wurde jeweils am Ostermontag das sogenannte Eierwerfen durchgeführt. Die Bevölkerung hat sich auf einer Wiese etwas ausserhalb des Dorfes getroffen. Während die Erwachsenen untereinander die letzten Neuigkeiten austauschten, schleuderten die Kinder ihre Ostereier im hohen Bogen durch die Luft. Ein Ei wurde jeweils solange geworfen bis es kaputt ging.

Als Ahnungsloser könnte man meinen, dass jedes durch die Luft geschmissene Ei zerstört wird. Dem sei aber nicht so. Denn manche Ostereier können mit etwas Glück durchaus 15 bis 20 Würfe heil überstehen. Heutzutage ist die Tradition in Castrisch beinahe ausgestorben. Einzelne Familien führen das Eierwerfen noch durch, aber es ist keine Dorfangelegenheit mehr.

Im Gegensatz zu Castrisch trifft sich in Trin auch heute noch das gesamte Dorf am Ostermontag zum sogenannten Eiertrölen. Die Bevölkerung lässt auf einem Hang jeweils ihre hart gesottenen und bunt bemalten Eier hinunterrollen. Die Eier, die zu Bruch gehen, scheiden aus. Die Besitzer der drei härtesten Eier, die unversehrt am weitesten rollen oder fliegen, gewinnen Ruhm und Ehre und einen kleine Überraschung.

Auf der Website des Feriendorfs Trin findet man unter anderem den Tipp sein Ei vor dem Eiertrölen in einern Ameisenhaufen zu legen um somit die Schale etwas wiederstandsfähiger zu machen. Ausserdem sollen kleinere Eier etwas dickere Schalen haben und wer Zuhause selber Hühner habe, soll selbst nachhelfen und zerriebene Eierschale unter das Futter mischen.

Habt Ihr in Eurem Dorf auch solche oder ähnliche Bräuche? Dann schreibt es uns in die Kommentarspalte.

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