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«Du wirst Koch oder Fussballprofi»

Er kam aus dem hohen Norden, um zu bleiben. Der Norweger Anders Solberg hat sich vor langer Zeit in Davos verliebt. Doch sein Werdegang vom Koch zum Stuntman in die Küche des Hiltons ist allerdings etwas anders.

Davoser
Zeitung
27.09.24 - 07:00 Uhr
Menschen & Schicksale
Der aufgestellte Norweger Anders Solberg hat schon sehr viel erlebt.
Der aufgestellte Norweger Anders Solberg hat schon sehr viel erlebt.
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Anders Solberg wuchs in einem kleinen Dorf rund eine Stunde von Oslo entfernt auf. Die Geschichte, wie es so weit kommen konnte, dass der gebürtige Norweger in Davos landete, heute als Sous Chef im Hilton arbeitet und als Bikeguide Touristen durch die Davoser Bergwelt führt, ist sicherlich einzigartig. «Das erste Mal nach Davos kam ich im Winter 2009. Ich durfte die letzten drei Monate meiner Kochlehre auf der Schatzalp arbeiten», erzählt er, «der Start war eher schwierig. Mein Chefkoch konnte kein Englisch, ich kein Deutsch. Doch in den Ort und die Landschaft und auch die Leute habe ich mich trotz anfänglicher Kommunikationsschwierigkeiten sehr schnell verliebt und bin froh, dass ich nun schon seit Jahren hier heimisch bin.»

Allerdings ging es für den Jungkoch nach den drei Monaten auf der Schatzalp erst mal zurück nach Norwegen, wo er die Lehre erfolgreich abschloss. «Nach dem Abschluss wurde mein Werdegang aber etwas wild», sagt er lächelnd. Und dies muss fast als Untertreibung angesehen werden.

Von der Küche, in den Kindergarten, zur eigenen Firma

Zunächst arbeitete er noch kurze Zeit als Koch, bevor er in einem Kindergarten anfing. «Zu der Zeit war ich Schlagzeuger in einer Band und als Betreuer hatte ich mehr Zeit für die Musik», erklärt er. Doch auch der Kindergarten war nur eine Station. «Ich machte eine Ausbildung zum Stuntman, drehte Werbungen und trat an Events auf», sagt er nonchalant. Ebenfalls hat er an verschiedenen Filmen hinter den Kulissen mitgearbeitet. Einer davon, der ‹22. Juli›, ist gar auf Netflix zu sehen.

«Als ich mich ausgetobt hatte, arbeitete ich mit meinem Vater in der eigenen Firma», geht seine Geschichte weiter. Und was hat die Firma wohl gemacht? Genau, Markisen und Storen. Doch genau dieser Job brachte Solberg zurück in die Küche. «Da wir im Winter um einiges weniger zu tun hatten, machte ich ab dem Winter 2017 die Wintersaisons jeweils wieder in Davos», erläutert er. 2019 wurde ihm ein Ganzjahresjob als Sous Chef im Hilton angeboten. Er nahm diesen an und nennt seit da Davos sein Zuhause. «Ich mag die Leute, die Natur und die vielen Möglichkeiten hier. Das hatte ich noch nirgends zuvor». Zudem sei er sehr glücklich, zurück in der Küche zu stehen und seine Leidenschaft zum Essen wieder ausleben zu können. Ganz so, wie es seine Mutter einst entschied.

Die Lehre als Koch war eine der besten Entscheidungen

«Du wirst entweder Koch oder Fussballspieler», diesen Satz sagte Solbergs Mutter einst zu ihm. «Ich mag kein Fussball, also wurde ich Koch», erklärt dieser schmunzelnd. Es sollte eine der besten Entscheidungen seines Lebens werden. Schon immer habe er ein Faible für Essen gehabt. «Norwegen ist sicher nicht die Spitze der kulinarischen Nahrungskette. Dies zeigt schon unser Nationalgericht Fårikål», meint er. Kurz als Erklärung: Fårikål bedeutet übersetzt «Hammelkohl». Die Lehre als Koch habe seinen Werdegang erst ermöglicht.

«Ich empfehle die Ausbildung jeder und jedem. Nicht nur, weil die Gastronomie eine sehr familiäre Branche ist. Die Lehre bringt ungeahnte Chancen und Freiheiten mit sich. Von vielseitigen Arbeitsmöglichkeiten in aller Welt bis hin zu den verschiedensten Betrieben», schwärmt er. Schade sei, dass es immer schwieriger sei, geeigneten Nachwuchs zu finden. Er ist aber überzeugt, dass wenn die Jugendlichen sich mit dem Beruf auseinandersetzen würden, die Begeisterung und das Interesse um einiges höher wären. «Wir müssen als Köchinnen und Köche aktiv zeigen, wie toll unser Beruf ist. Dies wollen wir mit dem Cercle des Chefs de Cuisine Davos (CCCD) nun vermehrt tun», erklärt Solberg. Er hofft, dass sich in Zukunft wieder mehr Jugendliche für seinen unglaublichen, einzigartigen Beruf interessieren und begeistern.

Kochen für einen guten Zweck

Der CCCD setzt sich allerdings nicht nur für die Förderung und Akquirierung von Jungköchen ein. Nein, vielmehr will der Verein auch Gutes tun. Aus diesem Grund organisiert der CCCD am 16. November die Gala «Moving Mountains» zugunsten der Kinderkrebshilfe. «Ich mag Kinder sehr. Deshalb ist mir die Gala, wie auch dem gesamten Verein, sehr wichtig», erklärt Solberg, «schlussendlich wollen alle unsere Mitglieder Menschen helfen und so Gutes tun.»

Moving Mountains

Die Köchinnen und Köche des CCCD setzen sich für weit mehr als nur den Beruf ein. Deshalb organisieren sie am 16. November im Kongresszentrum eine Gala zur Unterstützung der Kinderkrebshilfe. An jener kann ein vielseitiges Programm und natürlich feinstes Essen erwartet werden.

Infos zum Programm und Tickets:

www.ferienshop.davos.ch/de/events/386-moving-mountains



 

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