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Die ewige Wasserratte: Dieser Churer ist seit sechs Jahrzehnten Badi-Sand-Stammgast

Andreas Weber ist seit über 60 Jahren Stammgast in der Churer Badi Sand – ein Gespräch über Erinnerungen, Erneuerungen und unbändigen Eifer.

Bündner Woche
16.07.25 - 13:00 Uhr
Menschen & Schicksale

Von Cindy Ziegler

Die Badi Sand als Andreas Webers grosse Liebe zu bezeichnen, ist nicht übertrieben. Seit mehr als 60 Jahren ist er ihr treu. In dieser langen Zeit hat er sie gut kennen- und lieben gelernt – mit all ihren Ecken und Kanten. Und davon hat das Bad so einige. Wir treffen Andreas Weber beim Eingang zum altehrwürdigen Stadtbad, spazieren über die Anlage und setzen uns dann an einen Tisch beim Kiosk. Der Churer könnte mit jedem Schritt eine Geschichte erzählen. Kaum verwunderlich also, hat er zum 100-Jahr-Jubiläum der Badeanlage im Jahr 2022 (die «Büwo» berichtete) einen ausführlichen Artikel zur Geschichte der Badi Sand und allgemein dem Baden in Chur geschrieben. Er zeigt um sich. «Das Becken hat man 1957 auf 50 Meter verlängert. Und hier standen früher das Ein- und Dreimeter-Sprungbrett», erzählt er und lässt sich kaum unterbrechen. Leidenschaftlich berichtet er aus früheren Zeiten.

Die Badi Sand heute.
Die Badi Sand heute.
Bild: Cindy Ziegler

Den Mädchen imponieren

Andreas Weber kam als Achtjähriger nach Chur und seither kommt er auch wann immer möglich in die Badi Sand. «Ich habe hier schwimmen gelernt. Als Jugendlicher war die Badi dann ein wichtiger Treffpunkt für uns», sagt er und lacht ab einer Erinnerung, die ihm in den Sinn kommt. Früher sei das Wasserspringen noch ein beliebter Sport gewesen – unvergessen der Sprung vom Coiffeurmeister Paul Rommel vom Dach des Padrutt-Hauses aus 12 Metern Höhe ins 2,20 Meter tiefe Bassin der Willischen Badeanstalt am Münzweg im Jahr 1923. Und auch die Churer von Andreas Webers Generation wagten damals mutige Sprünge. «Vor allem um die Mädchen zu beeindrucken», ergänzt der Pensionär und grinst jungenhaft. Er blickt zum Dach des Kioskgebäudes. Dort gab es ursprünglich eine Liegefläche. «Die Mädchen sonnten sich dort und wir Jungs machten eine Wette, wer es mit einem Sprung schafft, sie nass zu spritzen. Tatsächlich gelang es einem Kollegen von mir mit einem Spezialsprung, dass ein Wasserstrahl aufs Dächlein prasselte.»

Er selbst sei kein grosser Springer gewesen, dafür ein leidenschaftlicher Taucher, Schwimmer und Wasserballer. Die beiden letztgenannten Sportarten praktizierte er jahrelang im Club. Die Geschichte des Schwimmclubs, Andreas Webers persönliche Geschichte und die der Badi Sand sind eng verwoben. «Die Gründungsmitglieder der Badi Sand und des Schwimmclubs waren weitestgehend dieselben», erklärt Andreas Weber. Er erinnert sich an viele Weggefährten, an den Bademeister Alfred Bänzinger zum Beispiel. «Er war hier für die Anlage verantwortlich, als ich als Junge zum ersten Mal hierherkam. Ich habe noch heute seine Visitenkarte. Er war Ski- und Schwimmlehrer.» Eine Kombination, die auch der Badi-Sand-Kenner reizvoll findet.

Die Badi Sand in den 70er-Jahren, als der jugendliche Andreas Weber jede freie Minute in der Badi verbrachte.
Die Badi Sand in den 70er-Jahren, als der jugendliche Andreas Weber jede freie Minute in der Badi verbrachte.
Bild: zVg
Die Badi Sand in den 70er-Jahren, als der jugendliche Andreas Weber jede freie Minute in der Badi verbrachte.
Die Badi Sand in den 70er-Jahren, als der jugendliche Andreas Weber jede freie Minute in der Badi verbrachte.
Bild: zVg

Das Schwimmen auch im Alter beibehalten

Und heute? Das Schwimmen hat er beibehalten. Wenn es Wetter und Wassertemperaturen zulassen, zieht er sich zu Hause seine Badehosen an und spaziert zur Badi Sand. Im Winter dürfe es dann auch mal die Badi Obere Au sein. «Schwimmen ist ein super Sport, weil es den ganzen Körper symmetrisch trainiert», erklärt er. Er erhebt den Zeigefinger und ergänzt: «Und es ist sehr gelenkschonend. Das merke ich in meinem Alter.»

Blaues Wasser und roter Boden: Die Badi Sand in einer Aufnahme aus dem Jahr 2021.
Blaues Wasser und roter Boden: Die Badi Sand in einer Aufnahme aus dem Jahr 2021.
Bild: zVg

Vor lauter Badetücher keine Liegewiese mehr

Mittlerweile ist es bereits kurz vor 18 Uhr. Eigentlich Feierabendzeit. Die Badi Sand ist an jenem Mittwoch jedoch weitestgehend leer. Nur ein junger Mann zieht seine Bahnen und legt sich dann zum Aufwärmen auf eine der Holzliegen am Beckenrand. Auch Andreas Weber hat seine Badehosen zu Hause gelassen. 18 Grad zeigt das Wasserthermometer an, die Luft ist nur ein paar wenige Grad wärmer. Der Pensionär beobachtet den Schwimmer kurz. «In den frühen 70er-Jahren war ich Kantonsschüler und durfte zwei Saisons (1971 und 1972) lang als Hilfsbademeister in der Badi Sand arbeiten. Es waren zwei heisse Sommer», erinnert er sich und zeigt auf die heute leere Liegewiese. «Da gab es Tage, da sah man vor lauter Badetüchlein die Wiese gar nicht mehr. Bis zu 1400 Leute tummelten sich im Bad.»

Andreas Weber hat einen USB-Stick mitgebracht. Darauf Dutzende Fotos aus früheren Badizeiten. Zu jedem weiss er etwas zu sagen. Militärschwimmen während des Zweiten Weltkriegs. Schweizerische Hallenmeisterschaft im Wasserspringen 1982 im Hallenbad Obere Au. Mannschaftsfotos von den Wasserballern und dem Schwimmclub. Verbleichte, selbstgeschossene Dia-Aufnahmen aus den Jugendjahren. Und immer wieder die Badi Sand. Charakteristisch mit dem roten Boden, dem blauen Becken und den Häuschen im neoklassizistischen Stil. Fotos von «seiner» Badi. Einer Badi, der er noch eine lange Zukunft wünscht und hofft, dass sich im kühlen Nass auch noch viele junge Menschen amüsieren. In diesem Zug kritisiert er die Preispolitik der Stadt und spricht sich für einen separaten Eintrittspreis für die Badi Sand aus und wichtige, noch nicht ausgeführte Renovierungen an. Viel Zeit für Kritik gibt es aber nicht. Zu fest hat er das kleine Bad mit Blick auf die Kirchentürme lieb gewonnen. Einer davon schlägt gerade 18 Uhr.

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