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Kommentar

Renovieren allein genügt nicht

Die Kirche glaubt an ihre Zukunft. Dazu gehört eine transparente Kommunikation.

Montag, 11. Februar 2019, 04:30 Uhr Kommentar
Befürworter und Gegner haben im Abstimmungskampf mit Plakaten und Inseraten für und gegen die Sanierung der Kirche gekämpft.
BILD PASCAL BÜSSER

Das Verdikt ist klar und deutlich: Über tausend Bürger haben sich gestern in Rapperswil-Jona an der Urne für die Kirchenerneuerung ausgesprochen. Exakt 600 reformierte Kirchbürger waren dagegen. Damit steht fest: Die Kirche bleibt definitiv im Dorf und kann für fünf Millionen Franken innen und aussen saniert werden.
Gestern wurden die Weichen für die reformierte Kirchgemeinde Rapperswil-Jona gestellt: Sie kann den seit vielen Jahren diskutierten Ausbau ihres Gotteshauses an der Zürcherstrasse in Angriff nehmen. Damit setzen die Kirchbürger ein deutliches Zeichen: Sie wollen ihre Kirche erneuern, in die Infrastruktur investieren und das Raumangebot erweitern. Ihnen ist es wert, einen höheren Betrag in die Hand zu nehmen und damit auf die Zukunft ihrer Kirchgemeinde zu setzen.
«Wir erneuern, weil wir an die Zukunft glauben»: Just mit diesem Slogan ist die Kirchgemeinde in den Abstimmungskampf getreten. Dieser zog unverhofft eine grössere Auseinandersetzung nach sich, weil eine Gruppe engagierter Kirchbürger in Opposition trat. Diese kritisierte die hohen Kosten der Vorlage, hinterfragte den Sinn des Ausbaus und wollte das viele Geld lieber in soziale Projekte stecken. Immerhin knapp 35 Prozent der Stimmbürger sahen das schliesslich auch so.
Die aufgebrochene Kontroverse mit einer abgebrochenen Plakatkampagne, zahlreichen Leserbriefen und der Mobilmachung der Gegner mit dem Wort Gottes haben aufgezeigt: Offensichtlich will die Leitung der Kirchgemeinde nicht dasselbe wie ein Teil der Bürger. Die Opponenten finden es schlicht unnötig, mit fünf Millionen die Kirche zu erneuern. Im offen ausgebrochenen Konflikt zwischen den Parteien wurde mit harten Bandagen gekämpft. Er fand seinen einsamen Tiefpunkt in anonymen Briefen, mit denen Gegner der Vorlage diffamiert wurden.
Was als gutes Zeichen zu betrachten ist: Die Gruppe engagierter Kirchbürger akzeptiert, dass die Mehrheit der Stimmberechtigten die Vorlage angenommen hat, und streckt die Hand in Richtung der Kirchgemeinde aus. Wie deren Vorsteher hoffen die Bürger, dass dank der Sanierung mehr Menschen den Weg in die Kirche finden mögen. Ob sie daran glauben, ist eine andere Frage. Die Vorsteher wiederum können auch etwas aus der Geschichte lernen: Transparenter zu informieren und die Gegner zu Wort kommen lassen.

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