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Johann Melchior Kubli würdevoll geehrt

180 Jahre nach seinem Tod erhielt der Staatsmann Johann Melchior Kubli in der Kirche Mühlehorn eine Ehrung, welche ihn zu Lebzeiten sicher unendlich gefreut hätte. Mit viel erhabener Musik, einem eindringlichen Nachruf und einer Gedenktafel, welche eigens für diese Feier angefertigt wurde.

Dienstag, 01. Dezember 2015, 13:33 Uhr

Die Präsidentin des Kulturforums Brandluft, Gret Menzi, durfte am Abend des 1. Advent eine grosse Gästeschar in der evangelischen Kirche Mühlehorn begrüssen. Hier an diesem kraftvollen Ort am Walensee wurde Melchior Kubli, geboren am  16. September 1750 in Netstal,   nach seinem Tod am 3. Januar 1835 auf dem Friedhof beigesetzt. Dies nachdem er seinen Lebensabend im Kublihaus in Quinten verbracht hatte. Nicht etwa, weil seine Familie ihn unbedingt im Glarnerland begraben wissen wollte – Mühlehorn war der einzige Ort am Walensee mit einer reformierten Kirche und Friedhof.

Werken und Wirken

Anmutig erzählt Cecile Lieberherr, wie sie während 25 Jahren im Leben von Kubli recherchiert hat. Bei ihren Nachforschungen hat sich ihr Bild vom rebellierenden Glarner gewaltig verändert. Wie, das machte der Lebenslauf deutlich, den Nicole Lieberherr in der Biographie " Johann Melchior Kubli – Fürsprecher im Hexenhandel um Anna Göldi“,  als Autorin festgehalten hat. Da ist vom 15-jährigen Netstaler die Rede, welcher nach dem frühen Tod seines Vaters in dessen Geschäftsfussstapfen treten musste. Auch politisch hatte er die Kublidynastie früh vertreten müssen. Wurde gelobt und gefeiert, bis ihn die Glarner „verdammten“, da er als Gerichtsschreiber die Akte „Anna Göldi“ Journalisten zukommen liess. In der Folge war er aktiv auf nationaler Ebene und vor allem im Kanton St.Gallen tätig. Er hatte die Hände im Spiel als die Untertanengebiete Toggenburg und Glarus in die Eigenständigkeit befreit wurden – dies in seiner Weitsichtigkeit auf den Krieg, welcher in Frankreich ausgebrochen war. 1798 verhandelte er mit den Franzosen „Unterkünfte für die Soldaten gegen Verzicht auf Krieg in der Ostschweiz“. Aber auch zum einfachen Menschen hatte er viel Sorge getragen: Er unterstütze die Armengenössigen mit Rat und Tat und setzte sich für die Pädagogik Pestalozzis ein. Für die Quintener hat er zeitlebens viel getan: Sie vor Armut bewahrt, die Landschaft bewirtschaftet und gleich auch noch die Landesgrenze für Quinten gesetzt: 1 Stunde Fussmarsch in jede Richtung. Das Kublihaus in Quinten ist mit seiner Besenbeiz durch die Betreuung von Lieberherr's inzwischen zu einem interessanten Ausflugsziel geworden.

Musik geographisch abgestimmt

Musikalisch eröffnet wurde die Feier mit Paganini’s „Cantabile“ - brillant gespielt von der Violinistin Scarlette Stocker und David Kobelt an der Orgel. Überhaupt haben diese zwei Musiker der ganzen Feier das Tüpfelchen aufs „i“ gesetzt. Nicht zuletzt deshalb, weil David Kobelt seinen Meister in der Registrierung der Orgel stellte, die dem Zuhörer das Gefühl eines aufspielenden Orchesters vermittelte. Der musikalische Bogen spannte sich über die nach Wasser tönende Komposition „Au Lac du Walenstadt“ von LISZT zu mo-zärtlichen Klarinettenklänge interpretiert durch die Violine bis hin zur beschwingten „Appenzeller Suite“, welche gleich noch die Zugabe der Polka „Uf em Heubüel“ einforderte.

Im Anschluss ans Biografische erfolgt die Zeremonie der Enthüllung der Gedenktafel: Zu diesem Akt führten erst Worte des Dankes von Gemeinderat Fridolin Elmer an das Kulturforum Brandluft – vorweg an die Initiantin dieser Feier, Gret Menzi. Anschliessend richtete er den Dank an die Frauen Lieberherr, welche mutig diese Kubli-Geschichten aufgearbeitet haben und schlussendlich der Dank an Steve Nann, welcher die Gedenktafel für den Friedhof gestaltet hat.

www.brandluft.ch

Ort:
8874 Mühlehorn
8752 Näfels
8750 Glarus

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