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Fischer der Stadt möbeln das Kinderzimmer der Fische auf

Die Bachfischer von Rapperswil-Jona platzieren mehrere Tonnen Steine und Holz in der Jona. Das Pilotprojekt soll zu mehr Fischen im Fluss und Zürichsee führen. Nicht bei allen Kollegen sind die Methoden gern gesehen.

Südostschweiz
28.10.24 - 04:30 Uhr
Linthgebiet
Geplant und angepackt: Die Bachfischer von Rapperswil-Jona um Thomas Steiner (l.) und Severin Lees haben rund ein Dutzend Baumstrünke in der Jona platziert.
Geplant und angepackt: Die Bachfischer von Rapperswil-Jona um Thomas Steiner (l.) und Severin Lees haben rund ein Dutzend Baumstrünke in der Jona platziert.
BILD PASCAL BÜSSER
Ein Kranlaster sorgte unlängst für Aufsehen bei Hündelern und Spaziergängern an der Jona. Auf Höhe der Sportanlagen Grünfeld hob dieser letzte Woche 600 bis 1000 Kilo schwere Steine in den Fluss. Unterhalb der Steine sind Baumstrünke mit Stahlseilen befestigt. Hinter der Aktion steckt die Bachbewirtschaftungsgruppe (BBG) Rapperswil-Jona mit 27 Mitgliedern. «Fischer schaffen Lebensraum», heisst es auf einem grossen Transparent. Infotafeln erklären die Hintergründe der Aktion. Und werden von aufmerksamen Hündelern eifrig gelesen. «Eine gute Sache», meint ein älterer Herr, der angibt, auch selber früher gelegentlich gefischt zu haben.
Mit schwerem Gerät:  Mithilfe eines Kranlasters platzieren die Fischer der Stadt Steine und Baumstrünke in der Jona
Mit schwerem Gerät:  Mithilfe eines Kranlasters platzieren die Fischer der Stadt Steine und Baumstrünke in der Jona
BILD ZVG
Ein Transparent informiert über den Einsatz der lokalen Fischer.
Ein Transparent informiert über den Einsatz der lokalen Fischer.
Auf einer Infotafel wird das Projekt in Kürze erklärt.
Auf einer Infotafel wird das Projekt in Kürze erklärt.

Dynamik in Bach bringen

Ziel der Aktion ist die «sofortige Schaffung von Strukturen für Adulte- und Jungfische», wie der Infotafel zu entnehmen ist. «Für die Brut wie auch für ausgewachsene Tiere – inklusive der gefährdeten Seeforellen – sind jegliche Strukturverbesserungen, welche Schutz vor Prädatoren bieten und den Lebensraum verbessern, wichtig für die Bestandserhaltung», heisst es dort weiter. Neben den Wurzelstöcken an den Gewichtssteinen befestigte die Bachbewirtschaftungsgruppe auch Aststrukturen und Rutenbündel entlang des Bachbetts. So sollen Fischunterstände und «Strukturen zur Förderung von sich dynamisch entwickelnden Strömungs- und Wassertiefenverhältnissen» entstehen.

Totholz bringt Dynamik: Die Baumstrünke und Steine sollen Jungfischen in der Jona Unterschlupf bieten.
Totholz bringt Dynamik: Die Baumstrünke und Steine sollen Jungfischen in der Jona Unterschlupf bieten.
Auch Kleintiere fühlen sich im Totholz wohl und liefern Nahrung für die Fische.
Auch Kleintiere fühlen sich im Totholz wohl und liefern Nahrung für die Fische.
Kurzlebigere Strukturen: Holzbündel liegen zur Montage am Flussrand bereit.
Kurzlebigere Strukturen: Holzbündel liegen zur Montage am Flussrand bereit.

Denn aktuell ist die Jona «durchgehend stark verbaut und fliesst mehrheitlich im selben Einheitsprofil», wie es auf einem Factsheet heisst. Das ökologische Erscheinungsbild werde gemäss Kanton als «stark beeinträchtigt» beurteilt. Dabei sei die Jona ein wichtiges Laichgewässer – auch für viele Seefische.

«Chrampfen» statt fischen

Ausgeheckt und geplant haben die Aktion Severin Lees und Thomas Steiner. Die beiden sind schon lange Mitglieder in der Bachbewirtschaftungsgruppe. Seit diesem Jahr führen sie diese offiziell im Co-Präsidium. Eine Strukturverbesserung der Jona sei schon länger Thema gewesen, sagt Lees. «Unsere Idee war es nun, das zu forcieren.» Geholfen hat dabei, dass Lees beruflich als Bauingenieur im Wasserbau tätig ist. «Ich wusste daher, welche Stellen anzugehen sind.»

Sie hätten über 100 Stunden Freizeit in das Projekt gesteckt. Dazu kämen viele Helferstunden der Mitglieder. Neben den über 200 Stunden Neophytenbekämpfung, die man entlang der Gewässer auf dem Gemeindegebiet von Rapperswil-Jona und Eschenbach jährlich leiste. «Gefischt habe ich dieses Jahr nur vier oder fünf Mal», sagt Lees. Und lacht.

Stösst auf Interesse: Hündeler begutachten die eingesetzten Elemente in der Jona.
Stösst auf Interesse: Hündeler begutachten die eingesetzten Elemente in der Jona.

Das Budget für die Aktion beträgt 30 000 Franken. Der grösste Teil stammt aus einem Fonds der St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK) für Renaturierungsprojekte. 3000 Franken hat der Verein selber beigesteuert. Dazu kommen Sachleistungen von Firmen als Sponsoring. Kantonale Amtsstellen haben die Pläne der Bachbewirtschaftungsgruppe überprüft und abgesegnet. Das Amt für Natur, Jagd und Fischerei übernimmt das Monitoring. Dieses soll zeigen, ob und wie stark sich die Fischpopulation verbessert.

Struktur statt Bewirtschaftung

«Es wird eine gewisse Zeit bauchen», sagt Lees. «Aber wir sind überzeugt, dass ein deutlicher Effekt bei der Fischpopulation zu sehen sein wird.» So habe sich etwa schon bei der Bestandeszählung gezeigt, dass auch nur kleine natürliche Strukturen wie ein paar Meter Grasbüschel mehrere Dutzend Kleinfische beherbergt haben.

«Wir versuchen lieber, eine nachhaltige Verbesserung hinzubringen», sagt Severin Lees, Co-Präsident der Bachbewirtschaftungsgruppe Rapperswil-Jona.
«Wir versuchen lieber, eine nachhaltige Verbesserung hinzubringen», sagt Severin Lees, Co-Präsident der Bachbewirtschaftungsgruppe Rapperswil-Jona.

Dass ein Fischereiverein auf eigene Initiative und mit privater Finanzierung solche Massnahmen umsetze, sei ungewöhnlich, sagt Steiner. Auch wenn der nationale Fischerverband das unterstütze. Die Philosophie der Fischer der Stadt stösst aber nicht bei allen Fischerkollegen auf Gegenliebe. Manchen gelten sie als «Ökofreaks», weil sie etwa auch auf den Besatz verzichten. Also das regelmässige Aussetzen von Jungfischen. «Wir als Bachbewirtschaftungsgruppe versuchen lieber, mit den natürlichen Strukturen eine nachhaltige Verbesserung hinzubringen», sagt Lees.

Stadt plant auch Renaturierung

Die Stadt Rapperswil-Jona selber plant an einem Hochwasserschutzprojekt für die Jona, das auch eine Renaturierung bringen soll. Eine Umsetzung sei aber in naher Zukunft nicht zu erwarten, so Lees. Die beständigen Elemente wie Steine könne man dannzumal wiederverwerten.

Die Fischer wollen in den nächsten Jahren mit dem Kanton überwachen, wie sich die Massnahmen auf die Fischpopulation auswirkt. Zugleich hat die Bachbewirtschaftungsgruppe schon weitere, grössere Pläne. Nächstes Jahr möchte sie rund 40 weitere Strünke in der Jona platzieren. Die Finanzierung stehe aber noch nicht. «Erst einmal wird der erste Schritt sauber abgerechnet.»

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