Fischer der Stadt möbeln das Kinderzimmer der Fische auf
Die Bachfischer von Rapperswil-Jona platzieren mehrere Tonnen Steine und Holz in der Jona. Das Pilotprojekt soll zu mehr Fischen im Fluss und Zürichsee führen. Nicht bei allen Kollegen sind die Methoden gern gesehen.
Die Bachfischer von Rapperswil-Jona platzieren mehrere Tonnen Steine und Holz in der Jona. Das Pilotprojekt soll zu mehr Fischen im Fluss und Zürichsee führen. Nicht bei allen Kollegen sind die Methoden gern gesehen.
Dynamik in Bach bringen
Ziel der Aktion ist die «sofortige Schaffung von Strukturen für Adulte- und Jungfische», wie der Infotafel zu entnehmen ist. «Für die Brut wie auch für ausgewachsene Tiere – inklusive der gefährdeten Seeforellen – sind jegliche Strukturverbesserungen, welche Schutz vor Prädatoren bieten und den Lebensraum verbessern, wichtig für die Bestandserhaltung», heisst es dort weiter. Neben den Wurzelstöcken an den Gewichtssteinen befestigte die Bachbewirtschaftungsgruppe auch Aststrukturen und Rutenbündel entlang des Bachbetts. So sollen Fischunterstände und «Strukturen zur Förderung von sich dynamisch entwickelnden Strömungs- und Wassertiefenverhältnissen» entstehen.
Denn aktuell ist die Jona «durchgehend stark verbaut und fliesst mehrheitlich im selben Einheitsprofil», wie es auf einem Factsheet heisst. Das ökologische Erscheinungsbild werde gemäss Kanton als «stark beeinträchtigt» beurteilt. Dabei sei die Jona ein wichtiges Laichgewässer – auch für viele Seefische.
«Chrampfen» statt fischen
Ausgeheckt und geplant haben die Aktion Severin Lees und Thomas Steiner. Die beiden sind schon lange Mitglieder in der Bachbewirtschaftungsgruppe. Seit diesem Jahr führen sie diese offiziell im Co-Präsidium. Eine Strukturverbesserung der Jona sei schon länger Thema gewesen, sagt Lees. «Unsere Idee war es nun, das zu forcieren.» Geholfen hat dabei, dass Lees beruflich als Bauingenieur im Wasserbau tätig ist. «Ich wusste daher, welche Stellen anzugehen sind.»
Sie hätten über 100 Stunden Freizeit in das Projekt gesteckt. Dazu kämen viele Helferstunden der Mitglieder. Neben den über 200 Stunden Neophytenbekämpfung, die man entlang der Gewässer auf dem Gemeindegebiet von Rapperswil-Jona und Eschenbach jährlich leiste. «Gefischt habe ich dieses Jahr nur vier oder fünf Mal», sagt Lees. Und lacht.
Das Budget für die Aktion beträgt 30 000 Franken. Der grösste Teil stammt aus einem Fonds der St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK) für Renaturierungsprojekte. 3000 Franken hat der Verein selber beigesteuert. Dazu kommen Sachleistungen von Firmen als Sponsoring. Kantonale Amtsstellen haben die Pläne der Bachbewirtschaftungsgruppe überprüft und abgesegnet. Das Amt für Natur, Jagd und Fischerei übernimmt das Monitoring. Dieses soll zeigen, ob und wie stark sich die Fischpopulation verbessert.
Struktur statt Bewirtschaftung
«Es wird eine gewisse Zeit bauchen», sagt Lees. «Aber wir sind überzeugt, dass ein deutlicher Effekt bei der Fischpopulation zu sehen sein wird.» So habe sich etwa schon bei der Bestandeszählung gezeigt, dass auch nur kleine natürliche Strukturen wie ein paar Meter Grasbüschel mehrere Dutzend Kleinfische beherbergt haben.
Dass ein Fischereiverein auf eigene Initiative und mit privater Finanzierung solche Massnahmen umsetze, sei ungewöhnlich, sagt Steiner. Auch wenn der nationale Fischerverband das unterstütze. Die Philosophie der Fischer der Stadt stösst aber nicht bei allen Fischerkollegen auf Gegenliebe. Manchen gelten sie als «Ökofreaks», weil sie etwa auch auf den Besatz verzichten. Also das regelmässige Aussetzen von Jungfischen. «Wir als Bachbewirtschaftungsgruppe versuchen lieber, mit den natürlichen Strukturen eine nachhaltige Verbesserung hinzubringen», sagt Lees.
Stadt plant auch Renaturierung
Die Stadt Rapperswil-Jona selber plant an einem Hochwasserschutzprojekt für die Jona, das auch eine Renaturierung bringen soll. Eine Umsetzung sei aber in naher Zukunft nicht zu erwarten, so Lees. Die beständigen Elemente wie Steine könne man dannzumal wiederverwerten.
Die Fischer wollen in den nächsten Jahren mit dem Kanton überwachen, wie sich die Massnahmen auf die Fischpopulation auswirkt. Zugleich hat die Bachbewirtschaftungsgruppe schon weitere, grössere Pläne. Nächstes Jahr möchte sie rund 40 weitere Strünke in der Jona platzieren. Die Finanzierung stehe aber noch nicht. «Erst einmal wird der erste Schritt sauber abgerechnet.»
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