Sommerferien auf dem Hauptplatz
Wenn er in Rapperswil zeitgemäss essen will, dann steuert unser Gastrokolumnist in den «Jakob» auf den Hauptplatz. Auch beim jüngsten Besuch überzeugt ihn das Lokal - auch wenn das Angebot seinen Preis hat.
Wenn er in Rapperswil zeitgemäss essen will, dann steuert unser Gastrokolumnist in den «Jakob» auf den Hauptplatz. Auch beim jüngsten Besuch überzeugt ihn das Lokal - auch wenn das Angebot seinen Preis hat.
von Martin Mühlegg
Wo kann man im Rapperswiler Zentrum gut essen? Diese Frage wird mir oft gestellt. Meine Antwort enthält meist das Wort «aber». Die allermeisten hiesigen Gastronomen sind nämlich für meinen Geschmack zu Mainstream und zu konservativ. Ich wünsche mir in Rapperswil mehr Restaurants, die eine kleine Karte haben mit frischen, saisonalen und mehrheitlich lokalen Gerichten. Ich wünsche mir mehr Zeitgeist und Kreativität, vor allem bei den vegetarischen und veganen Gerichten. Wie das geht, zeigen zum Beispiel die «Rössli Beiz» in Stäfa oder das Gasthaus «St. Meinrad» auf dem Etzelpass.
Erdige Töne, erfrischende Suppe
Meiner Vorstellung von zeitgemässer Küche kommt der «Jakob» recht nahe. Weil ich mich wie viele meiner Mitmenschen mehrheitlich vegetarisch oder vegan ernähre, kehre ich regelmässig dort ein. Mir gefällt auch das Lokal, das der frühere Rapperswiler Stadtrat Martin Klöti vor 25 Jahren mit viel Geschmack renovieren liess.
Als wir am Donnerstagabend vor einer Woche zu unserem Testessen einkehren, spielt draussen eine Liveband. Zuerst stören wir uns etwas am ausgelutschten Repertoire der beiden Männer mit Gitarre und Blues Harp («Knocking on Heaven’s Door», «House of the Rising Sun» usw.). Das zweite Set mit erdigeren Tönen und weniger bekannten Liedern entspricht eher unserem Geschmack.
Ich beginne mit einer kalten Gurken-Joghurt-Suppe mit Zitronengras (15 Franken). Die schöne Schale ist reichlich gefüllt, die Suppe ist an diesem schwülen Sommerabend eine perfekte Erfrischung. Meine Liebste bekommt ein Randen-Avocado-Tatar mit Feta (25 Franken), das ihr sehr gut schmeckt. Dazu trinken wir einen würzigen Rosé aus der Toskana, der aus Cabernet-Franc- und Syrah-Trauben gekeltert wird (9 Franken pro Glas).
Die Dorade nicht bereut
Meine Liebste ernährt sich mehrheitlich vegan. An diesem Abend hat sie aber Lust auf Fisch. Da die vom Kellner empfohlene frische Dorade für sie allein viel zu gross ist, schliesse ich mich ihr an. Wir bereuen es nicht, dass wir diese urtypische mediterrane Speise (Fisch aus dem Ofen mit Oliven, Kapern und Tomaten, 62 Franken) bestellt haben. Die verschiedenen Aromen dieses einfachen und leicht nachzubackenden Gerichtes passen wunderbar zusammen. Dazu gibt es einen leckeren Zitronenrisotto und Pak Choi mit Chili.
Die Portionen des Hauptgangs sind sehr gross, und ein Dessert bestellen wir nur, damit ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, davon berichten kann. Das Caramelköpfli mit Rahm (13 Franken) schmeckt sehr gut, wir empfehlen es gerne weiter. Luft nach oben gibt es – wie beim Hauptgang – bei der Präsentation. Beide Gerichte dürften etwas sorgfältiger und stilvoller angerichtet werden. Unserem Wonnegefühl schadet dies aber nicht. Wir bleiben noch lange sitzen und schliessen den stimmigen Abend auf dem Hauptplatz mit einem (vom Haus spendierten) Grappa (ich) und Limoncello (sie) ab.
Martin Mühlegg ist Journalist und Lebensmittelingenieur. Für die Kolumne «En Guetä» besucht er Restaurants der Region.
Gastrotipp
Restaurant: «Jakob», Rapperswil- Jona
Ambiente: Draussen auf dem Hauptplatz fühlt es sich an wie im Urlaub. Drinnen auch 25 Jahre nach der Renovation modern und zeitgemäss.
Service: Die beiden Kellner sind gut gelaunt, witzig und professionell. Die Wirtsleute Sonia und Piero Francabandiera sorgen für eine familiäre Atmosphäre.
Preis-Leistungs-Verhältnis: Die Preise sind recht hoch, aber angemessen. Wer aufs Budget achten will, verzichtet auf Wein (preislich teilweise an der Schmerzgrenze), Fleisch und Fisch.
Adresse und Öffnungszeiten: Hauptplatz 11, 8640 Rapperswil-Jona; www.jakob-rapperswil.ch, info@jakob-rapperswil.ch, T 055 220 00 50; Mo., Do., Fr., Sa. 11.00 – 00.00 Uhr; So 11.00 – 22.00 Uhr; Di. und Mi. geschlossen.
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