Postauto ohne Bargeld
Sehr geehrte Frau Maissen
Mit grossem Bedauern habe ich die Entscheidung der Bündner Regierung, am digitalen Bezahlsystem für Postautofahrten festzuhalten, zur Kenntnis genommen.
Zum einen wird die Forderung tausender Bündnerinnen und Bünder, weiterhin Bargeld als Zahlungsmittel in Postautos zu akzeptieren, ignoriert, zum anderen scheint der Kanton Graubünden keinen Wert auf Solidarität gegenüber älteren Menschen sowie denjenigen mit einer Beeinträchtigung oder auch Kindern zu legen. Das ist erschreckend!
Die Prepaid-Karten, welche nun beim Postautochauffeure zum Kauf angeboten werden - ein Kassensystem existiert also noch -, sind keine valable Lösung genau für die oben genannten Menschengruppen. Sie können gerne meine über 80-jährige, geistig fitte, aber körperlich beeinträchtigte Mutter beim Versuch begleiten, in einem Postauto am Automaten mit der Prepaid-Karte ein Billett zu lösen. Neben den technischen Problemen kommt die Angst hinzu, der Chauffeur könnte losfahren und sie würde stürzen. Eine nicht unberechtigte Angst. Sie wird ohne Hilfe kein Billett lösen können und Zeit ist keine gewonnen. Dasselbe gilt für Kinder und auch behinderte Personen. Was ist die Folge? Sie werden nicht mehr Postauto fahren und sind damit in ihrer Mobiliät empfindlich eingeschränkt, und das nur, weil … ja, warum eigentlich?
Denn dass Fahrpläne nicht eingehalten werden können, weil die Chauffeure Billette herausgeben müssen, hängt weniger mit denjenigen, die bar zahlen zusammen als mit den Fahrplänen, die seit der Fahrplanänderung zu eng getaktet sind.
Zum Abschluss noch ein Hinweis auf ein Land, das sich zum Ziel gesetzt hatte, bis 2030 alle Dienstleistungen zu digitalisieren: Norwegen. Dort wurde 2024 ein Gesetz verabschiedet, das es Geschäften verbietet, Bargeld abzulehnen. Denn eine Umfrage in Norwegen hatte gezeigt, dass bis zu 600'000 Norweger «digitale Analphabeten» sind, und das bei einer Bevölkerung von rund 5.5 Millionen. Die Zahlen wären wohl auch in der Schweiz auf vergleichbarem Niveau, nur unterscheidet sich Norwegen von der Schweiz im Umgang mit dieser Bevölkerungsgruppe. Denn sie soll mithilfe des Bargeld-Gesetzes berücksichtigt, anstatt weiter abgehängt werden, so die Ansicht der norwegischen Regierung.
Eine wünschenswerte Haltung auch für Graubünden, für die Schweiz.
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Wieder eine Falschmeldung!…
Wieder eine Falschmeldung!
In Norwegen wurde zwar ein Gesetz angenommen zum Bargeld angenommen, aber es gibt Ausnahmen für den Verkauf von Waren aus Verkaufsautomaten, den Verkauf in unbeaufsichtigten Verkaufsräumen und den Verkauf in Räumlichkeiten, zu denen nur ein begrenzter Personenkreis Zugang hat. Die Höchstgrenze für Bargeldzahlungen liegt bei 20.000 NOK. Auch kann in Bussen, Bahn und anderen Verkehrsmitteln nicht mit Bargeld bezahlt werden. Wird die Fahrkarte im Voraus an einer Verkaufsstelle gekauft, gilt ggf. ein Recht auf Barzahlung.
Zusammengefasst: Das "Norwegische Beargeldgesetzt" gilt nicht pauschal für den öffentlichen Verkehr. In Norwegen kann in Bussen, Zügen und anderen Verkehrsmitteln in der Regel nicht mit Bargeld bezahlt werden; das Barzahlungsrecht greift eher dann, wenn Fahrkarten vorher an einer Verkaufsstelle gekauft werden.