Die Schweiz wächst sich zu Tode
Unser Land ist wunderbar. Wohlstand, Friede, Sicherheit. Herrliche Landschaften und Natur. Alles ist sauber und geordnet. Noch. Das ungezügelte Wachstum führt ins Chaos.
Die Bevölkerung ist seit 1980 um mehr als 50 Prozent gewachsen. Österreich hat die doppelte Fläche und fast exakt die gleiche Einwohnerzahl wie die Schweiz. Es gibt immer mehr Beton, Verkehr, Stress. Weniger Kulturland, Natur, Ruhe. Die Auswüchse haben auch Graubünden erreicht. Hier ist es nicht das ausufernde Siedlungswachstum. Es ist der Verkehr, der jedes Wochenende hereinflutet. Es sind die Menschen, die einfallen wie Heuschrecken.
Man kann jeden verstehen, der wenigstens in der Freizeit dem Siedlungsbrei entfliehen will. Das Problem ist nicht so sehr die Anzahl Personen. Es ist das unflätige Gebaren. Rücksichtslosigkeit und Aggressivität sind ausgelöst vom Dauerstress. Respekt und Anstand gehen verloren. Gäste, die Land und Leute schätzen, sind stets willkommen. Graubünden verkommt aber immer mehr zur hektischen Freizeitarena für die Unterländer.
Die Schweiz ist einfach zu voll. Mit der Nachhaltigkeitsinitiative (10 Mio. sind genug) kann dem rasenden Wachstum ein Riegel geschoben werden.
Marcel Züger, Biologe, Salouf
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In der Schweiz werden pro…
In der Schweiz werden pro Kopf zwischen 4 und 5 Tonnen CO2 produziert. Berücksichtig man jedoch den gesamten Konsum inklusive importierte Güter, Flüge, Dienstleistungen, liegt der reale Fußabdruck bei 12 bis 15 Tonnen CO2. Dazu kommt noch, dass die Schweiz der weltweit wichtigste Handelsplatz für Rohstoffe ist, was zwischen 5-10% unseres BIBs ausmacht, und der Rohstoffhandel und -gewinnung sind heutzutage stark vernetzt.
Wenn man da glaubt, dass man einfach eine Käseglocke über die Schweiz stülpen kann, muss man konsequenterweise auch auf die Beiträge, mit denen das Ausland zu unserem Wohlstand beiträgt, verzichten. Die Italiener und Griechen, die die Aussengrenzen für uns schützen, könnten dann vielleicht einen Teil der Flüchtlinge direkt in die Schweiz schleusen. Die Frage ist auch, ob unsere Nachbarn und insbesondere Italiener, einfach stillsitzen und hoffärtig leiden, wenn wir Wasser in Stauseen horten, während bei ihnen die Seen und Flüsse austrocknen.
A propos «Unterländer», vergessen wir nicht, dass wir ein Empfängerkanton sind und dass Dank der Unterländer der Anteil von Zweitwohnungen in GR gedeckelt ist.
Wir brauchen…
Wir brauchen wirtschaftliches Wachstum, um den Wohlstand zu halten oder zu verbessern, so tönte es bereits in den 80er‑Jahren, und die Boomer profitierten davon. Nun ist es so, dass auch die heutige Jugend Wachstum braucht, um ihren Wohlstand halten zu können. Und so geht das in Hamsterrad‑Manier immer weiter, bis wohin eigentlich?
Wenn der "Wohlstand" nur…
Wenn der "Wohlstand" nur funktioniert, wenn wir wachsen, ist der Zusammenbruch vorprogrammiert. Die Natur macht uns vor, dass ein sogenanntes Fliessgleichgewicht gewahrt bleiben muss. Unkontrolliertes Wachstum einer Art bedeutet, dass sich diese Art ihrer Lebensgrundlagen beraubt oder sich auf Kosten anderer Arten ausbreitet. Auf den Mensch bezogen: Die Energie- und Rohstoffvorräte wachsen nicht, sondern sie werden immer weniger. Der Kollaps weltweit oder auch in einem begrenzten Gebiet ist uns sicher, auch wenn niemand dessen Jahreszahl kennt.
Wie der US-Amerikanische…
Wie der US-Amerikanische Ökonom Kenneth E. Boulding es so treffend ausdrückte: „Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum kann in einer endlichen Welt andauernd weitergehen, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.“ Ausserdem haben wir – und v.a. in der Schweiz – nur darum ein positives Wachstum, weil die externen Kosten, die bei der Produktion eines Gutes oder Dienstleistung anfallen, nicht im Preis inbegriffen sind. Das sind reale Kosten, die von v.a. Menschen rohstoffreichen Ländern und ihren – aber auch unseren – Nachkommen getragen werden. Es ist darum auch klar, dass viel mehr Geld vom Süden in den Norden fliesst als umgekehrt. D.h. Länder wie Nigeria subventionieren unseren Wohlstand und Lebensstil.