×

Co-Leitung in der Justizanstalt Cazis Tignez

Strafvollzug braucht Führung - Keine Experimente

Die Antwort der Regierung auf die Anfrage von Grossrat Metzger zur Co-Leitung in der Justizvollzugsanstalt Cazis Tignez ist wenig überzeugend.
Jobsharing mag in Verwaltung und Privatwirtschaft funktionieren, doch der Strafvollzug ist kein gewöhnlicher Verwaltungsbetrieb. Eine geschlossene Anstalt trägt direkte Verantwortung für Sicherheit, Ordnung und Krisenintervention. In kritischen Situationen braucht es eine klar legitimierte Entscheidungsinstanz - ohne Abstimmungsbedarf und ohne Interpretationsspielraum.
Die Regierung argumentiert mit moderner Personalpolitik und der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Das ist nachvollziehbar, doch im Hochsicherheitsbereich müssen Führungsstrukturen vor allem eines gewährleisten: Sicherheit und klare Verantwortlichkeiten - nicht arbeitsmarktpolitische Signale.
Auch das Argument der Kostenneutralität überzeugt nicht. Führung bemisst sich nicht an Lohnklassen, sondern an eindeutigen Zuständigkeiten. Geteilte Verantwortung bleibt geteilte Verantwortung - besonders im Ernstfall.
Es geht nicht um die Qualifikation der beiden Leiter, sondern um die Eignung des Modells. Eine geschlossene Vollzugsanstalt braucht eine starke Einzelspitze. Der Strafvollzug ist kein Experimentierfeld. Er verlangt klare Hierarchien und eindeutige Verantwortung.
Nach vielen Jahren in leitender Funktion im Justizvollzug bleibe ich überzeugt: Sicherheit entsteht durch Klarheit - nicht durch geteilte Führung.

Andrea Zinsli
13.03.26 - 12:24 Uhr
Leserbrief
Ort:
Chur
Zum Artikel:
Antwort der Regierung, Mitgeteilt 29. Januar 2026, Protokoll Nr. 43/2026.
Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.